Mikrobiom: 44% Mundmikroben-Übereinstimmung bei Paaren
16.06.2026 - 20:30:20 | boerse-global.de
Krankheitserreger manipulieren gezielt den Stoffwechsel ihrer Wirtszellen. Das zeigen gleich mehrere aktuelle Studien – mit Folgen für Infektionen, chronische Krankheiten und Antibiotikaresistenzen.
Die Wechselwirkung zwischen Mikroorganismen und dem Menschen geht weit über die Immunantwort hinaus. Erreger greifen tief in den Zellstoffwechsel ein, um Ressourcen zu kapern oder die Abwehr zu umgehen. Das hat nicht nur Folgen für akute Infektionen, sondern auch für chronische Stoffwechselerkrankungen.
Wenn Bakterien den Energiestatus anzapfen
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Ein Forschungsteam um Professor Michael Lammers von der Universität Greifswald hat einen cleveren Mechanismus entschlüsselt. Der Virulenzfaktor SnCE1 des Bakteriums Simkania negevensis ist direkt an den Energiestoffwechsel der Wirtszelle gekoppelt.
Der Erreger nutzt Acetyl-CoA – einen zentralen Baustein des zellulären Energiestoffwechsels. SnCE1 modifiziert Proteine, indem es SUMO-Moleküle entfernt und Acetylgruppen anheftet. So passt das Bakterium seine krankmachende Strategie effizient an die verfügbaren Ressourcen an. Die Studie erschien 2026 in Nature Communications.
Mikrobiom: Ansteckend und riskant
Die Zusammensetzung des Mikrobioms im sozialen Umfeld spielt eine entscheidende Rolle für die Stoffwechselgesundheit. Eine Studie der Universität Trient untersuchte 430 Personen aus 207 Haushalten in Italien und auf den Fidschi-Inseln.
Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Zusammenlebende teilen im Darm 19 Prozent ihrer Mikrobenstämme, im Mundraum 26 Prozent. Bei Paaren steigt die Übereinstimmung der Mundmikroben durch engen Kontakt auf bis zu 44 Prozent.
Übertragbare Darmmikroben sind mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Auch ein Zusammenhang mit bestimmten Mundmikroben und Darmkrebs wurde beobachtet. Die Studie erschien im Juni 2026 in Cell Press Blue.
Energieeffizienz als Resistenzfaktor
Wie effizient Bakterien Energie verbrauchen, ist ein Schlüsselfaktor für Antibiotikaresistenzen. Ein Team der Universität Jena um Professorin Ute Hellmich entschlüsselte den Mechanismus von ABC-Transportern. Diese „Multiwirkstoffpumpen" verbrauchen ATP, um Antibiotika aus der Zelle zu schleusen.
Die Forscher identifizierten ein molekulares Scharnier, das den Energieverbrauch an den Transport koppelt. Mutationen in diesem Bereich können diese Prozesse entkoppeln – und beeinflussen so die Überlebensfähigkeit der Bakterien unter Stress. Die Ergebnisse stammen aus dem Jahr 2025.
Ein weiteres Team unter Leitung von Professor Christian Hertweck (Leibniz-HKI/Uni Jena) identifizierte das Enzym BurK. Es neutralisiert das Toxin Malleicyprol von Burkholderia-Bakterien, indem es dessen chemische Struktur spaltet. Die Entdeckung könnte die Grundlage für neue Strategien gegen resistente Erreger bilden. Die Studie erschien 2025 in Angewandte Chemie.
Viren nutzen die Zellreinigung aus
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Auch Viren greifen tief in die zelluläre Homöostase ein. Eine Studie in Nature Communications zeigt, wie SARS-CoV-2-infizierte Zellen sogenannte apoptotische Körperchen bilden, die infektiöse Virionen enthalten.
Wenn Makrophagen diese Überreste im Rahmen der Efferozytose aufnehmen, gelangen die Viren in die Fresszellen – und lösen schwere Entzündungsreaktionen aus. Blockern von T-Typ-Calciumkanälen gelang es im Versuchsaufbau, diese Übertragung zu begrenzen.
Eine Studie der UCSF vom Mai 2026 zeigt zudem: Bereits ein einzelner Aminosäureaustausch im viralen Protein OrfB9 entscheidet, ob ein Virus das menschliche Immunsystem unterdrücken kann. Während die SARS-CoV-2-Variante das Alarmsystem menschlicher Zellen deaktiviert, aktiviert die entsprechende Version aus Fledermaus-Coronaviren die Immunantwort. Diese Erkenntnis liefert wichtige Anhaltspunkte für die Vorhersage von Spillover-Risiken.
