Microsoft, Druck

Microsoft unter Druck: AGCM ermittelt wegen KI-Bündelung

01.07.2026 - 09:46:51 | boerse-global.de

Italienische Wettbewerbshüter prüfen Microsofts Praxis, KI-Tools wie Copilot in Abos zu integrieren. Auch Anleger klagen.

Microsoft in Italien: Ermittlungen wegen KI-Bündelung und Preiserhöhungen
Microsoft - Italienische Flaggenfarben und Binärcode verschmelzen zu einem schwachen Microsoft-Logo, Symbol für digitale Regulierung und Kartellrecht. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Im Zentrum steht die erzwungene Bündelung von KI-Tools mit Abo-Verträgen.

Konkret untersuchen die Kartellwächter die Integration von Copilot und der Designer-Anwendung in Microsoft-365-Abonnements. Die Behörde wirft dem Konzern vor, diese Funktionen ohne klare Information der Kunden hinzugefügt zu haben. Zudem prüft die AGCM Preiserhöhungen von bis zu 30 Prozent in bestimmten Segmenten. In den USA hatte Microsoft bereits im Januar 2025 eine monatliche Verteuerung um umgerechnet knapp drei Euro eingeführt.

Zwar bietet der Konzern in ausgewählten Märkten KI-freie „Classic“-Tarife an. In der gesamten EMEA-Region (Europa, Naher Osten, Afrika) sind diese Optionen jedoch kaum verfügbar.

Automatische Installation und globale Regulierungswelle

Die Kartelluntersuchung fällt mit einer umstrittenen Änderung der Microsoft-Softwareverteilung zusammen. Seit dem 15. Juni 2026 installiert der Konzern die Copilot-App per „Click-to-Run“-Technologie automatisch auf Windows-10- und Windows-11-Geräten von Geschäftskunden. Ein weiterer Rollout für den Semi-Annual Enterprise Channel ist für den 14. Juli geplant.

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Microsoft betont, dass Unternehmen im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) aufgrund des Digital Markets Act (DMA) von bestimmten Aspekten dieser Installation ausgenommen seien. Doch der Druck wächst: Auch die britische Wettbewerbsbehörde CMA und die US-Handelsaufsicht FTC ermitteln gegen die KI-Integrationsstrategien des Konzerns.

Die EU-Kommission hat zudem vorläufig festgestellt, dass Microsoft Azure als „Gatekeeper“ unter den DMA fallen sollte. Grundlage ist eine Marktuntersuchung vom November 2025, die hohe Wechselkosten und die entscheidende Rolle von KI-Tools bei der Kundenbindung identifizierte. Wird die Einstufung bestätigt, bleibt Microsoft ein halbes Jahr Zeit, seine Cloud-Dienste an die strengeren EU-Regeln anzupassen.

Anleger verklagen Microsoft

Neben den regulatorischen Problemen sieht sich Microsoft mit einer Sammelklage von Investoren konfrontiert. Hintergrund ist ein massiver Kurssturz Anfang des Jahres: Am 28. Januar 2026 fiel die Aktie um zehn Prozent – von 481,63 auf 433,50 Dollar. Auslöser waren Quartalszahlen, die nur 15 Millionen Premium-Copilot-Nutzer auswiesen.

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Die Kläger werfen Microsoft vor, falsche Angaben zur Leistungsfähigkeit von Copilot und zum Wachstum von Azure gemacht zu haben. Führende Kläger haben bis zum 11. August 2026 Zeit, sich der Aktion anzuschließen. Bereits Anfang Februar war bekannt geworden, dass der KI-Assistent mit technischen Problemen kämpft und Marktanteile verloren hat.

Neue Preismodelle und wachsende Konkurrenz

Trotz der Gegenwinde zeigen Teile des Microsoft-Ökosystems Erfolge mit angepassten Strategien. Die Entwicklerplattform GitHub stellte am 1. Juni 2026 auf ein nutzungsbasiertes Preismodell für Copilot um. Die Folge: Der Juni 2026 war laut GitHub-Führung der erfolgreichste Monat der Plattformgeschichte. Aktuell verarbeitet der Dienst rund 275 Millionen Code-Commits pro Woche.

Der Wettbewerb im Bereich der Unternehmens-KI verschärft sich indes spürbar. Der Konkurrent Anthropic ist mit seinem Claude-Tag-Tool in Microsoft Teams eingezogen – mitten in die Kernumgebung des Redmonder Konzerns. Anthropic steigerte seinen jährlich wiederkehrenden Umsatz im Laufe des Jahres 2026 von neun auf 47 Milliarden Dollar. Zudem sind die Modelle Claude Opus 4.8 und Haiku 4.5 über Microsoft Foundry mit vollständiger Azure-Integration verfügbar – inklusive Null-Datenspeicherung und der Möglichkeit, bestehende Cloud-Verpflichtungen zu nutzen.

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