Mobilfunk-Sicherheitslücke, Datenabzug

Mobilfunk-Sicherheitslücke: BR deckt Datenabzug bei Telekom, Vodafone und O2 auf

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 06:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

BR-Tests zeigen, dass Anrufer Gerätedaten aus deutschen Mobilfunknetzen auslesen konnten. Telekom und O2 schlossen die Lücke bereits.

BR-Recherche enthüllt Datenleck in Telekom-, Vodafone- und O2-Netzen
Ein ausgeschaltetes Smartphone auf einem dunklen Schreibtisch vor einem unscharfen Hintergrund aus Server-Technik. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine aktuelle Recherche des Bayerischen Rundfunks (BR) hat eine erhebliche Sicherheitslücke in den deutschen Mobilfunknetzen aufgedeckt. Bei umfangreichen Tests gelang es, sensible Informationen über die Endgeräte von Mobilfunknutzern allein durch einen Anruf zu erfassen. Betroffen von diesem Datenleck sind die Netze der drei großen Provider Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica (O2).

In einer Versuchsreihe mit over 70 Testanrufen konnten Journalisten nachweisen, dass verschiedene Gerätedaten an den Anrufer übertragen wurden, ohne dass die Angerufenen hiervon Kenntnis erlangten. Die Tiefe der ausgespähten Informationen variierte dabei je nach genutztem Mobilfunknetz.

Identifikationsnummern und Softwareversionen im Fokus

Die Untersuchungen zeigen, dass in den Netzen der Deutschen Telekom sowie von Telefónica (O2) die sogenannten IMEI-Nummern der Endgeräte an die Anrufer übermittelt wurden. Die IMEI (International Mobile Equipment Identity) dient der weltweit eindeutigen Identifizierung von Mobilfunkgeräten und ist damit ein hochsensibles Datum für die Privatsphäre der Nutzer.

Zusätzlich wurden in den Netzen der Telekom und von Vodafone Informationen über die konkreten Smartphone-Modelle sowie die jeweils installierten Versionen des Betriebssystems (OS) übertragen.

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Solche Daten sind für potenzielle Angreifer wertvoll, da sie gezielte Attacken auf bekannte Schwachstellen bestimmter Softwareversionen ermöglichen. Wie die Recherche belegt, war unter anderem der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter von dem Datenleck betroffen. Im Rahmen eines Testanrufs konnten seine Gerätedaten ausgelesen werden.

Sicherheitsbehörden und Verbände schlagen Alarm

Die Tragweite der Entdeckungen hat bereits Reaktionen auf politischer und behördlicher Ebene ausgelöst. Der betroffene Abgeordnete Kiesewetter stufte die Sicherheitslücke als ein gravierendes Einfallstor für ausländische Nachrichtendienste ein. Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) befasst sich mit dem Fall und ordnet die Schwachstelle als sicherheitsrelevant ein.

Auf internationaler Ebene hat die Branchenorganisation GSMA die Sicherheitslücke bestätigt. Der Verband, der weltweit die Interessen der Mobilfunkbetreiber vertritt, hat eine Warnung an seine über 1.000 Mitgliedsunternehmen herausgegeben.

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Die Datenübertragung der IMEI-Nummern und Softwareversionen erfolgte technischen Analysen zufolge im Rahmen des sogenannten SIP-Protokolls (Session Initiation Protocol), welches zur Steuerung von Kommunikationsverbindungen eingesetzt wird. Da es sich um eine Protokoll-Eigenschaft handelt, waren Mobilfunknetze weltweit von dieser Problematik betroffen.

Maßnahmen der Netzbetreiber

Die deutschen Mobilfunkprovider haben auf die Erkenntnisse reagiert und technische Anpassungen an ihrer Infrastruktur vorgenommen. Die Deutsche Telekom und Telefónica (O2) teilten mit, dass das Problem in ihren Netzen bereits gelöst wurde. Ein Sprecher von Vodafone erklärte, dass das Unternehmen entsprechende Maßnahmen ergriffen habe und dabei nach den Richtlinien der GSMA handle.

Einzig der Anbieter 1&1 scheint von der Sicherheitslücke nicht betroffen zu sein. Während die drei großen Netzbetreiber ihre Systeme nachbessern mussten, gab es bei 1&1 keine Anzeichen für eine ungewollte Übertragung der Gerätedaten im Rahmen des SIP-Protokolls. Experten sehen in der Schließung dieser Lücke einen wichtigen Schritt, um die missbräuchliche Erfassung von Nutzerdaten durch Dritte oder staatliche Akteure zu unterbinden.

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