Microsoft greift Partner an: Copilot gegen OpenAI und Anthropic
Veröffentlicht: 18.07.2026 um 15:44 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der Softwarekonzern schickt seine Vertriebsmannschaft in den Kampf gegen die eigene Partner-Allianz.
Microsoft hat eine radikale Kehrtwende in seiner KI-Strategie vollzogen. Der Konzern wies seine globale Vertriebsmannschaft an, künftig direkt gegen die eigenen Partner OpenAI und Anthropic zu konkurrieren. In internen Briefings Anfang der Woche skizzierten Führungskräfte einen Plan, der das hauseigene Copilot-System als überlegene Komplettlösung positioniert – und die Standalone-Modelle der Wettbewerber als bloße Einzelteile abwertet.
Angriff auf die KI-Partner
In zwei Strategiesitzungen am 15. und 17. Juli präsentierte das Management den Vertriebsteams eine klare Marschroute. Executive Vice President Jay Parikh betonte: „Andere verkaufen Einzelteile – wir liefern das ganze System." Der Ton gegenüber den Partnern ist rauer geworden, seit Microsoft im April die Exklusivität mit OpenAI aufgekündigt hat.
Seitdem ersetzt der Konzern in Anwendungen wie Word und Excel zunehmend Drittanbieter-Modelle durch günstigere Eigenentwicklungen. Zwar bleibt die nicht-exklusive Lizenzvereinbarung mit OpenAI bis 2032 bestehen – doch Microsoft setzt immer stärker auf die eigene Technologie.
Jacob Andreou, Executive Vice President für Copilot, ging in den Sitzungen besonders scharf mit Anthropics Claude-Modell ins Gericht. Seine zentrale Botschaft: Claude sei langsamer und ungenauer als Copilot – vor allem in der Microsoft-Office-Umgebung. Zudem verwies Andreou auf die überlegenen Sicherheitsintegrationen und kürzeren Antwortzeiten des eigenen Systems.
Spannungen zwischen den Partnern
Die strategische Neuausrichtung kommt nicht aus heiterem Himmel. Bereits am 17. Juli hatte CEO Satya Nadella öffentlich Kritik an Anthropics „Fable 5"-Modell geübt. Seine Einschätzung: Die Antworten des Modells wirkten redaktionell kontrolliert. Hintergrund ist ein kurzer Zeitraum, in dem Anthropic den Zugang zu dem Modell eingeschränkt hatte – angeblich aus Exportkontrollgründen. Seit dem 1. Juli ist der Zugang wieder freigegeben.
Kosten als Trumpf
Microsoft setzt im Verkaufsgespräch vor allem auf ein Argument: Kosteneffizienz. Nadella verwies auf Kunden wie Unilever, die durch den Umstieg auf günstigere Microsoft-KI-Optionen rund 300 Millionen Euro eingespart haben. Die Zahlen geben dem Konzern recht: Das KI-Geschäft erreicht einen annualisierten Umsatz von über 37 Milliarden Euro – ein Plus von 123 Prozent im Jahresvergleich. Microsoft 365 Copilot hat mittlerweile mehr als 20 Millionen bezahlte Nutzer.
Microsoft integriert KI-Modelle immer tiefer in den Arbeitsalltag, doch mit der neuen EU-Gesetzgebung kommen auch neue Compliance-Pflichten auf Unternehmen zu. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act hilft Ihnen, Risikoklassen und Dokumentationspflichten für KI-Systeme rechtzeitig zu verstehen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen und Pflichten kompakt erklärt
Neue Produkte und Partner
Im Rahmen der am 18. Juli gestarteten „Cloud and AI Frontier Week" bewirbt Microsoft ein „Frontier Success Framework", das Unternehmen beim Übergang von KI-Pilotprojekten zur flächendeckenden Einführung helfen soll. Erfolgsbeispiele liefern Firmen wie Wayve und HDI Global.
Trotz des aggressiven Kurses gegenüber den Partnern bleibt Microsoft pragmatisch: Über den Azure-Marktplatz werden weiterhin Drittanbieter-Modelle angeboten – einschließlich Anthropic, in das Microsoft rund fünf Milliarden Euro investiert hat.
Project Perception: KI-Sicherheit aus einer Hand
Microsoft entwickelt ein neues Multi-Modell-Sicherheitstool namens Project Perception. Es soll Software-Schwachstellen identifizieren und beheben. Die Besonderheit: Je nach Aufgabenstellung leitet das Tool Anfragen an verschiedene Modelle weiter – darunter auch OpenAI und Anthropic – um die Kosten zu optimieren.
Während Konzerne wie Microsoft ihre KI-Systeme technisch aufrüsten, müssen Unternehmen sicherstellen, dass der Einsatz dieser Technologien auch rechtlich abgesichert ist. Der kostenlose Report klärt auf, welche konkreten Pflichten die EU-KI-Verordnung für Unternehmen beim Einsatz von KI-Modellen vorsieht. Jetzt kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act sichern
Outlook-Upgrade im September
Zum September 2026 stellt Microsoft die Funktion „Outlook Meeting Insights" ein. Sie wird durch eine spezielle Copilot-Erfahrung für zahlende Abonnenten ersetzt, die vor Meetings relevante Dateien und Aufgaben zusammenfasst.
Neue KI-Modelle in der Pipeline
Mustafa Suleyman soll die Entwicklung neuer Frontier-KI-Modelle vorantreiben, die für das nächste Jahr erwartet werden. Parallel dazu verwalten Partner wie Pax8 die Preiserhöhungen für Microsoft 365, die am 1. Juli 2026 in Kraft traten – inklusive erweiterter Copilot-Funktionen und verbesserter Sicherheitsfeatures.
Markt im Umbruch
Laut einem Bericht des IT-Marktforschers ISG Provider Lens vom 17. Juli setzen US-Unternehmen zunehmend auf vorintegrierte Komplettlösungen. Analysten von IDC beziffern den durchschnittlichen Return on Investment für Unternehmens-KI auf das 3,7-Fache der Ausgaben. Die Nachfrage nach planbaren Kosten und messbaren Ergebnissen treibt diesen Trend – und Microsoft positioniert sich genau dort.
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