Microsoft, Blockchain-Malware

Microsoft warnt: Blockchain-Malware nutzt BNB Smart Chain

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Cyberkriminelle missbrauchen die BNB Smart Chain für Malware-Verteilung. Microsoft meldet täglich tausende Betroffene, auch in Deutschland.

Microsoft warnt: BNB Smart Chain als neue Basis für Cyberangriffe
Glühende digitale Blockchain-Netzwerkvisualisierung, die Cybersicherheitsbedrohungen und Smart-Contract-Daten darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Cyberkriminelle nutzen die BNB Smart Chain zunehmend als Versteck für Schadcode. Microsoft hat nun eine dringende Warnung herausgegeben – betroffen sind auch deutsche Nutzer.

Microsofts Threat-Intelligence-Team hat am heutigen Samstag eine dringende Warnung zu einer ausgeklügelten Malware-Kampagne veröffentlicht. Die Angreifer missbrauchen die BNB Smart Chain, um schädliche Anweisungen zu verteilen. Die als „ClickFix" oder „TerminalFix" bekannte Operation nutzt eine Technik namens „EtherHiding": Die Steuerungsdaten für die Schadsoftware liegen in Blockchain-Smart-Contracts. Das macht die Infrastruktur nahezu unangreifbar für klassische Löschversuche.

Wie die Angreifer vorgehen

Die Sicherheitsforscher von Microsoft entdeckten, dass Angreifer legitime Websites kompromittieren und schädlichen JavaScript-Code einschleusen. Dieser Code fragt über RPC-Schnittstellen (Remote Procedure Call) die BNB Smart Chain ab und ruft dort versteckte Anweisungen aus Smart Contracts ab. Da die Blockchain unveränderlich ist, fällt es Sicherheitsexperten deutlich schwerer, die schädliche Quelle abzuschalten – anders als bei herkömmlichen zentralen Servern.

Besucher der kompromittierten Seiten sehen gefälschte CAPTCHA-Abfragen oder angebliche Systemfehler. Diese „ClickFix"-Aufforderungen bringen Nutzer dazu, Befehle in PowerShell oder anderen Systemtools auszuführen, um ein vermeintliches Problem zu beheben. Laut Microsoft sind täglich tausende Nutzer von diesen Kampagnen betroffen. Die Angreifer verteilen unterschiedliche Schadprogramme wie Lumma Stealer, XWorm, AsyncRAT und MintsLoader.

Der BNB-Token selbst zeigte sich von dem Bericht unbeeindruckt: Am heutigen Tag lag der Kurs bei umgerechnet rund 530 Euro, die Marktkapitalisierung bei etwa 70 Milliarden Euro. Das entspricht einem minimalen Rückgang von 0,4 Prozent.

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Mac-Nutzer ebenfalls im Visier

Die Bedrohung beschränkt sich nicht auf Windows-Systeme. Forscher von Huntress entdeckten kürzlich einen Go-basierten Stealer für macOS, der über ähnliche ClickFix-Taktiken verbreitet wird. Diese Malware zielt auf Browser-Passwörter und Daten aus dem Schlüsselbund ab. Besonders bemerkenswert: Sie enthält eine Funktion zum Leeren von Krypto-Wallets, die Bitcoin, Litecoin, Dogecoin, Monero, Ethereum und Ripple angreift.

Laut Huntress-Analysten handelt es sich um einen der ersten macOS-Wallet-Drainer, der nicht nur das gesamte Guthaben leert, sondern auch Teilbeträge abziehen kann. Die Infrastruktur hinter diesen Angriffen wird mit der Aeza Group in Verbindung gebracht, einem russischen Bulletproof-Hosting-Anbieter, der internationalen Sanktionen unterliegt.

Staatliche Akteure im Fokus

Die Ausnutzung von Krypto-Nutzern bleibt auch für staatlich unterstützte Gruppen ein lohnendes Ziel. Die nordkoreanische Hackergruppe BlueNoroff, auch als UNC1069 bekannt, kapert Telegram-Konten, um Fachleute der Krypto-Industrie ins Visier zu nehmen. Die Angreifer laden ihre Opfer zu gefälschten Videokonferenzen auf Zoom oder Teams ein und setzen anschließend ClickFix-Befehle ein, um Browserdaten und Telegram-Zugangsdaten zu stehlen. Zwischen Februar und April 2026 blockierte die Security Alliance 164 mit dieser Infrastruktur verbundene Domains.

Eine separate 22-monatige Untersuchung des Forschers Nico Stykas (Kumio) verfolgte nordkoreanische Hacker-Infrastruktur, die 1.640 Unternehmen kompromittierte. Hauptziel war der Diebstahl von Krypto-Zugangsdaten, doch die Angriffe erstreckten sich auf zahlreiche Branchen jenseits der Blockchain-Welt.

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Phishing-Kits und automatisierte Angriffswerkzeuge

Auch das übrige Cyberkriminalitäts-Ökosystem entwickelt sich rasant weiter. Am 20. Juli gelang es Strafverfolgungsbehörden und Sicherheitspartnern, 200 Server abzuschalten, die das Phishing-Kit „Kratos" – auch als „SneakyLog" bekannt – hosteten. Trotz des Erfolgs besitzen schätzungsweise 1.800 aktive Abonnenten weiterhin den Code, der darauf ausgelegt ist, die Zwei-Faktor-Authentifizierung durch den Diebstahl von Sitzungscookies zu umgehen.

Parallel dazu wurden fast 800 schädliche npm-Pakete identifiziert, die einen plattformübergreifenden Trojaner namens WEL1DROPPER verbreiten. Die Malware zielt auf Windows-, Mac- und Linux-Systeme ab, mit besonderem Fokus auf russische Finanzinstitute. In der ersten Jahreshälfte 2026 beobachtete Gen Threat Labs zudem eine in Rust geschriebene „Clipper"-Malware, die ebenfalls die BNB Smart Chain für ihre Steuerungsinfrastruktur nutzt. Diese Malware überwacht die Zwischenablage auf 21 verschiedene Blockchain-Adresstypen und ersetzt sie bei Transaktionen durch Adressen der Angreifer.

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