Migräne, Atogepant

Migräne: Atogepant lindert Schmerz nach zwei Stunden bei 24,3 Prozent

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Therapieoptionen stehen im Fokus, während Krankheitslast, Therapietreue und Kosten die Versorgung weiterhin prägen.
Ein steriler Labortisch mit Glasgefäßen und einer Pipette in hellem, natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Auf dem Deutschen Schmerzkongress in Mannheim stand am 21. Oktober 2026 die Weiterentwicklung der Migränebehandlung im Mittelpunkt. Rund 1.800 Fachleute tauschten sich auf der mehrtägigen Fachkonferenz über den aktuellen Stand der Präzisionsmedizin sowie über neuere Wirkstoffklassen aus, während Betroffene über den Alltag mit chronischen Verläufen berichteten.

Fachleute betonten vor Ort, dass Migräne keine psychische Erkrankung darstelle und in den meisten Fällen gut therapierbar sei, jedoch zunehmend maßgeschneiderte Ansätze erfordere.

Gezielte Behandlungsansätze und neue Wirkstoffklassen

In der therapeutischen Praxis gewinnen zielgerichtete Verfahren an Bedeutung. Kongresspräsident Robert Fleischmann hob hervor, dass gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) gerichtete Antikörper einen bedeutenden Fortschritt der vergangenen zehn Jahre darstellen.

Zugleich sprächen jedoch nicht alle Erkrankten gleichermaßen auf dieselben Substanzen an. Ergänzend dazu informierte die Uniklinik Heidelberg auf dem Kongress über den Einsatz von Botulinumtoxin, das bei chronischer Migräne mit mehr als acht Attacken pro Monat eine Behandlungsoption bildet.

Auch die klinische Forschung treibt alternative Optionen voran. Merz Therapeutics schloss die Rekrutierung für die globalen Phase-3-Studien MINT-E und MINT-C zu IncobotulinumtoxinA (XEOMIN) an 109 Zentren in Nordamerika und Europa mit rund 1.800 Erwachsenen ein halbes Jahr früher als geplant ab, um die Veränderung monatlicher Migränetage zu prüfen.

Bei den Akuttherapien akzeptierte das Scottish Medicines Consortium den Wirkstoff Atogepant (Aquipta) von AbbVie für Erwachsene nach erfolgloser Behandlung mit mindestens zwei Triptanen sowie gängigen Schmerzmitteln.

In der zugrundeliegenden Phase-3-Studie ECLIPSE erreichten 24,3 Prozent der behandelten Personen zwei Stunden nach der ersten Attacke Schmerzfreiheit, verglichen mit 13,1 Prozent in der Placebogruppe.

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Hohe Krankheitslast und volkswirtschaftliche Auswirkungen

Wie Analysen auf dem Schmerzkongress verdeutlichten, gehört Migräne zu den am weitesten verbreiteten neurologischen Leiden. Nach Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) ist hierzulande rund jeder zehnte Mensch betroffen.

Bei Frauen liegt der Anteil bei etwa 15 Prozent, bei Männern bei 6 Prozent; im erwerbsfähigen Alter leidet annähernd jede vierte Frau unter den Attacken. Berichten des ZDF zufolge bewegen sich die Betroffenenzahlen bundesweit zwischen acht und zehn Millionen Personen, wobei klassische Schmerzmittel oft an ihre Grenzen stoßen.

Die sozioökonomischen Folgen belegen Daten der Bundesregierung für das Jahr 2024: Demnach wurden rund 1 Million Arbeitsunfähigkeitsfälle mit etwa 3,4 Millionen Ausfalltagen registriert. Frauen machten rund 710.000 Fälle und 2,4 Millionen Krankheitstage aus, Männer rund 317.000 Fälle und etwa 990.000 Fehltage.

Etwa 94 Prozent der Krankschreibungen dauerten bis zu sieben Tage. Die Entwicklung eines strukturierten Disease-Management-Programms (DMP) für Migräne plant die Bundesregierung aktuell nicht direkt zu veranlassen, da entsprechende Antragswege über die Trägerorganisationen des Gemeinsamen Bundesausschusses oder Patientenvertretungen führen.

Herausforderungen bei Therapietreue und Wirtschaftlichkeit

Trotz pharmazeutischer Fortschritte bestehen Hürden bei der langfristigen Versorgung. Ein Handbuch der spanischen Krankenhausapothekergesellschaft SEFH zeigt, dass häufige Begleiterkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen den Therapieerfolg schmälern können.

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Vorbehalte gegenüber Wirkstoffen aus den Bereichen Antidepressiva oder Antiepileptika sowie Enttäuschung über das Ausbleiben rascher Effekte mindern oft die Therapietreue.

Zudem bleiben die Kosten neuer Präparate ein Diskussionspunkt: Die britische Bewertungsbehörde NICE kam in einem Leitlinienentwurf zu dem Ergebnis, dass der CGRP-Antikörper Erenumab (Aimovig) bei Kosten von rund 5.000 britischen Pfund pro Jahr ohne vertraulichen Nachlass keine kosteneffektive Ressourcennutzung im staatlichen Gesundheitssystem darstelle.

Neben fehlenden Langzeitdaten nach mehreren gescheiterten Vortherapien fehle bislang auch der Beleg für eine Überlegenheit gegenüber Botulinumtoxin Typ A.

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