Migräne: CGRP-Blocker helfen 26 Prozent der Patienten migränefrei
16.06.2026 - 21:51:53 | boerse-global.de
Regulatorische Debatte um die Therapiefreiheit
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) schlagen Alarm. In einer Stellungnahme vom heutigen Dienstag warnen sie vor den Folgen des geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes.
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Der Gesetzentwurf sieht vor, verschiedene CGRP-Antagonisten zusammenzufassen – sowohl monoklonale Antikörper als auch Gepante. Die Folge: Ärzte müssten verstärkt zur günstigsten Leitsubstanz greifen.
Ein Problem, sagen die Fachgesellschaften. Rund 50 Prozent der Patienten sprechen nicht auf die erste Therapie an. Bei einer Folgetherapie liegt die Non-Responder-Rate immer noch bei 30 bis 40 Prozent. Wer die Therapiefreiheit einschränke, riskiere die Chronifizierung der Migräne – und damit höhere Folgekosten.
Die Alternative der Experten: Die Verordnung der neuen Medikamente auf Fachärzte wie Neurologen und Schmerztherapeuten begrenzen und sie Patienten mit besonders hoher Krankheitslast vorbehalten.
Wirksamkeit und klinische Profile neuer Wirkstoffklassen
Die CGRP-Rezeptorblocker markieren eine Zäsur in der Migräneprävention. Erenumab (Aimovig) ist einer der prominentesten Vertreter.
Eine Studie mit rund 2.600 Teilnehmern zeigte: Die monatlichen Migränetage reduzierten sich signifikant. Das Sicherheitsprofil lag auf Placebo-Niveau. Langzeitbeobachtungen über 15 Monate ergaben: 26 Prozent der Patienten mit 70 mg Dosierung blieben migränefrei.
Neben den injizierbaren Antikörpern haben sich Gepante als orale Alternative etabliert. Rimegepant und Ubrogepant wurden in Phase-III-Studien erfolgreich geprüft. Ihr Vorteil: Anders als ältere Akutmedikamente lösen sie keine Vasokonstriktion aus. Das macht sie für Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen relevant.
Die Langzeitsicherheit bleibt jedoch unter Beobachtung. Besonders bei Ditans wie Lasmiditan sind mögliche Nebenwirkungen auf das zentrale Nervensystem noch nicht abschließend geklärt.
Internationale Versorgungssituation am Beispiel Großbritannien
Ein Blick nach Großbritannien zeigt, wie schwierig der Zugang zu neuen Therapien sein kann. Atogepant (Aquipta), die erste tägliche Tablette zur Prophylaxe chronischer Migräne, ist dort seit 2024 verfügbar. Die Zulassung durch NICE setzt drei erfolglose Vorbehandlungen voraus.
Doch die Verfügbarkeit bedeutet nicht automatisch Zugang. In einigen Regionen betragen die Wartezeiten auf einen Facharzttermin bis zu fünf Jahre. Die Folge: Hausärzte springen ein. 2025 wurden in England rund 23.000 Verordnungen durch Allgemeinmediziner registriert – eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr.
Epidemiologische Relevanz und ergänzende Forschungsansätze
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Die Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit. In Deutschland sind schätzungsweise 14,8 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer von Migräne betroffen. Bei einem Teil entwickelt sich ein chronischer Verlauf – mit hohem Leidensdruck und Resistenz gegen Standardtherapien wie Amitriptylin.
Parallel zur Migräneforschung entstehen neue Ansätze in der Schmerztherapie. Das EU-Projekt RESOLVE untersucht mit einem Budget von 1,2 Millionen Euro den Einsatz von extrazellulären Vesikeln aus Stammzellen gegen chronische neuropathische Schmerzen. Ziel: Nervenreparatur fördern und Entzündungsprozesse regulieren. Beteiligt ist unter anderem das Uniklinikum Essen.
Auch bei chronischen Kreuzschmerzen gibt es Neuigkeiten: Anfang Juni 2026 erhielt ein THC-reicher Cannabis-Vollspektrumextrakt die BfArM-Zulassung. Die Markteinführung ist für September 2026 geplant.
