MitraClip in Hof: Neue Generation verkürzt Eingriffe auf rund eine Stunde
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 23:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Medienberichte und aktuelle medizinische Entwicklungen rücken den langjährigen Umgang mit chronischen Herzfehlern sowie die Risikobewertung bei operativen Eingriffen am Herzen in den Fokus. Wie Betroffene über Jahrzehnte hinweg mit funktionellen Einschränkungen leben und welche Fortschritte moderne Behandlungsverfahren bieten, veranschaulichen sowohl prominente Einzelfälle als auch klinische Praxisberichte aus kardiologischen Zentren.
Jahrzehntelanges Leben mit angeborener Klappeninsuffizienz
Dass schwere Fehlbildungen des Herzens über viele Jahre unbemerkt bleiben können, verdeutlicht der Fall des 82-jährigen Extrembergsteigers Reinhold Messner. Wie aus Berichten hervorgeht, leidet er an einer angeborenen Herzklappeninsuffizienz, bei der 20 Prozent des Blutes nicht in die vorgesehene Richtung fließen.
Bereits als Kind traten bei ihm Schwindelgefühle und eine Ohnmacht im Bus auf. Dennoch bestieg er nach eigener Aussage mit dieser Beeinträchtigung alle 14 Achttausender und bewältigte mehr als 100 Expeditionen.
Die Diagnose des Herzfehlers erfolgte erst spät im Zusammenhang mit dem Einsetzen eines Herzschrittmachers, dem ein Kollaps mit stark verlangsamtem Puls bei einem Empfang vorausgegangen war.
Messner, der den Schrittmacher als Hilfe im Alltag beschreibt, durchlief bereits zwei Herzoperationen. Im Sommer 2026 folgte zudem ein Eingriff wegen zweier älterer Leistenbrüche, bei dem es nach Angaben seiner Ehefrau Diane Messner zu einer Blutung im Bauchraum kam.
Dass chronische Erkrankungen das gesamte Leben prägen, betrifft viele Menschen: Laut einer Reportage des Hessischen Rundfunks leben in Deutschland mehr als 100.000 Kinder und junge Erwachsene mit einer lebensverkürzenden Erkrankung, deren Zahl sich bei jungen Erwachsenen alle fünf Jahre verdoppelt.
Eine Betroffene ist die 27-jährige Sabrina Lorenz, die mit einem seltenen angeborenen Herzfehler lebt und der nach der Diagnose anfangs nur wenige Lebensjahre prognostiziert wurden.
Minimalinvasive Verfahren für Hochrisikopatienten
Parallel zu solchen Verläufen gewinnen schonende Eingriffe ohne Eröffnung des Brustkorbs an Bedeutung, um Risiken bei älteren oder geschwächten Betroffenen zu reduzieren. Am Sana Klinikum Hof kam erstmals das MitraClip-System der fünften Generation zum Einsatz. Die kathetergestützte Reparatur der Mitralklappe erfordert weder eine offene Herzoperation noch eine Herz-Lungen-Maschine.
Das Verfahren gehört dort seit Ende 2024 zum Spektrum, wobei mittlerweile über 40 Patienten behandelt wurden. Nach Angaben des Chefarztes der Kardiologie, Prof. Dr. Anil-Martin Sinha, sank die durchschnittliche Eingriffszeit von anfangs mehr als drei Stunden auf rund eine Stunde. Das Klinikum plant zudem die Einführung des TriClip-Verfahrens für die undichte Trikuspidalklappe.
Immer mehr kardiologische Zentren reparieren undichte Herzklappen heute über einen Katheter – ohne Brustkorb-Eröffnung und ohne Herz-Lungen-Maschine. Für ältere oder geschwächte Patienten kann das den Unterschied machen: kürzere Eingriffszeit, geringere Belastung, schnellere Erholung. Unser kostenloser Ratgeber fasst zusammen, welche Verfahren es gibt und welche Fragen Sie Ihrer Klinik stellen sollten. Kostenlosen Ratgeber jetzt anfordern
Auch am Klinikum Idar-Oberstein wurde erstmals ein Mitralclipping erfolgreich über die Leistenvene durchgeführt. Bei dem Verfahren wird die Mitralklappe am schlagenden Herzen versorgt, während der Brustkorb geschlossen bleibt.
Das Team um Chefarzt Prof. Dr. Natig Gassanov und den leitenden Oberarzt Kamran Mammadov zielt mit der Methode auf ältere Patienten mit Mitralklappeninsuffizienz und erhöhtem Operationsrisiko ab. Gassanov berichtete von erfolgreichen ersten Eingriffen ohne Komplikationen, die durch geringere Belastung und kürzere Liegezeiten gekennzeichnet seien.
Einen hohen Durchsatz bei schonenden Klappeneingriffen verzeichnet auch das Sana-Herzzentrum Cottbus. Die Klinik führt jährlich rund 650 minimalinvasive Aortenklappenimplantationen durch und betreut pro Jahr über 4.500 Patienten in Herzchirurgie und Kardiologie.
Seit der ersten Operation am offenen Herzen im Land Brandenburg am 7. Juni 1995 wurden an dem Zentrum mehr als 100.000 Patienten versorgt. Im Oktober 2026 zeigte sich der rasche Erholungsverlauf etwa am Fall des 70-jährigen Patienten Thomas Heptner, der bereits am Tag nach einem solchen Eingriff an einem Rundgang teilnehmen konnte.
Leitlinien, Nachsorge und ambulante Versorgung
Neben interventionellen Techniken spielen medikamentöse Therapien und Monitoring-Konzepte eine zentrale Rolle im Behandlungsalltag. Die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie zur Herzinsuffizienz aus dem Jahr 2026 fordern eine rasche Therapieoptimierung.
Bei Patienten mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion von 35 Prozent oder weniger bleibt in den ersten Monaten nach Diagnose ein relevantes Risiko für ventrikuläre Rhythmusstörungen und den plötzlichen Herztod bestehen.
Vor einer Entscheidung über einen fest implantierten Defibrillator empfehlen die Richtlinien eine mindestens dreimonatige Wartezeit unter optimierter Medikation, wobei eine tragbare Defibrillatorweste als vorübergehende Absicherung dienen kann.
Ergänzend dazu zeigen ambulante Betreuungsmodelle Potenziale für die Versorgung. Das Programm des britischen Barts Health NHS Trust betreut Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz zu Hause. Ziel ist es, Betroffene binnen zwei Wochen auf Basismedikamente und innerhalb von sechs Wochen auf die vollständige Medikation einzustellen, während Apotheker Vitalwerte täglich digital kontrollieren.
Die Angst vor der offenen Herzoperation hält viele Betroffene davon ab, eine undichte Herzklappe behandeln zu lassen. Dabei zeigen aktuelle Klinikberichte: Ein kathetergestützter Eingriff am schlagenden Herzen ist heute für ausgewählte Risikopatienten möglich – mit deutlich kürzerer Liegezeit. Unser kostenloser Ratgeber erklärt, für wen das infrage kommt und wie Sie sich im Klinikgespräch vorbereiten. Ratgeber zur schonenden Klappen-Reparatur sichern
Bei 445 Teilnehmern innerhalb von zwei Jahren gab es weder Todesfälle noch stationäre Wiederaufnahmen, was im ersten Jahr Einsparungen von 2 Millionen Pfund durch vermiedene Klinikaufenthalte einbrachte.
Angesichts von mehr als einer Million Betroffenen in Großbritannien und erwarteten Verdopplungen der Fallzahlen bis 2040 verdeutlicht der Ansatz die wachsende Bedeutung einer engmaschigen ambulanten Betreuung.
