Microsoft lizenziert Medieninhalte: Copilot nutzt fünf große australische Zeitungen
06.07.2026 - 15:16:11 | boerse-global.de
Microsoft hat einen wegweisenden Lizenzvertrag mit dem australischen Medienkonzern Nine unterzeichnet. Die am 6. Juli 2026 bekanntgegebene Vereinbarung erlaubt es den KI-Tools des Software-Riesen, Artikel aus mehreren renommierten Blättern zu referenzieren und zusammenzufassen. Dazu gehören die Australian Financial Review, The Sydney Morning Herald, The Age, die Brisbane Times und WA Today.
Lizenzgebühren für verlässliche Quellen
Im Rahmen des Abkommens zahlt Microsoft eine nicht genannte Summe an Nine für die Nutzung von Schlagzeilen, Textausschnitten und Zusammenfassungen in den Suchergebnissen von Copilot. Nine-Chef Matt Stanton betonte, die Partnerschaft solle sicherstellen, dass KI-generierte Ausgaben auf korrekten Informationen basieren. Microsofts ANZ-Präsidentin Jane Livesey erklärte, der Deal helfe dabei, Copilot auf vertrauenswürdigen Journalismus etablierter australischer Publikationen zu gründen.
Strategischer Wandel hin zu lizenzierten Inhalten
Die Partnerschaft mit Nine ist die erste ihrer Art für Microsoft in Australien. Sie folgt einem breiteren Branchentrend: Technologieunternehmen suchen zunehmend offizielle Wege für den Datenzugriff, um Urheberrechtsstreitigkeiten zu vermeiden und die Qualität ihrer KI-Trainingsdaten zu verbessern. Erst kürzlich wurden weitere bedeutende Deals abgeschlossen – darunter ein 360-Millionen-Dollar-Abkommen zwischen OpenAI und News Corp sowie eine Partnerschaft zwischen Google und der australischen Nachrichtenagentur AAP.
Auch die Wikimedia Foundation gab am 6. Juli 2026 neue Inhaltsvereinbarungen mit Microsoft, Meta, Amazon, Perplexity und Mistral AI bekannt. Das Unternehmensprodukt bietet bezahlten, strukturierten Zugriff auf das Wikipedia-Archiv mit über 65 Millionen Artikeln. Microsoft-Vizepräsident Tim Frank betonte, der Aufbau eines nachhaltigen Ökosystems für hochwertige Informationen sei entscheidend für die Zukunft des KI-gestützten Internets.
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Rechtlicher Druck und regulatorisches Umfeld
Der Vorstoß zu formellen Lizenzierungen erfolgt vor dem Hintergrund verschärfter rechtlicher Prüfung. Am 24. Juni 2026 reichte ein Bündnis von 35 Zeitungsverlegern, das knapp 400 lokale Blätter vertritt, Klage gegen Microsoft und OpenAI in New York ein. Die Koalition wirft den Tech-Konzernen die unbefugte Nutzung urheberrechtlich geschützter Artikel zum Training von Modellen wie ChatGPT und Copilot vor. Die Kläger fordern dauerhafte Unterlassungsverfügungen und Schadensersatz in Milliardenhöhe.
Auch in Australien verändert sich die Regulierungslandschaft. Die Bundesregierung plant offenbar eine Abgabe von 2,25 Prozent auf Social-Media-Unternehmen – die jedoch durch Erlösbeteiligungen zwischen Tech-Plattformen und Nachrichtenorganisationen ausgeglichen werden könnte. Zudem genehmigte die australische Generalstaatsanwaltschaft am 5. Juli 2026 Microsoft Copilot Chat und Google NotebookLM für die Nutzung mit als „geschützt" eingestuften Daten – vorausgesetzt, Regierungsmitarbeiter verwenden offizielle Unternehmenskonten mit integrierten Datenschutzfunktionen.
Ausbau der KI-Dienste
Der Nine-Deal fällt mit einer deutlichen Expansion von Microsofts KI-Angeboten zusammen. Am 2. Juli 2026 startete das Unternehmen die Microsoft Frontier Company – eine 2,5 Milliarden Dollar schwere Initiative zur Unterstützung von Firmenkunden bei der Entwicklung und Einführung von KI-Systemen. Die neue Einheit beschäftigt rund 6.000 Branchen- und Ingenieurexperten, die direkt mit Kunden wie der London Stock Exchange Group, Unilever, Land O'Lakes und Novo Nordisk zusammenarbeiten.
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Microsoft plant zudem, seine Softwareangebote zu straffen. Berichten zufolge will der Konzern seine Verbraucher- und Unternehmensversionen von Copilot zu einer einheitlichen Plattform zusammenführen. Diese kombinierte App soll erweiterte KI-Codierungstools und „AutoPilot"-Agenten enthalten, die Routineaufgaben im Geschäftsalltag automatisieren.
