Microsoft Office in Hessen: Landesverwaltung bleibt ohne Ausstiegsplan
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 17:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die hessische Landesverwaltung setzt bei ihrer Bürosoftware weiterhin auf Microsoft Office. Nach Angaben des hessischen Digitalministeriums kommt das Programmpaket in breitem Umfang zum Einsatz. Ein konkreter Zeitplan für eine Abkehr von den Produkten des US-Konzerns liegt derzeit nicht vor, wie tagesschau.de am 27. September 2026 berichtete.
Hohe Abhängigkeit auf kommunaler Ebene
Die Bindung an den Marktführer beschränkt sich in Hessen nicht allein auf die Landesebene. Auch die Kommunen sind in hohem Maße eingebunden: Der Hessische Städte- und Gemeindebund bezeichnet Microsoft Office in den Kommunalverwaltungen als absolutes Standardumfeld.
Gleichwohl unternehmen einzelne hessische Kommunen Schritte in Richtung digitaler Unabhängigkeit. Das Parlament der 24.000-Einwohner-Stadt Korbach beschloss im Juni 2026 ein Konzept für digitale Souveränität, das verstärkt auf europäische und quelloffene Lösungen setzt. In der dortigen Verwaltung sind bereits Programme wie Firefox und Nextcloud im praktischen Einsatz.
Bund verzeichnet über 90 Prozent Microsoft-Nutzung
Die Situation in Hessen spiegelt die bundesweite Ausgangslage im öffentlichen Sektor wider. Nach Angaben des Zentrums für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung, einer bundeseigenen GmbH, sind in der Bundesverwaltung weiterhin weit über 90 Prozent der PC-Arbeitsplätze mit Microsoft Office ausgestattet.
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Zugleich wächst der Bereich für alternative Arbeitsplatzlösungen: ZenDiS hält Verträge für 200.000 Arbeitsplätze. Zu den Nutzern zählen unter anderem das Robert-Koch-Institut sowie das Kultusministerium Baden-Württemberg.
Schleswig-Holstein zeigt finanzielle und operative Folgen
Wie eine Umstellung in der Praxis verläuft, zeigt der Blick nach Schleswig-Holstein. Das Bundesland stellte bis Ende 2025 fast 80 Prozent der Arbeitsplätze auf das Open-Source-Paket LibreOffice um, das dort nun als Standard fungiert. Rund 20 Prozent der Arbeitsplätze bleiben hingegen weiterhin von Microsoft abhängig.
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Der Umstieg schlägt sich auch in den Landesfinanzen nieder. Die Einsparung bei den Lizenzkosten liegt bei über 15 Millionen Euro. Für das Jahr 2026 fallen zugleich neun Millionen Euro an einmaligen Migrations- und Entwicklungskosten an.
Trotz einzelner Vorreiterprojekte bleibt die Umstellung der öffentlichen IT bundesweit eine Herausforderung. Das Forschungsinstitut Fraunhofer FOKUS konstatiert, dass für Open Source in der Verwaltung noch kein Durchbruch erzielt ist.
Mehr zum Thema bei tagesschau.de: „Hessen: Abhängigkeit von Microsoft: Warum Hessens Ämter weiter auf Office setzen“
Teile dieses Beitrags beruhen auf Recherchen von tagesschau.de.
