Microsoft kürzt Einspruchsfrist: Nur noch 30 Tage gegen KI-Partner
30.05.2026 - 23:24:42 | boerse-global.deDer Softwarekonzern reagiert auf das rasante Tempo der KI-Entwicklung und gibt Kunden nur noch 30 Tage statt sechs Monate für Einspruch gegen neue Partner.
Microsoft hat sein Datenverarbeitungsabkommen (DPA) grundlegend überarbeitet. Seit dem 22. Mai gilt eine verkürzte Frist: Statt sechs Monate haben Kunden nun nur noch 30 Tage Zeit, um gegen die Integration neuer KI-Subunternehmer Einspruch zu erheben. Die Änderung betrifft zentrale Plattformen wie Microsoft 365, Azure, Dynamics 365 und Microsoft Advertising.
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Mehr Tempo, mehr Kontrolle
Der kürzere Zeitraum spiegelt die Dynamik der KI-Branche wider. „Die Governance muss mit der Geschwindigkeit der Technologie Schritt halten“, kommentierte Oliver Schmidt-Prietz von CARIAD die Entwicklung. Für interne Teams bedeutet das eine erhebliche Herausforderung: Sie müssen Datenschutz-Folgenabschätzungen (DPIA) aktualisieren und innerhalb von 30 Tagen entscheiden, ob sie bestimmte Funktionen deaktivieren.
Immerhin: Wer einen neuen KI-Subunternehmer ablehnen möchte, kann dessen Nutzung für bis zu sechs Monate unterbinden. Das gibt Unternehmen Zeit für Alternativlösungen.
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Wachsende Abhängigkeit von KI-Partnern
Die verkürzte Frist kommt nicht von ungefähr. Microsoft baut seine externen KI-Kapazitäten massiv aus. Seit dem 7. Januar 2026 ist Anthropic als Subunternehmer für Copilot aktiv – mit Ausnahmen von bestimmten EU-Datengrenzstandards. Die Datenaufbewahrungsfristen variieren: Anthropic speichert API-Daten sieben Tage (seit September 2025), OpenAI behält sie 30 Tage.
Das Geschäft boomt: Im April 2026 meldete Microsoft einen jährlichen Umsatz von 37 Milliarden Euro aus seinem KI-Geschäft. Die Nutzung des Copilot-Assistenten wuchs um 20 Prozent im Quartalsvergleich und erreichte 20 Millionen bezahlte Unternehmenslizenzen. Seit dem 28. Mai startet der Copilot für Microsoft 365 laut Unternehmensangaben doppelt so schnell wie zuvor.
Regulatorischer Druck steigt
Die verkürzte Frist fällt in eine Zeit verschärfter Regulierung. Seit dem 17. Januar 2025 gilt die Digital Operational Resilience Act (DORA) der EU. Artikel 28 verlangt eine dokumentierte Sorgfaltspflicht bei IT-Drittanbietern. Die Compliance ist branchenweit ein Problem: Laut Daten des Analysehauses Neotas bestanden nur rund 6,5 Prozent von 1.000 befragten Unternehmen alle notwendigen Datenqualitätsprüfungen.
Parallel dazu wächst die öffentliche Kritik. Amnesty International veröffentlichte am heutigen Samstag den Bericht „Unlawful by Design“, der generative KI-Systeme von Microsoft und anderen Tech-Giganten für massives Web-Scraping ohne Einwilligung kritisiert.
Schutz vor Missbrauch
Microsoft reagiert auch auf Sicherheitsbedenken. Seit heute gelten neue Maßnahmen gegen KI-generierte nicht-einvernehmliche intime Bilder. Das Unternehmen führt vereinfachte Meldeverfahren ein und erweitert die automatische Erkennungstechnologie auf Plattformen wie Teams Free, OneDrive und Xbox. Damit will Microsoft Auflagen des britischen Online Safety Act und des US-amerikanischen Take It Down Act erfüllen.
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