Mikroplastik, Lunge

Mikroplastik in der Lunge: Partikel bleiben 14 Tage und verstärken Allergien

30.05.2026 - 00:42:16 | boerse-global.de

Forscher der MedUni Wien weisen nach: PET-Partikel verbleiben 14 Tage im Lungengewebe und verstärken allergische Reaktionen.

Mikroplastik in der Lunge: Partikel bleiben 14 Tage und verstärken Allergien - Foto: über boerse-global.de
Mikroplastik in der Lunge: Partikel bleiben 14 Tage und verstärken Allergien - Foto: über boerse-global.de

Wiener Forscher belegen: PET-Partikel bleiben mindestens 14 Tage im Lungengewebe und verstärken Allergien.

Die unsichtbare Gefahr wird immer greifbarer. Gleich mehrere aktuelle Studien belegen, wie tief Mikroplastik in den menschlichen Körper eindringt – und welche gesundheitlichen Folgen das haben kann. Besonders brisant: Die winzigen Partikel wirken offenbar als Verstärker für bestehende Entzündungen und Allergien.

Mikroplastik als Brandbeschleuniger für Allergien

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Forscher der MedUni Wien haben erstmals im Detail nachgewiesen, wie sich Polyethylenterephthalat (PET) – bekannt aus Plastikflaschen – in der Lunge verhält. Die am 29. Mai im Fachjournal Journal of Hazardous Materials Advances veröffentlichte Studie zeigt: Nach einer einzigen Verabreichung über die Atemwege blieben die Partikel bei Mäusen mindestens 14 Tage lang im Lungengewebe nachweisbar.

Das Team um Michelle Epstein, das im Rahmen des EU-Projekts IMPTOX forscht, beobachtete zudem eine deutliche Entzündungsreaktion. Besonders besorgniserregend: Traf Mikroplastik auf Allergene wie Ambrosia-Pollen, verstärkte sich die Atemwegsentzündung massiv. „Wir sehen einen klaren Synergieeffekt zwischen Umweltgiften und Allergenen", so die Forscher. Zwar seien die Ergebnisse nicht direkt auf den Menschen übertragbar – doch der Mechanismus gebe Anlass zur Sorge.

Wenn der Stoffwechsel die Lunge angreift

Doch nicht nur Plastikpartikel setzen der Lunge zu. Das Helmholtz Zentrum München hat Ende Mai eine Studie gestartet, die einen überraschenden Zusammenhang untersucht: Ungesunde Ernährung als Auslöser für COPD. Die Forscher analysieren, wie sogenannte Adipokine – Botenstoffe aus dem Fettgewebe – Lungengewebe schädigen können. Bislang galt Rauchen als Hauptrisikofaktor für rund 90 Prozent der COPD-Fälle. Nun rückt der Stoffwechsel in den Fokus.

Gute Nachrichten gibt es dagegen aus der Therapieforschung: Die Phase-2-Studie ABRA, an der das King's College und die Universität Oxford beteiligt waren, zeigt Fortschritte bei der Behandlung von COPD-Schüben. Der Biologik-Wirkstoff Benralizumab konnte das Risiko eines Therapieversagens über 90 Tage hinweg senken – im Vergleich zur herkömmlichen Behandlung mit Prednisolon.

Hoffnung für Lungenfibrose-Patienten

Ein Durchbruch zeichnet sich auch bei der Lungenfibrose ab. Ein Forscherteam des Deutschen Zentrums für Lungenforschung veröffentlichte am 28. Mai eine Studie zum Ionenkanal TRPML1. Dieser Kanal steuert den Abbau von Kollagen und Elastin in der Lunge. Funktioniert er nicht richtig, sammelt sich Bindegewebe an – die Lunge verhärtet. In Zellversuchen gelang es den Wissenschaftlern, den Kanal gezielt zu aktivieren und so die Freisetzung gewebeabbauender Enzyme anzuregen. Ein vielversprechender Ansatz für eine neue Therapie.

Mikroplastik im Blut: Erste Entfernungsmethode entwickelt

Die Belastung beschränkt sich nicht auf die Atemwege. Eine am 22. Mai im Journal of Clinical Apheresis veröffentlichte Studie des Unternehmens Circulate Health zeigt: Die therapeutische Plasmaaustauschbehandlung (TPE) kann Mikroplastik tatsächlich aus dem Blutkreislauf entfernen. Bei Patienten mit hohen Ausgangswerten sank die Konzentration von durchschnittlich 52,2 auf 21,1 Partikel pro 100 Mikroliter. Es ist die erste dokumentierte medizinische Methode zur Entfernung von Mikroplastik aus dem menschlichen Körper.

Noch kleiner, aber womöglich gefährlicher sind Nanoplastikteilchen. Eine Studie der Universität Ostfinnland, veröffentlicht in NanoImpact, belegt: Partikel unter 1.000 Nanometern werden direkt von Nervenzellen aufgenommen. Sie beeinflussen das Zellwachstum und die Genexpression stärker als größere Mikroplastikpartikel – und das bereits in geringen Dosen.

Verbraucherschutz: Jedes zweite UV-Shirt fällt durch

Die Belastung beginnt oft im Alltag. Der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) testete im Rahmen des EU-Projekts „Toxfree life for all" zwölf UV-Schutzshirts für Kinder. Das am 28. Mai veröffentlichte Ergebnis ist ernüchternd: Nur sechs der zwölf Shirts erreichten den beworbenen Schutzfaktor 50+. Acht der zwölf Produkte enthielten zudem Bisphenole (BPS oder BPF) – in einigen Fällen in hohen Konzentrationen. Betroffen waren Artikel mehrerer großer Handelsketten.

Die Umweltverschmutzung bestätigt das Bild. Eine brasilianische Studie von Rebimar fand am 28. Mai Mikroplastik im Verdauungstrakt von 93,6 Prozent der untersuchten Fische aus Märkten an der Küste von Paraná. Auch Vögel sind betroffen: 69 Prozent der untersuchten Seevögel, darunter Möwen und Kaninchenkäuze, wiesen Mikroplastik in ihrem Gewölle auf.

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Enzyme und Bakterien: Neue Waffen gegen Plastikmüll

Die Forschung arbeitet auch an der Lösung des Problems. Die Universität Leipzig gab am 28. Mai bekannt, dass das Enzym PHL7 – ursprünglich 2021 aus Kompost isoliert – optimiert wurde. Es kann PET nun auch unter industriellen Bedingungen und sogar in Leitungswasser zersetzen. Das Spin-off ESTER-Biotech plant den Bau einer Pilotanlage.

Einen ungewöhnlichen Ansatz verfolgen Forscher der University of Rochester. Sie entwickelten 3D-gedruckte „Bio-Sticker", die salztolerante Bakterien enthalten. Diese beschleunigen den Abbau von PHB-Biokunststoffen im Meerwasser. Die Aufkleber bleiben mindestens drei Wochen aktiv und sind wiederverwendbar – ein vielversprechendes Werkzeug gegen Plastikmüll in den Ozeanen.

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