Microsoft, Preiserhöhung

Microsoft plant radikale Preiserhöhung: Neues Premium-Abo für 92 Euro

25.05.2026 - 03:26:09 | boerse-global.de

Microsoft führt das Premium-Abo E7 ein und erhöht die Preise für viele bestehende Tarife. Der Konzern setzt verstärkt auf KI und Sicherheit.

Microsoft plant radikale Preiserhöhung: Neues Premium-Abo für 92 Euro - Foto: über boerse-global.de
Microsoft plant radikale Preiserhöhung: Neues Premium-Abo für 92 Euro - Foto: über boerse-global.de

Microsoft führt zum 1. Juli 2026 ein neues Spitzen-Abo ein – und verteuert gleichzeitig viele bestehende Tarife. Der Konzern setzt dabei voll auf Künstliche Intelligenz.

Der Software-Riese reagiert mit der neuen Microsoft 365 E7-Stufe auf die massiven Investitionen in generative KI. Das Premium-Paket soll rund 92 Euro pro Nutzer und Monat kosten und wird damit zum teuersten Angebot in der Geschichte der Cloud-Produktivitätssuite. Gleichzeitig steigen die Preise für bestehende Abos teils drastisch: Business Basic wird rund 16 Prozent teurer (etwa 7 Euro), Business Standard legt um 12 Prozent zu (rund 14 Euro). Je nach Produkt und Region betragen die Aufschläge zwischen 5 und 33 Prozent.

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Der teure Weg zur „agentischen“ KI

Hinter der Preisexplosion steckt eine strategische Neuausrichtung. Microsoft treibt den Übergang von einfachen Chat-KI-Systemen hin zu sogenannten „agentischen“ Assistenten voran – KI, die eigenständig mehrstufige Arbeitsabläufe ausführen kann. Bereits am 21. Mai kündigte der Konzern an, dass Edge for Business in einer limitierten Vorschau agentische Browser-Funktionen erhält. Copilot kann dann selbstständig Webseiten durchsuchen, komplexe Formulare ausfüllen und mehrstufige Aufgaben erledigen – und das alles innerhalb des sicheren Microsoft-365-Tenants.

Doch die Nutzerakzeptanz hinkt hinterher. Nur 3,3 Prozent der aktuellen Microsoft-365-Kunden haben bisher kostenpflichtige Copilot-Erweiterungen gebucht. Mit dem E7-Tier will Microsoft offenbar Sicherheits-, Governance- und KI-Funktionen bündeln, statt sie einzeln zu verkaufen.

Benutzerfreundlichkeit im Fokus

Nach Beschwerden von Anwendern – besonders in Excel –, dass der schwebende Copilot-Button wichtige Inhalte verdeckte, rollt Microsoft Ende Mai ein Update aus. Nutzer können den Button nun per Rechtsklick in die Menüleiste andocken. Seit dem 22. Mai gibt es zudem neue Tastenkombinationen (F6 und Alt+C unter Windows) für bessere Bedienbarkeit.

Parallel dazu erweitert Microsoft die KI-Integration durch Partnerschaften. OpenAI startete zwischen dem 21. und 23. Mai eine Beta-Integration von ChatGPT in Microsoft PowerPoint. Nutzer können damit komplette Präsentationen per Texteingabe generieren, bearbeiten und umstrukturieren.

Sicherheit wird zum Verkaufsargument

Damit die neuen KI-Tools den strengen Anforderungen von Unternehmen genügen, verschärft Microsoft seine Sicherheitsstrategie. Am 21. Mai kündigte der Konzern mehrere Updates für die Plattformen Purview und Entra ID an:

  • Datenschutz für Drittanbieter-KI: Echtzeit-Überwachung und Protokollierung sind jetzt für die Claude-API von Anthropic verfügbar.
  • Daten-Sicherheits-Management: Ein neuer Dienst bewertet Sicherheitsposturen und klassifiziert Daten plattformübergreifend.
  • Cloud-PCs für KI-Agenten: Eine öffentliche Vorschau für dedizierte Rechner zur Ausführung autonomer Software-Agenten startet.
  • Biometrische Konto-Wiederherstellung: Ein neues Verfahren ersetzt zunehmend Passwörter.

Milliarden-Partnerschaft mit EY

Am 21. Mai gaben Microsoft und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY eine gemeinsame Investition von über einer Milliarde Euro über fünf Jahre bekannt. Ziel ist es, KI-Pilotprojekte in voll funktionsfähige Systeme für Finanzen, Steuern, Risikomanagement und Personalwesen zu überführen. Die Zusammenarbeit nutzt Azure, Microsoft 365 Copilot und die Power Platform, um branchenspezifische Lösungen zu entwickeln, die globale Standards wie DSGVO, HIPAA und Basel IV erfüllen.

Konkurrenz schläft nicht

Microsofts Preispolitik fällt in eine Zeit verschärften Wettbewerbs. Auf der Google I/O am 19. Mai kündigte Google „Gemini Spark“ an – einen rund um die Uhr aktiven KI-Agenten für Workspace. Ähnlich wie Microsofts agentisches Browsen verwaltet Gemini Spark autonom E-Mails und Kalender in der Cloud, selbst wenn das Gerät des Nutzers ausgeschaltet ist. Der Start ist für Sommer 2026 geplant.

Gleichzeitig gewinnt die Open-Source-Konkurrenz an Boden. LibreOffice veröffentlichte am 22. Mai Version 26.2.3 mit über 40 Fehlerbehebungen und verbesserter Kompatibilität mit Microsofts Formaten. Die Software hat weltweit über 400 Millionen Downloads erreicht, rund 200 Millionen Nutzer sind aktiv. Besonders öffentliche Einrichtungen in Europa setzen zunehmend auf Open Source: Schleswig-Holstein, dänische und französische Ministerien sparen damit allein 2026 bis zu 15 Millionen Euro.

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Aus für Outlook Lite

Parallel zu den Neuerungen räumt Microsoft sein altes Portfolio auf. Am heutigen Montag, dem 25. Mai, stellte der Konzern die App Outlook Lite für Android ein. Die 2022 gestartete Anwendung mit über zehn Millionen Downloads war bereits im Oktober 2025 aus dem Play Store entfernt worden. Nutzer wurden aufgefordert, auf die vollständige Outlook Mobile App umzusteigen.

Bis Ende 2026 stellt Microsoft zudem die direkte zertifikatsbasierte Authentifizierung für Exchange ActiveSync ein. Unternehmen sollen auf Entra-ID-basierte Verfahren umstellen, um Verbindungsfehler zu vermeiden.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob Microsofts Strategie aufgeht. Die Einführung des E7-Tiers und die Milliarden-Partnerschaft mit EY deuten auf eine Fokussierung auf hochpreisige Unternehmenskunden hin. Doch ob die versprochenen Produktivitätsgewinne durch agentische KI die zweistelligen Preisaufschläge rechtfertigen, ist fraglich. Mit Google und der Open-Source-Community im Nacken wird die zweite Jahreshälfte 2026 darüber entscheiden, ob Microsoft seine Dominanz im digitalen Produktivitätsmarkt behaupten kann.

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