Microsoft Entra: VPN-Ablösung mit Passkey-Pflicht ab September
Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 10:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Softwarekonzern Microsoft forciert den Übergang von herkömmlichen VPN-Lösungen zu einem modernen Zero-Trust-Modell. Mit dem Dienst Microsoft Entra Private Access soll der Fernzugriff auf Unternehmensressourcen grundlegend abgesichert werden, um den steigenden Bedrohungen im Bereich der Identitätssicherheit zu begegnen. Die Umstellung zielt darauf ab, die Angriffsflächen bei Fernzugriffen auf Endgeräte deutlich zu reduzieren.
Steigende Risiken durch identitätsbasierte Angriffe
Der Bedarf an sichereren Zugriffslösungen wird durch aktuelle Sicherheitsanalysen unterstrichen. Laut Daten von CrowdStrike meldeten im Jahr 2025 rund 86 % der Organisationen identitätsbezogene Sicherheitsvorfälle. Parallel dazu mahnen Behörden verstärkte Vorsicht bei der Nutzung veralteter Infrastrukturen an.
So warnt die US-Sicherheitsbehörde CISA aktuell vor kritischen Schwachstellen in bestehenden VPN-Systemen. Davon betroffen ist unter anderem eine Sicherheitslücke bei WatchGuard (CVE-2025-14733), die potenziell mehr als 115.000 Geräte gefährdet.
Im Vergleich zu traditionellen VPN-Lösungen bietet der Zero Trust Network Access (ZTNA) über Microsoft Entra Private Access eine granulare Zugriffskontrolle. Ein wesentlicher Sicherheitsvorteil besteht darin, dass keine öffentlichen Gateways mehr erforderlich sind, was die Sichtbarkeit der internen Infrastruktur für potenzielle Angreifer minimiert.
Wer die IT-Sicherheit im Unternehmen proaktiv stärken möchte, findet in diesem Ratgeber wertvolle Strategien zum Schutz vor aktuellen Cyberangriffen. IT-Sicherheit stärken ohne teure Investitionen: So schützen clevere Unternehmer ihre Firma vor Cyberangriffen
Technische Voraussetzungen und Migrationspfade
Der Experte Richard Hicks erläuterte in diesem Zusammenhang die notwendigen Schritte für eine Migration von bisherigen Always-On-VPN-Strukturen hin zu Microsoft Entra Private Access. Für eine erfolgreiche Implementierung müssen Unternehmen spezifische technische Anforderungen erfüllen. Dazu gehören Lizenzen für Entra ID P1 sowie für Private Access.
Infrastrukturell werden mindestens zwei Connectors auf Basis von Windows Server 2016 oder einer neueren Version benötigt. Zudem ist es erforderlich, dass die genutzten Endgeräte in Entra ID eingebunden sind (Entra-joined). Eine tiefergehende Präsentation dieser Migrationsszenarien ist für die Fachkonferenz Live! 360 Tech Con am 19. November 2026 in Orlando geplant.
Umstellung der Authentifizierungsverfahren
Flankierend zum Technologiewechsel beim Fernzugriff verschärft Microsoft die Vorgaben für die Identitätsprüfung. Ab dem 1. September 2026 wird die Nutzung von Passkeys für alle Entra-ID-Nutzer zur Pflicht.
Eine Opt-out-Möglichkeit für diese Umstellung ist nicht vorgesehen. Im Zuge dieser Sicherheitsstrategie wird die bisher weit verbreitete Authentifizierung per SMS oder Sprachanruf ab dem 1. Februar 2027 für Entra-ID-Nutzer vollständig blockiert.
Microsoft begründet diesen Schritt mit der Anfälligkeit SMS-basierter Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) gegenüber modernen Angriffsformen wie KI-gestütztem Phishing und SIM-Swapping. Als moderne Alternativen sollen unter anderem Windows Hello for Business und macOS Platform SSO als eigenständige MFA-Faktoren etabliert werden.
Der Rollout dieser Funktionen ist für den Zeitraum zwischen Oktober 2026 und Ende November 2026 vorgesehen, wobei laut Hersteller keine manuellen Konfigurationsänderungen durch die Administratoren nötig sein werden.
Angesichts der verpflichtenden Umstellung auf moderne Authentifizierungsverfahren liefert dieser Report wichtige Einblicke in die Technologie, die Passwörter dauerhaft ersetzen soll. Was steckt hinter Passkeys – der Technologie, die Passwörter für immer ablösen soll?
Preisgestaltung und Ausblick
Für die Nutzung der Dienste gelten die bereits seit dem 1. Juli 2026 festgeschriebenen Preise. Microsoft Entra ID P1 wird mit 7 US-Dollar bepreist, während für die funktionsreichere Version P2 monatlich 10 US-Dollar anfallen.
Während die aktuellen Maßnahmen primär den Unternehmensbereich betreffen, sind ähnliche Sicherheitsanpassungen auch für private Microsoft-Konten geplant. Ein konkreter Zeitplan für die Umsetzung im Consumer-Bereich wurde bislang jedoch noch nicht kommuniziert.
