Migräne, Männern

Migräne bei Männern: Charité-Studie zeigt große Lücken bei der Diagnose

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Charité-Auswertung zeigt Diagnoseunterschiede; Fachleute setzen auf bessere Früherkennung und rechtzeitige vorbeugende Therapien.
Ein ruhiger, schattiger Raum mit einem leeren Stuhl und einem Beistelltisch in gedämpftem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Migräne gilt in der öffentlichen Wahrnehmung häufig als typisches Frauenleiden, doch auch viele Männer sind von den wiederkehrenden Schmerzattacken betroffen. Berichte verdeutlichen nun, dass Migräne bei Männern deutlich häufiger übersehen und seltener adäquat behandelt wird.

Vor diesem Hintergrund sollen Betroffene künftig umfassender informiert und einer zielgerichteten Therapie zugeführt werden, um Fehlversorgungen im Gesundheitssystem abzubauen.

Deutliche Lücken bei der hausärztlichen Erstdiagnose

Dass männliche Patienten im Vergleich zu weiblichen Betroffenen seltener eine korrekte Diagnose erhalten, belegen Untersuchungen aus spezialisierten Versorgungszentren.

Einer Charité-Studie zufolge, an der rund 930 Frauen und 200 Männer mit einer gesicherten Migränediagnose im Kopfschmerzzentrum teilnahmen, zeigten sich gravierende Unterschiede im bisherigen Behandlungsverlauf: Während über 70 Prozent der Frauen bereits im Vorfeld durch einen niedergelassenen Arzt die zutreffende Migränediagnose erhalten hatten, traf dies nur auf gut jeden zweiten Mann zu. Bei Männern war die Erkrankung vor der Überweisung an das Spezialzentrum somit in der Hälfte der Fälle unentdeckt geblieben.

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Experten zufolge führt die Annahme, Kopfschmerzen bei Männern seien primär auf Spannungskopfschmerzen oder Überlastung zurückzuführen, regelmäßig zu Verzögerungen. Werden die Beschwerden nicht frühzeitig als Migräne identifiziert, bleibt den Betroffenen eine spezifische medikamentöse Schmerztherapie oft über Jahre verwehrt.

Häufigkeit und Risiken im erwerbsfähigen Alter

Die statistische Verteilung der neurologischen Erkrankung trägt zu den diagnostischen Hürden bei. In Deutschland erfüllen nach Angaben von Fleischmann aus Greifswald rund 15 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer die Kriterien für eine Migräne. Besonders in der Altersgruppe der Berufstätigen steigt der Anteil bei Frauen auf 25 bis 30 Prozent an. Allgemein haben Frauen ein dreifach höheres Risiko für Migräneattacken als Männer.

Diesen Befund stützen weitere europäische Erhebungen. Der Neurologie-Professor Linde betont, dass Migräne bei Frauen im erwerbsfähigen Alter doppelt so häufig auftritt wie bei Männern. Ein ähnliches Bild zeigt sich beispielsweise in Tschechien: Dort leiden mehr als eine Million Menschen an Migräne.

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Auch hier sind Frauen rund dreimal häufiger betroffen als Männer, wobei das Haupterkrankungsalter zwischen 18 und 40 Jahren liegt. Da Männer seltener erkranken, wird die Möglichkeit einer Migräne bei ihnen im Praxisalltag oft nachrangig geprüft.

Kriterien für eine medikamentöse Prophylaxe

Um eine Chronifizierung der Schmerzen zu verhindern, spielt neben der Akuttherapie die vorbeugende Behandlung eine entscheidende Rolle. Eine US-Leitlinie zur Prophylaxe fokussiert hierbei auf Patienten, die an mindestens vier Tagen pro Monat unter Migräne oder unter mittelschweren bis schweren Kopfschmerzen leiden.

Eine gezielte Prophylaxe kann die Belastung der Patienten spürbar verringern: Im Durchschnitt senken entsprechende präventive Maßnahmen die Anzahl der Attacken um ein bis zwei Tage pro Monat. Damit Betroffene unabhängig vom Geschlecht rechtzeitig von diesen Therapiemöglichkeiten profitieren, fordern Fachleute eine stärkere Sensibilisierung im Rahmen der medizinischen Erstversorgung.

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