Mirax-Trojaner, Android-Handys

Mirax-Trojaner: Tausende Android-Handys von Banking-Kunden infiziert

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 20:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Trojaner infizierte tausende Smartphones und ermöglichte unautorisierte Auslandsüberweisungen; die Kampagne war bei Veröffentlichung noch aktiv.
Dunkler Serverraum mit Industrieracks und Kabelsträngen in einer professionellen Architekturaufnahme. Illustration mit AI erstellt.

Das IT-Sicherheitsunternehmen Group-IB warnt in einem Bericht vom 5. November 2026 vor einer großangelegten Schadsoftware-Welle. Demnach wurden zwischen März und September 2026 tausende Android-Smartphones von Retail-Banking-Kunden in der META-Region mit dem Device-Takeover-Trojaner Mirax infiziert. Die Kampagne verzeichnete dabei zwei deutliche Aktivitätsspitzen: während der Eid-Feiertage sowie Ende Juli.

Hohe finanzielle Schäden durch unautorisierte Auslandsüberweisungen

Die Hintermänner leiteten über die infizierten Geräte unautorisierte internationale Überweisungen ein. Die Gelder flossen dabei auf Konten im Ausland, bei denen es sich laut Group-IB teilweise um mutmaßliche Mule-Konten handelte. Die geschätzten finanziellen Verluste bewegen sich in Millionenhöhe US-Dollar. Da in diesen Berechnungen lediglich bestätigte Vorfälle erfasst wurden, dürfte der tatsächliche Gesamtschaden real noch höher liegen.

Mirax nimmt gezielt mehr als 20 Banken und Digital Wallets in der META-Region ins Visier. Das Sicherheitsunternehmen wies darauf hin, dass die bösartige Kampagne zum Zeitpunkt der Berichtsveröffentlichung weiterhin aktiv war.

Komplexe Architektur und dynamisches Nachladen

Technisch zeichnet sich der Trojaner durch eine flexible Steuerungsarchitektur aus. Sowohl die Konfiguration für die Befehlsserver (C2) als auch Phishing-Vorlagen und App-Zuordnungen lädt die Schadsoftware erst zur Laufzeit dynamisch vom Server nach.

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Group-IB identifizierte eine Dual-WebSocket-Verbindung über einen einzelnen Host, die durch einen HTTP-Long-Poll-Fallback und DNS-over-HTTPS abgesichert wird. Im Quellcode wiesen die Sicherheitsforscher der Schadsoftware den internen Build-Tag aquafina nach.

Weltweite Zunahme mobiler Banking-Malware und Phishing-Wellen

Die Vorfälle um Mirax reihen sich in eine Serie ähnlicher Angriffe ein. Das IT-Sicherheitsunternehmen Kela beobachtet eine seit Mai 2026 aktive Bank-Phishing-Kampagne mit über 300 gefälschten Domains.

Davon imitieren 248 Adressen insgesamt 189 US-Finanzinstitute, vorwiegend mittelgroße Regionalbanken. Stand 25. Oktober 2026 wiesen 183 der Zielorganisationen aktive Nachbildungen auf, wobei allein in der vorangegangenen Woche 49 neue Domains registriert wurden.

In Asien warnte Cybersecurity Malaysia (MyCert) in einem Advisory vom 4. November 2026 vor der betrügerischen Android-App BNM Mobile Security. Kriminelle kontaktieren Kunden telefonisch, geben sich als Behördenvertreter aus und fordern Opfer dazu auf, kontaktlose Zahlungskarten per Nahfeldkommunikation (NFC) an das Smartphone zu halten.

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Die App leitet die Kartendaten anschließend verschlüsselt an Server der Täter für unbefugte Transaktionen weiter. Parallel breitet sich laut Sicherheitsfirmen der Android-Trojaner Hirudo über Indonesien hinaus nach Vietnam, Thailand und Malaysia aus, wo modifizierte Bank-Apps Schutzmechanismen umgehen.

Auch afrikanische Behörden schlagen Alarm. In Senegal warnte die Police nationale in einer Mitteilung vom 9. Oktober 2026 vor großangelegtem Betrug gegen Nutzer mobiler Finanzdienste mittels Schadsoftware. In Nigeria wies der Bankenverband ACAMB auf Phishing und geklonte Online-Banking-Seiten hin und stellte klar, dass Institute niemals Passwörter oder PIN-Codes über externe Links anfordern.

Empfohlene Schutzmaßnahmen für Smartphone-Nutzer

Gefälschte Banking-Anwendungen versuchen häufig, Systemrechte für SMS, Benachrichtigungen und Anruflisten abzugreifen, um Einmalkennwörter abzufangen. Als Köder dienen typischerweise Nachrichten über drohende Kontosperrungen oder ausstehende Identitätsprüfungen.

Sicherheitsexperten raten dringend dazu, App-Installationsdateien keinesfalls über Messenger-Dienste wie WhatsApp oder SMS herunterzuladen, sondern ausschließlich offizielle Stores oder bankeigene Websites zu nutzen.

Zudem sollten Google Play Protect aktiviert, die Installation aus unbekannten Quellen im Betriebssystem blockiert und Authentifizierungsdaten grundsätzlich vertraulich behandelt werden. Im Falle einer bereits installierten verdächtigen App empfiehlt sich das sofortige Aktivieren des Flugmodus sowie der Entzug von Barrierefreiheits- und Administratorrechten vor der Deinstallation.

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