Migräne, Demenz-Risiko

Migräne: 30% geringeres Demenz-Risiko laut Langzeitstudie

18.06.2026 - 20:51:58 | boerse-global.de

Das IQWiG untersucht den Einfluss von Zucker- und Fettreduktion auf Migräne. Parallel zeigt eine Studie ein geringeres Demenzrisiko für Betroffene.

IQWiG prüft: Können Diäten Migräne-Patienten helfen?
Migräne - Ein stilisiertes Gehirn mit leuchtenden neuronalen Pfaden, umgeben von gesunden Lebensmitteln wie Obst und Gemüse. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) untersucht, ob zuckerarme, fettarme oder ketogene Ernährung Migräne-Patienten helfen kann. Das Projekt läuft seit März 2026.

Unter dem Titel „Ernährung und Migräne“ wertet ein Team der Universitätsklinik Freiburg und der Charité Berlin die wissenschaftliche Evidenz aus. Im Fokus steht: Reduzieren spezielle Diätformen die Zahl der Migräneattacken? Und verbessern sie die Lebensqualität der Betroffenen?

Kohlenhydrate sind nicht gleich Kohlenhydrate

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Während die klinische Bewertung läuft, differenzieren Ernährungswissenschaftler zwischen guten und schlechten Kohlenhydraten. Henning Fenselau vom Max-Planck-Institut und Hans Hauner von der TU München betonen: Komplexe Kohlenhydrate aus Vollkorn oder Hülsenfrüchten sind für die Energieversorgung des Gehirns essenziell. Problematisch seien dagegen stark verarbeitete Kohlenhydrate und isolierter Zucker.

Ein praktischer Tipp der Forscher: Gekochte Kartoffeln oder Nudeln für 12 bis 24 Stunden kühlen. Durch die entstehende resistente Stärke sinkt die Kalorienaufnahme um bis zu 15 Prozent. Das stabilisiert den Blutzuckerspiegel – ein relevanter Faktor in der Migräneprävention.

Warnung vor extremen Proteindiäten

Vor Diäten, die in sozialen Medien oft beworben werden, warnen Fachkreise. Ein exzessiver Proteinkonsum von bis zu 2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht kann zu Nierenschäden führen. Die offiziellen Empfehlungen liegen bei 0,8 Gramm pro Kilogramm.

Überraschende Langzeitwirkung: Migräne schützt vor Demenz?

Eine großangelegte Studie des Erasmus University Medical Center in Rotterdam liefert neue Erkenntnisse zum neurologischen Profil von Migränepatienten. Rund 7.000 Erwachsene über 45 Jahre wurden zehn Jahre lang begleitet. Die Ergebnisse, veröffentlicht in „Alzheimer’s and Dementia“, zeigen: Migränepatienten haben ein 30 Prozent geringeres Risiko für Demenz und ein 42 Prozent geringeres Risiko für Alzheimer.

Studienleiter Kamran Ikram führt diesen Effekt auf eine potenziell bessere Hirndurchblutung und geringere Kalkablagerungen zurück. Zudem korreliert die langfristige Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) über mehr als zwei Jahre mit einer weiteren Senkung des Risikos um 12 Prozent.

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Vorsicht vor eigenständiger Dauermedikation

Fachleute mahnen jedoch: Eine eigenständige Dauermedikation ohne ärztliche Aufsicht ist gefährlich. Weitere Forschung zur Prävention sei dringend nötig.

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) fordert daher einen verstärkten Fokus auf Präventionsforschung. Initiativen wie das Exzellenzcluster ImmunoPreCept in Berlin suchen bereits nach Blutmarkern und Schutzmechanismen im Gewebe. Ziel: Krankheiten vor ihrem Ausbruch personalisiert erkennen – und durch gezielte Ernährung beeinflussen.

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