Microsoft EWS-Abschaltung: 171.000 Nonprofits verlieren Datenzugriff
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 22:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Technologiekonzern Microsoft hat eine weitreichende Umstellung der technischen Infrastruktur für die organisationsübergreifende Zusammenarbeit in Microsoft 365 angekündigt.
Die bisher für den Austausch zwischen verschiedenen Nutzerumgebungen genutzten Exchange Web Services (EWS) werden eingestellt. In der Folge müssen Funktionen wie die Kalenderfreigabe, der Frei/Belegt-Status und die sogenannten MailTips künftig über Cross-Tenant Access Policies (CTAP) verwaltet werden.
Dieser Wechsel betrifft explizit die externe Freigabe von Informationen zwischen verschiedenen Organisationen. Die interne Freigabe innerhalb einer Organisation bleibe von dieser Maßnahme unberührt.
Microsoft hat Administratoren dazu aufgerufen, die erforderliche Migration auf die neuen Richtlinien abzuschließen, bevor die Unterstützung für EWS endgültig endet. Damit soll sichergestellt werden, dass die reibungslose Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg nicht unterbrochen wird.
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Strategische Neuausrichtung belastet gemeinnützige Organisationen
Die technische Modernisierung fällt in eine Phase, in der Microsoft seine Lizenzmodelle und Zuschussprogramme weltweit neu ordnet. Bereits im Juli 2025 hatte das Unternehmen damit begonnen, kostenlose Nonprofit-Lizenzen einzustellen. Branchenbeobachtungen zufolge verloren im Zuge dieser Umstellung rund 171.000 gemeinnützige Organisationen den Zugriff auf ihre in OneDrive gespeicherten Daten.
Microsoft begründete diesen Schritt mit einer notwendigen Straffung des internen Zuschusswesens. Für die betroffenen Organisationen bedeutet dies jedoch erhebliche Herausforderungen. Neben drohenden Datenverlusten berichten viele Institutionen von massiven Betriebsunterbrechungen.
Das Unternehmen rät den betroffenen Nutzern offiziell zum Übergang auf kostenpflichtige Abonnement-Modelle, um den vollen Funktionsumfang und die Datensicherheit weiterhin zu gewährleisten.
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Massive Kritik an der Kommunikation und vorzeitige Datenlöschungen
Im Rahmen dieser Umstellungen steht Microsoft zunehmend wegen seiner Kommunikationspolitik in der Kritik. Zahlreiche betroffene Nonprofits gaben an, unzureichend über die anstehenden Änderungen informiert worden zu sein. Einige Organisationen erklärten sogar, keinerlei Vorwarnung erhalten zu haben, bevor der Zugriff auf ihre Daten gesperrt wurde.
Besonders schwer wiegen Vorwürfe über vorzeitige Löschvorgänge. Ein prominentes Beispiel ist die Nonprofit-Organisation Canopy. Berichten zufolge löschte Microsoft die Daten dieser Organisation, obwohl deren Lizenz laut den vertraglichen Vereinbarungen noch bis zum 4. Oktober 2026 gültig gewesen wäre.
Solche Vorfälle verstärken die Verunsicherung unter Administratoren, die nun nicht nur die technische Migration zu Cross-Tenant Access Policies bewältigen, sondern auch die langfristige Beständigkeit ihrer Lizenzvereinbarungen kritisch prüfen müssen.
Die aktuelle Entwicklung verdeutlicht den zunehmenden Druck auf IT-Abteilungen, die Abhängigkeiten von Cloud-Infrastrukturen und die Kurzfristigkeit von Lizenzänderungen in ihre Risikobewertung einzubeziehen. Während die Umstellung auf CTAP eine notwendige technische Modernisierung darstellt, bleibt die administrative Umsetzung für viele Organisationen eine Belastungsprobe.
