Microsoft EWS-Abschaltung: Umstieg auf Graph ab Oktober erzwungen
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 13:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Softwarekonzern Microsoft hat weitreichende Schritte zur Neuausrichtung seiner Unternehmensinfrastruktur und Sicherheitsstrategie eingeleitet. Im Zentrum steht die geplante Abschaltung der Exchange Web Services (EWS), die nach Einschätzung von Branchenexperten ein Signal für einen grundlegenden technologischen Umbruch darstellt. In diesem Zusammenhang verwies Markus Müller, Global Field CTO beim Integrationsspezialisten Boomi, auf potenzielle Sicherheitsrisiken durch bisher unerkannte oder unzureichend gesicherte API-Schnittstellen, die im Zuge dieses Wandels an Bedeutung gewinnen.
Zeitplan für die EWS-Abschaltung
Die Stilllegung von EWS erfolgt laut Unternehmensangaben in einem gestuften Verfahren. Der Prozess beginnt am 1. Oktober 2026. Eine vollständige Deaktivierung des Dienstes ist für den 1. April 2027 vorgesehen. Diese Fristen zwingen Unternehmen dazu, ihre bestehenden Integrationen und Anwendungen, die auf diese Schnittstelle angewiesen sind, zeitnah zu überprüfen und auf modernere Alternativen wie Microsoft Graph umzustellen.
Um die Sicherheit während der Übergangsphase zu erhöhen, wurde bereits Ende Juli 2026 die neue Einstellung „EWSAllowedAppIDs“ eingeführt. Diese Funktion soll Administratoren eine präzisere Kontrolle darüber ermöglichen, welche Anwendungen weiterhin Zugriff auf die veralteten Dienste erhalten.
Erweiterte Synchronisation und Skalierbarkeit
Parallel zur Ausphasung von EWS treibt Microsoft die Weiterentwicklung seiner Cloud-Infrastruktur voran. Ein zentrales Element ist die allgemeine Verfügbarkeit der Writeback-Funktion für in der Cloud verwaltete Remote-Postfächer. Diese Technologie ermöglicht es, Änderungen an Attributen in Exchange Online direkt zurück in das lokale Active Directory zu synchronisieren.
Insgesamt werden im Rahmen dieses Prozesses 24 spezifische Exchange-Attribute abgeglichen, worunter sich auch das wichtige Mail-Attribut befindet. Für Konfigurationen, die seit dem 3. August 2026 erstellt wurden, ist das Mail-Writeback bereits automatisch integriert.
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Zudem reagiert der Konzern auf den wachsenden Bedarf an Kapazitäten in Großunternehmen. Die Skalierbarkeit wurde deutlich erhöht: Pro Mandant können nun statt bisher 200.000 bis zu 600.000 Postfächer verwaltet werden. Diese Verdreifachung der Kapazität unterstreicht die Strategie, auch extrem umfangreiche Unternehmensorganisationen vollständig in Cloud-basierten Strukturen abzubilden.
Sicherheitslage und API-Risiken
Die Dringlichkeit des Wechsels wird durch aktuelle Bedrohungsszenarien verschärft. Berichten zufolge wird die Schwachstelle CVE-2026-42897, die unter dem Namen „OWAReaper“ bekannt wurde, derzeit aktiv für Angriffe ausgenutzt. Solche Sicherheitslücken verdeutlichen die Notwendigkeit, veraltete Protokolle und Schnittstellen durch modernere, besser geschützte Standards zu ersetzen.
Markus Müller von Boomi betonte in diesem Kontext die Bedeutung einer umfassenden Übersicht über die genutzte API-Landschaft. Der Wegfall von EWS könne versteckte Risiken offenlegen, da viele Unternehmen über Jahre hinweg komplexe Abhängigkeiten zu dieser Schnittstelle aufgebaut hätten. Ein ungeplanter Ausfall oder eine unsachgemäße Migration könnten nicht nur die Betriebskontinuität gefährden, sondern auch neue Angriffsflächen für Cyberkriminelle schaffen.
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Die kommenden Monate markieren somit eine kritische Phase für IT-Verantwortliche, in der die Modernisierung der Schnittstellenarchitektur sowohl aus Gründen der Funktionalität als auch zur Wahrung der Informationssicherheit oberste Priorität genießen muss.
