Mikroplastik, Arterien

Mikroplastik in Arterien: 51-mal höhere Konzentration bei Schlaganfall

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 09:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gefäßproben nach Schlaganfällen enthielten deutlich mehr Mikroplastik, während Tierdaten mögliche Effekte zeigen. Ein Ursachennachweis fehlt weiterhin.

Mikroplastik in Gefäßen: Studien zeigen auffällige Belastungsunterschiede
Ein einzelner Wassertropfen auf einer strukturierten, verwitterten Steinoberfläche im natürlichen Licht. Illustration mit AI erstellt.

Mikroplastik gilt zunehmend als möglicher Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Studie, die auf der Vascular Discovery 2025 Tagung der American Heart Association im April 2025 in Baltimore vorgestellt wurde, hat die Aufmerksamkeit erneut auf die Frage gelenkt, welche Rolle winzige Plastikpartikel in menschlichem Gefäßgewebe spielen könnten.

Deutlich höhere Konzentrationen in erkrankten Gefäßen

Für die Untersuchung wertete ein Forschungsteam der University of New Mexico 48 Proben aus Halsschlagadern aus, die zwischen 2023 und 2024 gesammelt worden waren.

Der Vergleich fiel deutlich aus: Bei asymptomatischen Patienten mit Plaque-Ablagerungen lag die Mikro- und Nanoplastik-Konzentration bei 895 Mikrogramm pro Gramm Gewebe – gegenüber 57 Mikrogramm pro Gramm bei gleichaltrigen Gewebespendern ohne Plaque. Das entspricht einem etwa 16-fach höheren Wert.

Noch deutlicher zeigte sich der Unterschied bei Patienten, die bereits einen Schlaganfall, eine transitorische ischämische Attacke oder eine Amaurosis fugax erlitten hatten: Hier lag die Konzentration bei 2.888 Mikrogramm pro Gramm – rund 51-mal so hoch wie bei den plaquefreien Vergleichspersonen.

Die Autoren betonten jedoch, dass sich aus den Daten kein Zusammenhang zwischen der Mikroplastik-Ablagerung und akuter Entzündung ableiten lässt. Stattdessen fanden sie Hinweise auf eine veränderte Genaktivität in plaque-stabilisierenden Zellen. Ein Kausalitätsnachweis – also der Beleg, dass Mikroplastik tatsächlich ursächlich zu Gefäßerkrankungen beiträgt – liegt damit weiterhin nicht vor.

Tierstudie liefert zusätzliche Hinweise

Parallel dazu lieferte eine Studie der University of California, Riverside, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Environment International, experimentelle Anhaltspunkte aus dem Tiermodell. Mäuse erhielten über neun Wochen eine Mikroplastik-Dosis von 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Bei männlichen Tieren stieg die Plaquebildung an der Aortenwurzel um 63 Prozent, in der brachiozephalen Arterie sogar um 624 Prozent. Bei weiblichen Mäusen zeigte sich dagegen keine signifikante Zunahme.

Der Studienleiter Changcheng Zhou bewertete die Ergebnisse als bislang stärksten Hinweis auf einen direkten Beitrag von Mikroplastik zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen; die Forschung zeigte zudem, dass Endothelzellen betroffen waren und Gene aktiviert wurden, die das Plaquewachstum begünstigen.

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Die neue Untersuchung an Halsschlagadern zeigt: Bei Patienten nach Schlaganfall lag die Mikroplastik-Konzentration rund 51-mal höher als bei plaquefreien Vergleichspersonen. Einen Kausalitätsbeweis gibt es noch nicht — aber wer seinen Alltag bewusst plastikärmer gestalten will, findet hier die wichtigsten Stellschrauben. Kostenlosen Leitfaden zu Mikroplastik im Alltag anfordern

Offene Fragen zur Gesamtbelastung

Trotz dieser Befunde bleibt der wissenschaftliche Kenntnisstand insgesamt lückenhaft. Als Mikroplastik gelten Partikel zwischen unter 5 Millimetern und 1 Mikrometer Größe.

Fachleute gehen davon aus, dass eine langfristig hohe Exposition potenziell entzündungsfördernd wirken kann, und weisen darauf hin, dass in Kunststoffen enthaltene Substanzen wie Bisphenol A oder Phthalate das Hormonsystem, die Reproduktion und die fötale Entwicklung beeinträchtigen könnten. Ein starker wissenschaftlicher Beweis für konkrete, durch Mikroplastik verursachte Krankheiten steht jedoch weiterhin aus.

Auch zur Frage, wie viel Mikroplastik Menschen insgesamt aufnehmen, existiert bislang keine robuste Gesamtzahl. Eine ältere Studie aus dem Jahr 2019 schätzte die Aufnahme über die Nahrung auf zehntausende Partikel pro Jahr, wobei die Belastung durch Einatmen vermutlich noch höher liegt.

Weitere Untersuchungen fanden in drei getesteten Flaschenwassermarken durchschnittlich rund 240.000 Mikro- und Nanoplastikpartikel pro Liter, wovon etwa 90 Prozent auf Nanoplast entfielen.

In Innenräumen wurden zudem hunderte einatembare Partikel pro Kubikmeter gemessen, in Autokabinen deutlich mehr – Schätzungen zufolge könnte ein Erwachsener täglich zehntausende Partikel einatmen. Eine vielzitierte Behauptung, wonach Menschen wöchentlich Plastik im Gewicht einer Kreditkarte aufnehmen, gilt als nicht belegt.

Einordnung

Die vorliegenden Daten zeichnen ein Bild, das Vorsicht nahelegt, aber noch keine abschließenden Schlussfolgerungen zulässt. Sowohl die Untersuchung an menschlichem Gefäßgewebe als auch die Tierstudie deuten auf mögliche Zusammenhänge zwischen Mikroplastik-Exposition und Veränderungen im Herz-Kreislauf-System hin.

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Ein direkter Kausalitätsnachweis beim Menschen fehlt jedoch bislang, ebenso wie belastbare Zahlen zur tatsächlichen Gesamtaufnahme im Alltag. Weitere Forschung dürfte notwendig sein, um zu klären, ob und in welchem Ausmaß Mikroplastik tatsächlich zu Entzündungsprozessen und Gefäßerkrankungen beiträgt.

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