MikroTik-Router: Sechs kritische Lücken ermöglichen komplette Übernahme
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die polnische Cybersicherheitsbehörde CERT Polska warnt vor schwerwiegenden Schwachstellen in Routern des Herstellers MikroTik. Unter dem Namen „MikroTrick“ bekannt gewordene Sicherheitslücken ermöglichen Angreifern die vollständige Übernahme von Geräten ohne vorherige Authentifizierung, sofern der SSH-Zugang über das Internet erreichbar ist.
Sicherheitsexperten von CERT Polska identifizierten insgesamt sechs kritische Schwachstellen im Betriebssystem RouterOS, darunter die als CVE-2026-67276 und CVE-2026-86060 geführten Fehler. Die Kombination dieser Lücken erlaubt es unbefugten Dritten, die Kontrolle über betroffene Router zu erlangen. Berichten zufolge werden diese Schwachstellen bereits aktiv für Angriffe genutzt.
Aktive Ausnutzung und Erkennungsmerkmale
Die Behörde dokumentierte Angriffe auf MikroTik-Router, die seit Anfang September registriert wurden. Dabei konnten Aktivitäten beobachtet werden, die von der IP-Adresse 82.192.72.4 ausgingen. Angreifer nutzen den internet-exponierten SSH-Zugang, um sich ohne gültige Anmeldedaten Zugriff zu verschaffen. Ein deutliches Anzeichen für eine erfolgreiche Kompromittierung ist die automatisierte Erstellung eines neuen Benutzerkontos mit dem Namen „ops“.
Branchenanalysten weisen darauf hin, dass betroffene Systeme über einen speziellen „Flagged“-Status verfügen können. Dieser Mechanismus dient dazu, eine erfolgte Manipulation des Geräts nachträglich zu identifizieren. Administratoren wird geraten, diesen Status nach der Installation von Sicherheitsupdates umgehend zu prüfen.
Betroffene Versionen und verfügbare Sicherheits-Patches
Die Sicherheitslücken betreffen einen weiten Bereich von Softwareversionen. Gefährdet sind Systeme mit den RouterOS-Versionen 6.0.0 bis 6.49.20 sowie die Zweige 7.0.0 bis 7.23.3 und 7.24.0 bis 7.24.1.
Der Hersteller hat bereits reagiert und stellt seit den ersten Septembertagen aktualisierte Firmware-Versionen bereit, welche die Schwachstellen beheben. Korrekturen sind in den Versionen 6.49.21, 7.23.4 (beziehungsweise 7.23.5), 7.24.2 sowie in der Vorabversion 7.25beta3 enthalten. Nutzer werden aufgefordert, ihre Systeme zeitnah zu aktualisieren, um das Risiko einer Übernahme zu minimieren.
Sollte ein Router bereits Anzeichen einer Kompromittierung zeigen, empfehlen IT-Sicherheitsexperten eine strikte Vorgehensweise: Das betroffene Gerät muss isoliert und auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt werden. Im Anschluss ist eine Änderung sämtlicher Zugangsdaten zwingend erforderlich.
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Umfassende Bedrohungslage für Netzwerkinfrastruktur
Die aktuelle Warnung steht im Kontext einer generell angespannten Sicherheitslage für Netzwerkgeräte. Das FBI warnte in diesem Zusammenhang vor der sogenannten TheMoon-Malware, die gezielt veraltete Router-Modelle angreift. Besonders gefährdet seien ältere Geräte, für die der Herstellersupport bereits eingestellt wurde, wie bestimmte Modelle der Linksys-Serien E1000, E1200, E2500, E4200 oder WRT320N.
Zudem wiesen Geheimdienste bereits im Juli in einem gemeinsamen Advisory auf Aktivitäten der russischen Hackergruppe Turla hin. Diese Gruppe nutze häufig schlecht konfigurierte Router aus, wobei Angriffe oft über das Protokoll SNMP mit Standard-Passwörtern oder die Funktion Cisco Smart Install erfolgen.
Empfehlungen für eine robuste Router-Konfiguration
Zur allgemeinen Härtung der Netzwerksicherheit raten Fachleute und Behörden zu einer Reihe von Standardmaßnahmen. Dazu gehört die konsequente Deaktivierung der Fernverwaltung (Remote Management) sowie unnötiger Dienste wie UPnP oder Port Forwarding. Administrator-Passwörter sollten grundsätzlich von den Werksvorgaben abweichen und komplexe Strukturen aufweisen.
Weitere empfohlene Schritte umfassen:
* Die Aktivierung der WPA3-Verschlüsselung für drahtlose Netzwerke.
* Die Deaktivierung von WPS (Wi-Fi Protected Setup).
* Die Nutzung von Gastnetzwerken für IoT-Geräte, um diese vom Hauptnetzwerk zu trennen.
* Die regelmäßige Kontrolle der DNS-Einstellungen und die Überwachung des Netzwerkverkehrs.
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Während die NSA sogar zu wöchentlichen Neustarts von Routern rät, um die Sicherheit und Leistung zu verbessern, betonen Experten, dass ein einfacher Neustart nicht mit einem vollständigen System-Reset gleichzusetzen ist. Bei Verdacht auf Finanzbetrug im Zusammenhang mit gehackten Geräten verweisen Behörden zudem auf spezialisierte Helplines für Betroffene.
