Microsoft, Copilot

Microsoft und Copilot: CMA prüft Bündelung in fünf Marktsegmenten

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 01:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die britische Behörde prüft Microsofts Marktstellung in fünf Softwarebereichen; eine abschließende Entscheidung ist bis Februar 2027 vorgesehen.
Ein moderner, leerer Konferenzraum in einem Bürogebäude bei Dämmerung, der eine Atmosphäre institutioneller Kontrolle vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Die britische Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) treibt ein Verfahren gegen Microsoft voran und hat vorgeschlagen, dem Softwarekonzern im Bereich der Unternehmenssoftware einen strategischen Marktstatus zuzuweisen.

Wie aus Veröffentlichungen vom 16. Oktober 2026 hervorgeht, steht dabei insbesondere die Bündelung von Produkten wie dem KI-Assistenten Copilot im Fokus. Die Konsultationsphase zu diesem Vorhaben endet am 13. November 2026 um 17 Uhr, während eine finale Entscheidung bis zum 13. Februar 2027 fallen soll. Die zugrunde liegende Untersuchung hatte die Behörde bereits am 14. Mai 2026 eingeleitet.

Fünf Kernbereiche im Visier der Regulierer

Die vorläufige Einstufung nach dem Digital Markets, Competition and Consumers Act 2024 erstreckt sich auf fünf wesentliche Segmente: PC-Betriebssysteme mit Windows, Produktivitätssoftware wie Microsoft 365, Sicherheitssoftware, Server-Betriebssysteme mit Windows Server sowie relationale Datenbanken rund um SQL Server. Nach vorläufiger Feststellung der Aufsichtsbehörde vom 16. Oktober 2026 besitzt Microsoft in sämtlichen fünf Feldern eine starke Marktposition.

Durch Wechselbarrieren, technische Integrationsvorteile und kommerzielles Bundling könne der Konzern seine Stärke aus einem Segment nutzen, um die Akzeptanz in anderen Bereichen voranzutreiben. Zudem begrenze die Kontrolle über Schnittstellen, APIs und Datenflüsse die Alternativen am Markt. Kunden sähen sich häufig mit doppelten Lizenzkosten konfrontiert und verzichteten deshalb auf einen Anbieterwechsel.

Nach Angaben der Aufsichtsbehörde erreichen Microsofts Produkte – darunter Word, Excel, Outlook, PowerPoint, Teams, Copilot sowie Betriebssysteme und Serverlösungen – über eine Million britische Unternehmen und öffentliche Einrichtungen mit monatlich rund 20 Millionen Nutzern.

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Roadmap für Auflagen und Fokus auf KI-Wettbewerb

Sollte der Status bestätigt werden, plant die Behörde gezielte Eingriffe. Die Roadmap möglicher Maßnahmen sieht Beschränkungen für Produktbündelungen, erleichterte Integrationen für Drittanbieter, eine freie Wahl alternativer Cloud-Infrastrukturen sowie mehr Flexibilität bei der Bereitstellung von Softwarelizenzen vor.

Ein zentraler Prüfpunkt betrifft künstliche Intelligenz: Die CMA will untersuchen, ob rivalisierende KI-Anbieter fairen Zugang erhalten und innerhalb von Microsoft-Produkten auffindbar sind, um auf Augenhöhe mit Copilot konkurrieren zu können.

Die Chefin der CMA, Sarah Cardell, erklärte hierzu, die Behörde wolle sicherstellen, dass Unternehmen die Freiheit behielten zu entscheiden, wie sie Microsofts Software neben alternativen Lösungen einsetzen. Die Behörde stellte zugleich klar, dass die vorläufige Feststellung keine Rechtsverletzung voraussetze und noch kein Verstoß gegen Gesetze festgestellt worden sei.

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Bei einer Bestätigung wäre Microsoft das dritte Unternehmen unter dem neuen Digitalmarktregime des Landes, nachdem zuvor Google im Suchmaschinenbereich sowie Apple und Google bei mobilen Plattformen im Oktober 2025 reguliert wurden.

Reaktion von Microsoft und parallele Verfahren

Microsoft wies die Einschätzung der Regulierer am 16. Oktober 2026 zurück. Alle Produkte einschließlich Copilot seien offen und interoperabel. Zudem herrsche ein lebhafter Wettbewerb, bei dem das Unternehmen auf ein Netz von 34.000 Partnern in Großbritannien mit einem wirtschaftlichen Beitrag von rund 38 Milliarden Pfund verweise.

Gleichzeitig verweist die Aufsicht auf Lizenzierungspraktiken, die laut einer früheren Cloud-Untersuchung vom Juli 2025 fortbestehen. Unter anderem dürfen nach Oktober 2019 erworbene Lizenzen für Microsoft 365 oder Windows 10 und 11 bei bestimmten konkurrierenden Cloud-Anbietern nicht ohne Zusatzkosten oder Funktionseinbußen betrieben werden.

Branchenverbände wie die Open Cloud Coalition und die Browser Choice Alliance begrüßten das Vorgehen der CMA; erstere beziffert die Lizenzkosten für den britischen öffentlichen Sektor auf jährlich etwa 60 Millionen Pfund. Parallel laufen in Großbritannien eine Sammelklage mit einem Streitwert von bis zu 2,1 Milliarden Pfund sowie kartellrechtliche Verfahren in den USA und bei der EU-Kommission.

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