Migräne und ADHS: 28% der Erwachsenen betroffen – Frauen ab 45 stärker
05.06.2026 - 12:33:52 | boerse-global.de
Während die Störung lange als reines Kinderphänomen galt, zeigen aktuelle Daten: Mindestens zwei Millionen Erwachsene in Deutschland sind betroffen. Die Zahl der Erstdiagnosen liegt deutlich über dem Niveau von vor zehn Jahren.
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Warum die Diagnose oft erst spät kommt
Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung belegen den Anstieg von Erstdiagnosen bei Erwachsenen. Besonders häufig erfolgt die Diagnose erst ab dem 40. Lebensjahr. Das Problem: Viele Betroffene haben über Jahrzehnte Kompensationsmechanismen entwickelt, die die Symptome überdecken.
Die Kernsymptome bei Erwachsenen sind Prokrastination, Vergesslichkeit und hohe emotionale Auslenkbarkeit. Da ADHS genetisch veranlagt ist, besteht die Störung lebenslang. Erkannt wird sie oft erst, wenn gewohnte Bewältigungsstrategien im Beruf oder Privatleben nicht mehr ausreichen. Die Diagnose stellen spezialisierte Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie.
Internationale Zahlen zeigen Versorgungslücken
Ein Blick in die USA verdeutlicht das Ausmaß: Laut CDC-Daten aus dem Jahr 2023 leben dort rund 15,5 Millionen Erwachsene mit ADHS-Diagnose – das sind 6,0 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Rund die Hälfte dieser Diagnosen wurde erst nach dem 18. Lebensjahr gestellt.
Die Versorgung hinkt jedoch hinterher. Etwa ein Drittel der diagnostizierten US-Erwachsenen erhält keine spezifische Behandlung. Über 70 Prozent der Nutzer von Stimulanzien berichten zudem über Schwierigkeiten beim Einlösen ihrer Rezepte. Als Alternative hat sich die Telemedizin etabliert – rund die Hälfte der Betroffenen nutzt sie.
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Wenn ADHS auf den Körper schlägt
ADHS im Erwachsenenalter geht häufig mit anderen gesundheitlichen Problemen einher. Eine schwedische Langzeitstudie (2001 bis 2022) zeigt einen engen Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und dem prämenstruellen Dysphorie-Syndrom (PMD). Frauen mit PMD haben ein doppelt so hohes Risiko für Depressionen, Angststörungen oder ADHS.
Die körperlichen Begleiterscheinungen sind vielfältig:
- Migräne: 28 Prozent der Erwachsenen mit ADHS leiden darunter – in der Kontrollgruppe sind es nur 19 Prozent. Besonders betroffen: Frauen zwischen 45 und 55 Jahren.
- Weitere Beschwerden: Schlafstörungen, Magen-Darm-Probleme, chronische Erschöpfung sowie Gelenk- und Kreislaufbeschwerden treten überproportional häufig auf.
- Risikofaktor Kindheit: Kinder mit chronischer Migräne haben ein achtfach erhöhtes Risiko, eine ADHS zu entwickeln.
Behandlung auch im Alter lohnt sich
Selbst bei einer späten Diagnose betonen Fachärzte die Wirksamkeit therapeutischer Interventionen. Auch mit 60 oder 70 Jahren kann die Diagnose die Lebensqualität erheblich verbessern.
Die Behandlung ruht auf mehreren Säulen: Neben Medikamenten wie Methylphenidat spielen Psychoedukation und kognitive Verhaltenstherapie eine zentrale Rolle. Ergänzend helfen Coaching-Angebote und Selbsthilfegruppen, den Alltag besser zu bewältigen. Ziel ist es, die neurobiologisch bedingten Konzentrationsprobleme und Impulsivität zu adressieren und die psychosoziale Belastung zu reduzieren.
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