Microsoft räumt Copilot-Design nach: Weniger Störung, mehr Kontrolle
25.05.2026 - 00:22:11 | boerse-global.deDer KI-Assistent blockierte zu oft Arbeitsinhalte – jetzt reagiert Microsoft mit weitreichenden Änderungen.
Seit Ende Mai 2026 rollt Microsoft ein umfangreiches Update für seinen KI-Assistenten Copilot aus. Nutzer von Windows 11 und Microsoft 365 erhalten endlich die Kontrolle über Platzierung und Sichtbarkeit der Copilot-Elemente. Der Schritt kommt nicht überraschend: Zahlreiche Beschwerden hatten sich gehäuft, dass das schwebende Symbol wichtige Dokumentinhalte verdeckte und Arbeitsabläufe empfindlich störte. Das Timing ist brisant – während nur 3,3 Prozent der rund 450 Millionen Microsoft-365-Nutzer das kostenpflichtige Copilot-Abo gebucht haben, stehen für Unternehmenskunden ab Juli saftige Preiserhöhungen an.
Der „Dynamic Action Button" wird bändigbar
Das wohl sichtbarste Ärgernis verschwindet: Das schwebende Copilot-Symbol in Word, Excel und PowerPoint lässt sich jetzt per Rechtsklick verschieben. Nutzer können es entweder in der klassischen Multifunktionsleiste (Ribbon) am oberen Bildschirmrand andocken oder zwischen drei Zuständen wählen: schwebend, angedockt oder fest in der Menüleiste integriert. Entscheidend: Die gewählte Position bleibt über die gesamte Dokumentensitzung erhalten – kein lästiges Zurückspringen mehr beim Öffnen einer neuen Datei.
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Parallel dazu erweitert Microsoft die Copilot-Funktionen: KI-Agenten übernehmen jetzt repetitive Aufgaben in Teams, SharePoint und Office. Die Konkurrenz schläft nicht – OpenAI hat kürzlich einen ChatGPT-Add-in für PowerPoint gestartet, der Folien per Sprachbefehl oder über verknüpfte Konten wie Outlook und Gmail generiert.
Windows 11: Die Sidebar kommt
Für das Betriebssystem selbst testet Microsoft eine neue angedockte Seitenleiste. Anders als frühere Versionen, die Fenster überlagerten, passt die Sidebar die Desktop-Größe automatisch an – alle geöffneten Anwendungen bleiben vollständig sichtbar. Vier Layout-Optionen stehen zur Wahl: App-Ansicht, Bild-im-Bild-Modus sowie Andockmöglichkeiten links oder rechts.
Die experimentellen Builds (etwa Build 26300.8497) bringen zudem einen „Screen Tint"-Modus gegen Augenbelastung und verbesserte Sprachisolierung für Barrierefreiheits-Tools. Microsoft arbeitet offenbar an einer „vNext"-Generation, die den Grundstein für Windows 11 27H2 legen könnte.
Sicherheitsalarm: MiniPlasma und ablaufende Zertifikate
Während Microsoft die Benutzeroberfläche optimiert, brodelt es im Sicherheitsbereich. Im Frühjahr entdeckten Forscher den Exploit „MiniPlasma", der einen Patch aus dem Jahr 2020 (CVE-2020-17103) umgeht. Angreifer können damit vollständig aktualisierte Windows-11-Systeme übernehmen – besonders alarmierend: Der Exploit liest Wallet-Daten aus dem Systemspeicher aus, ein direkter Angriff auf Kryptowährungs-Nutzer.
Ebenfalls kritisch: Der Patch für CVE-2026-8711 (CVSS-Score 8,8) betrifft Windows 10, Windows 11 und mehrere Office-Versionen – er ermöglicht Code-Ausführung mit erhöhten Rechten. Hinzu kommt eine ausgeklügelte Phishing-Kampagne, die eine Schwachstelle in der E-Mail-Authentifizierung ausnutzt und gefälschte Nachrichten von der internen Adresse account-security-noreply@microsoft.com versendet.
Ein administrativer Countdown läuft: Mehrere Secure-Boot-Zertifikate aus dem Jahr 2011 laufen ab – die Microsoft KEK CA 2011 am 24. Juni, die UEFI CA 2011 am 27. Juni und die Windows Production PCA 2011 am 19. Oktober. PCs booten zwar weiter, verlieren aber die Fähigkeit, künftige Boot-Sicherheitspatches zu installieren, wenn sie nicht die seit Anfang 2026 verteilten Ersatzzertifikate erhalten haben.
Führungswechsel und Milliarden-Vergleich
Ein Urgestein verlässt Microsoft: Yusuf Mehdi, seit 35 Jahren im Unternehmen und zuletzt Chef des Consumer-Marketings, kündigte seinen Abschied für Mitte 2027 an. Er bleibt bis zum 30. Juni 2027, um den Übergang bei Windows, Copilot und Microsoft 365 zu begleiten.
Juristisch schließt Microsoft ein Kapitel: 250 Millionen Euro zahlt der Konzern im Rahmen eines Vergleichs, um eine Aktionärsklage des schwedischen Pensionsfonds AP7 beizulegen. Der Rechtsstreit drehte sich um die Übernahme von Activision-Blizzard – das letzte große rechtliche Hindernis dieses Deals ist damit ausgeräumt.
Preisschock für Unternehmen ab Juli
Ab dem 1. Juli 2026 werden die Preise für Microsoft 365 angehoben. Die Spanne ist beachtlich: Microsoft 365 E3 steigt von 33 auf 36 Euro (8,33 Prozent), die F1-Stufe schießt um 33 Prozent von 2,05 auf 2,75 Euro hoch. Auch Business Basic und Business Standard sind mit zweistelligen Prozentsteigerungen konfrontiert. Analysten rechnen damit, dass der effektive Kostenanstieg für manche Organisationen inklusive Azure und Copilot zwischen 20 und 25 Prozent liegen könnte. Bestandskunden behalten ihre aktuellen Preise bis zum nächsten Verlängerungstermin nach Juli.
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Wettbewerb verschärft sich
Die Copilot-Offensive kommt nicht zu früh. Google hat Gemini 1.5 Pro tiefer in Gmail integriert und mit „Gemini Spark" einen cloudbasierten Agenten gestartet, der über Google Workspace und Drittanbieter-Plattformen hinweg agiert. Atlassian behandelt KI-Agenten inzwischen als vollwertige Teammitglieder in Jira – mit denselben Berechtigungen wie menschliche Mitarbeiter.
Microsofts Strategie ist klar: Der KI-Assistent soll vom Störfaktor zum echten Helfer werden. Die neuen Anpassungsmöglichkeiten sind der erste große Schritt in diese Richtung. Ob sie reichen, um die magere Paid-Adoption-Rate von 3,3 Prozent nach oben zu treiben, wird sich zeigen – spätestens wenn die Preiserhöhungen im Juli wirksam werden.
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