Microsoft im Visier der britischen Wettbewerbshüter
15.05.2026 - 01:24:01 | boerse-global.deDie am Donnerstag angekündigte Untersuchung ist bereits der vierte große Fall unter dem neuen Digitalmarkt-Regime des Landes. Im Fokus steht die Frage, ob der Konzern seine dominante Stellung durch Produktbündelung und eingeschränkte Interoperabilität missbraucht.
Von Windows bis Copilot – die ganze Palette unter der Lupe
Die Prüfung erstreckt sich über das gesamte Microsoft-Universum: vom Windows-Betriebssystem über die Office-Suite mit Word und Excel bis hin zu Teams und dem KI-Assistenten Copilot. Auch Server-Betriebssysteme, Datenbank-Management und Sicherheitssoftware sind Teil der Untersuchung.
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Nach Angaben der CMA nutzen allein in Großbritannien mehr als 15 Millionen gewerbliche Nutzer in Hunderttausenden Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen täglich Microsoft-Produkte. Die Behörde will klären, ob die nahtlose Integration dieser Tools verhindert, dass Wettbewerber mit spezialisierten Alternativen punkten können.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Integration generativer KI. Während Unternehmen von Pilotprojekten zur flächendeckenden Einführung von KI-Tools übergehen, untersucht die CMA, ob die Standard-Platzierung von Copilot in Office und Teams konkurrierende KI-Anbieter benachteiligt. Das Ziel: Britische Organisationen sollen Software und KI-Dienste verschiedener Anbieter kombinieren können, statt in einem einzigen Ökosystem gefangen zu sein.
Vom Cloud-Markt zum Software-Lizenzdschungel
Die neue Untersuchung folgt auf den Abschluss der Cloud-Markt-Untersuchung im Juli 2025. Damals stellte die CMA fest, dass Microsoft und Amazon Web Services gemeinsam 70 bis 90 Prozent des britischen Cloud-Marktes kontrollieren. Besonders kritisch: Microsofts Praxis, für die Nutzung seiner Software auf konkurrierenden Clouds wie AWS oder Google Cloud höhere Preise zu verlangen.
Im März 2026 verzichtete die CMA zunächst auf eine formelle Untersuchung der Cloud-Infrastruktur, nachdem Microsoft und Amazon freiwillige Zugeständnisse gemacht hatten. Doch die Behörde kündigte an, stattdessen das breitere Software-Ökosystem unter die Lupe zu nehmen – denn die freiwilligen Änderungen hätten die Probleme rund um Software-Lizenzen nicht vollständig gelöst.
Neun Monate für eine Entscheidung
Der Status der „strategischen Marktstellung“ (SMS) unterstellt kein Fehlverhalten, sondern identifiziert Unternehmen mit „erheblicher und tief verwurzelter“ Marktmacht. Wird Microsoft dieser Status zuerkannt, kann die Digital Markets Unit der CMA gezielte Auflagen verhängen – etwa mehr Preistransparenz oder verbindliche Interoperabilitätsstandards.
Der Zeitplan ist ambitioniert: Bis zum 4. Juni können Kunden, Konkurrenten und Technologieunternehmen Stellungnahmen einreichen. Die gesamte Untersuchung muss innerhalb von neun Monaten abgeschlossen sein – eine finale Entscheidung steht damit bis Februar 2027 an.
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Microsoft hat Kooperation angekündigt. Der Konzern argumentierte bereits während der Cloud-Untersuchung, dass seine Lizenzänderungen die Wettbewerbsbedenken ausgeräumt hätten. Die CMA verweist jedoch auf eine Sammelklage aus dem Jahr 2024 zu ähnlichen Lizenzpraktiken, die neue Beweise geliefert habe.
KI als Wendepunkt für den Markt
Der Zeitpunkt der Untersuchung ist kein Zufall. Die Softwarebranche bewegt sich in Richtung „agentischer KI“ – Werkzeuge, die komplexe Aufgaben eigenständig in Arbeitsumgebungen erledigen. Marktforscher sehen in der Integration von KI in bestehende Produktivitätssuiten einen entscheidenden Moment für die Marktstruktur. Kann ein Anbieter die Standards für KI-Assistenten im gesamten Unternehmenssoftware-Portfolio setzen, wird die Eintrittsbarriere für spezialisierte KI-Startups enorm hoch.
Wirtschaftsdaten aus früheren CMA-Berichten legen nahe: Bei wirksameren Wettbewerb in diesen Digitalmärkten könnten britische Cloud- und Software-Kunden jährlich rund 500 Millionen Pfund sparen.
Ein Härtetest für die neue Regulierungsmacht
Die Microsoft-Untersuchung ist ein Praxistest für die neuen Befugnisse der CMA unter dem Digital Markets, Competition and Consumers Act 2024. Mit drei weiteren SMS-Verfahren gegen Google und Apple ist die Behörde bei begrenzten Ressourcen stark ausgelastet.
Bis zur Entscheidung im Februar 2027 wird die Tech-Branche genau beobachten, ob die CMA strukturelle Änderungen an Microsofts Bündelungspraktiken fordert oder sich mit weiteren freiwilligen Zugeständnissen zufriedengibt. Für den Rest des Jahres 2026 sammelt die Behörde zunächst Beweise von einer breiten Palette von Interessengruppen – mit dem Ziel, die Wahlfreiheit britischer Unternehmen zu bewahren.
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