Migräne, Akupressur

Migräne: 900.000 Deutsche täglich betroffen – Akupressur zeigt Erfolg

08.06.2026 - 15:41:17 | boerse-global.de

Viele Betroffene suchen Alternativen zur klassischen Medikation. Akupressur und spezielle Piercings gewinnen an Popularität, doch die Studienlage ist dünn.

Migräne: Akupressur und Heilpiercings als neue Trends
Migräne - Nahaufnahme von Händen, die Akupressurpunkte am Kopf oder Handgelenk einer Person stimulieren, mit einem beruhigenden, unscharfen Hintergrund. 08.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Akupressur und spezielle Piercings rücken dabei in den Fokus.

Gezielte Druckpunkte gegen den Schmerz

Die Akupressur stammt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Sie stimuliert gezielt bestimmte Körperpunkte. Fachbeiträge nennen mehrere Druckpunkte, die Migränesymptome lindern können. Der Punkt Hegu (LI-4) zwischen Daumen und Zeigefinger gehört dazu. Neiguan (PC-6) am Unterarm soll gegen die typische Übelkeit helfen.

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Weitere relevante Punkte liegen am Kopf und Nacken: Tai Yang an den Schläfen und Fengchi (GB-20) am Hinterkopf. Experten betonen: Die Akupressur ist eine ergänzende Maßnahme. Sie ersetzt keine ärztliche Behandlung. Bei plötzlichen, extrem starken Kopfschmerzen oder Seh- und Sprachstörungen ist sofortige medizinische Abklärung nötig.

Der Markt reagiert auf das wachsende Interesse. Spezialisierte Produkte wie Akupressurketten oder -stifte sind erhältlich. Sie sollen etwa den Vagusnerv über Punkte am Brustbein aktivieren. Manche Produkte kosten über 300 US-Dollar. Unabhängige klinische Daten zur Wirksamkeit fehlen oft noch.

Boom der Heilpiercings in Osteuropa

Ein deutlicher Trend zeigt sich derzeit in Siebenbürgen. Anbieter berichten von stark steigender Nachfrage nach sogenannten Heilpiercings (Gyógypiercing). Allein 2025 wurden in spezialisierten Studios rund 4.000 Kunden registriert. Sie ließen sich Piercings an Stellen setzen, die mit Akupunkturpunkten korrespondieren – etwa dem Daith-Punkt im Ohr oder dem Shenmen-Punkt.

Die Anwendungen sollen chronische Beschwerden wie Migräne, Schlaflosigkeit oder Angstzustände lindern. Die Idee: Eine dauerhafte Stimulation des Punkts. Mediziner mahnen jedoch zur Vorsicht. Besonders bei Eingriffen im Ohrknorpel besteht ein erhebliches Infektionsrisiko. Fachleute empfehlen sterile Titan-Implantate. Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit von Daith-Piercings ist bislang begrenzt.

Migräne: Eine unterschätzte Volkskrankheit

Die Bedeutung wirksamer Behandlungsstrategien unterstreichen aktuelle Versichertenzahlen. Prof. Dr. Goßrau vom Universitätsklinikum Dresden betont: Migräne ist eine ernstzunehmende neurologische Erkrankung. Sie entsteht durch eine Überempfindlichkeit der Schmerzverarbeitung im Gehirn.

Daten der AOK Plus verdeutlichen das Ausmaß: 2024 fielen über 180.000 Versicherte wegen Migräne am Arbeitsplatz aus. Die Techniker Krankenkasse schätzt, dass in Deutschland täglich rund 900.000 Menschen von Migräneattacken betroffen sind.

Die Erkrankung ist nach heutigem Stand nicht heilbar. Doch es gibt verschiedene Behandlungsoptionen. Klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen oder spezifische Triptane helfen vielen. Neue pharmazeutische Entwicklungen wie CGRP-Blocker (Atogepant) erweitern das Spektrum. Ergänzend kann eine psychologische Begleitung helfen, die Angst vor neuen Attacken zu bewältigen.

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Neue Forschung und strukturelle Probleme

Auch außerhalb der Migräneforschung gibt es neue Erkenntnisse zur Akupunktur. Eine retrospektive Studie in der Fachzeitschrift Medical Acupuncture untersuchte die Ohrakupunktur bei allergischen Reaktionen wie dem Alpha-Gal-Syndrom. Die Forscher berichteten von hohen Remissionsraten.

Parallel steht das Gesundheitssystem vor strukturellen Herausforderungen. In Deutschland formiert sich Protest der Ärzteschaft gegen geplante Sparmaßnahmen. Verbände wie die Freie Ärzteschaft warnen vor einer Schwächung der ambulanten Versorgung. Sie prognostizieren einen erheblichen Rückgang an Behandlungsterminen in den kommenden Jahren. Das könnte auch die Versorgung chronischer Schmerzpatienten beeinflussen.

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