Microsoft, Ransomware

Microsoft warnt: KI verschärft Ransomware und Cybercrime weltweit

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 04:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Microsoft beschreibt automatisierte Angriffe durch KI-Agenten und Spionagegruppen; beim ConnectWise-Vorfall wird das mögliche Ausmaß eines Datenabflusses noch geprüft.
Ein dunkler, moderner Sicherheitsraum mit leuchtenden Datenknotenpunkten und abstrakten digitalen Strukturen. Illustration mit AI erstellt.

Auf dem NDTV World Summit 2026 in Neu-Delhi hat Microsoft vor einer grundlegenden Veränderung der weltweiten Bedrohungslage durch künstliche Intelligenz gewarnt. Nicholas Butts, Director für den Bereich KI- und Cybersicherheitspolitik bei dem Technologiekonzern, betonte, dass der Einsatz von KI die Risiken durch Ransomware und kommerzielle Cybercrime-Dienste drastisch verschärfe.

Kriminelle Akteure setzten entsprechende Technologien bereits aktiv ein, weshalb Staaten und Unternehmen vor wachsenden Herausforderungen stünden und schärfere Schutzmaßnahmen ergreifen müssten.

Als Beispiel für die regionale Betroffenheit verwies der Manager auf Indien. Das Land belege weltweit den siebten Rang unter den am häufigsten attackierten Staaten und liege innerhalb Asiens an dritter Stelle. Die Bedrohungslage sei dort überaus real.

Um Gefahren abzuwehren, verarbeitet Microsoft nach eigenen Angaben täglich rund 165 Billionen Telemetrie-Signale, überprüft circa fünf Milliarden E-Mails und blockiert pro Tag etwa fünf Millionen neue Schadsoftware-Dateien.

Neue Bedrohungsmuster durch KI-Agenten und Kriminalitätsmodelle

Der Konzern identifizierte im Rahmen des Gipfeltreffens drei konkrete Akteure und Kampagnen, die das veränderte Angriffsmuster veranschaulichen. Als erste Gruppierung nannte der Microsoft-Vertreter das in China verortete Ransomware-Kollektiv Storm 3168, auch bekannt als Jadepuffer. Dieses setze KI-Agenten ein, um weltweit automatisierte Angriffe durchzuführen.

Eine weitere Bedrohung geht von dem Dienst EvilTokens aus. Dabei bauten zwei Personen seit Februar unter Rückgriff auf offene und geschlossene KI-Modelle eine eigenständige kriminelle Infrastruktur auf. Der Zugang zu diesem Modell wurde für 1.500 US-Dollar zuzüglich eines monatlichen Abonnements von 500 US-dollar für Erstkäufer vertrieben. Nach Angaben von Microsoft waren davon mehr als 10.000 Organisationen in 120 Ländern betroffen.

Anzeige

Angesichts der rasanten Entwicklung von KI-gestützten Angriffen müssen Firmen ihre Sicherheitsstrategien dringend an die neue Rechtslage anpassen. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer jetzt kennen müssen. Gratis-Report zu neuen KI-Gesetzen und Cyberrisiken anfordern

Staatlich gelenkte Spionage mit automatisierten Werkzeugen

Als dritte wesentliche Bedrohung hob das Unternehmen die mit staatlichen chinesischen Akteuren verbundene Spionagegruppe Storm 0940 hervor, zu der Microsoft am 22. Oktober 2026 einen detaillierten Lagebericht vorgelegt hatte. Die Gruppe zielt vorrangig auf Datendiebstahl und Spionage ab.

Durch Auswertungen von Systemprotokollen bestätigte der Konzern, dass die Angreifer das KI-Framework ARTEX nutzen, um hunderte öffentliche und private Organisationen rund um den Globus ins Visier zu nehmen. Zu den betroffenen Sektoren zählen Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Energie sowie Finanzdienstleistungen.

Die Angreifer erreichten bei mehreren Attacken in weniger als drei Stunden privilegierten Zugriff auf Cloud-Infrastrukturen. In der Spitze registrierten die Systeme bis zu 2.900 Anmeldeversuche pro Minute. Bei südkoreanischen Finanzinstituten war das Framework ARTEX laut Microsoft seit Ende des Vormonats im Einsatz. Ob das Werkzeug auch bei jüngst bekannt gewordenen Vorfällen bei japanischen Unternehmen verwendet wurde, blieb zunächst unklar.

Anzeige

Wer die Sicherheit der eigenen IT-Infrastruktur ohne enorme Investitionen erhöhen möchte, findet in diesem Leitfaden wertvolle Unterstützung. Das Gratis-E-Book enthüllt, wie Sie Sicherheitslücken schließen und gleichzeitig neue gesetzliche Anforderungen erfüllen. IT-Sicherheit proaktiv stärken – zum kostenlosen E-Book

Vorfälle im Umfeld von ConnectWise

Im Vorfeld hatte der IT-Dienstleister ConnectWise am 17. Oktober 2026 nach unbefugten Zugriffen auf Kundenumgebungen durch Storm 0940 seine Dienste Cloud Backup, SaaS Security und Cloud Management vorübergehend ausgesetzt.

Am 23. Oktober 2026 berichtete Microsoft, dass Storm 0940 über kompromittierte Zugangsdaten von ConnectWise Angriffe gegen Microsoft-365-Tenants gestartet habe. Dabei wurden Spitzenwerte von 2.900 Anmeldeversuchen pro Minute ohne interaktive Nutzerauthentifizierung gemessen, wovon hunderte Organisationen betroffen waren.

Die Angreifer richteten über manipulierte OAuth-Anmeldedaten dauerhafte Zugänge ein, die als Hintertüren dienen können. Der genaue Umfang eines potenziellen Datenabflusses wird weiterhin untersucht.

Nach Microsoft-Angaben wurden über 300 Konten in acht Organisationen attackiert. Insgesamt verzeichnete der Konzern Anmeldeversuche bei mehr als 2.250 Tenants und registrierte über 151.000 fehlgeschlagene Log-in-Versuche. Das Sicherheitsunternehmen Huntress bestätigte parallel, dass die kompromittierten ConnectWise-Zugangsdaten unbefugten Zugriff auf hunderte Tenants ermöglichten, darunter über 300 Entra-Tenants.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70402048 |