Microsoft-Datencenter, Haushalte

Microsoft-Datencenter: 1.000 Haushalte klagen über Lärmbelästigung

Veröffentlicht am: 09.07.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Anwohner reichen Sammelklage gegen Microsoft wegen unerträglicher Geräusche und Umweltbelastung durch KI-Rechenzentrum ein.

Microsoft KI-Datencenter: Anwohner klagen gegen Lärmbelästigung
Massives, modernes Rechenzentrum in der Dämmerung mit tiefem Summen, im Kontrast zu nahen Wohnhäusern. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Klage wurde am 1. Juli 2026 vor dem US-Bezirksgericht für den östlichen Bezirk von Wisconsin eingereicht. Im Zentrum steht der 7,3 Milliarden Euro schwere Fairwater-KI-Campus in Mount Pleasant. Die drei Kläger aus dem benachbarten Ort Sturtevant – Garret Ostergaard, David Wade und Joy Wade – handeln im Namen einer Gruppe, die über 1.000 Haushalte umfassen könnte. Alle leben im Umkreis von etwa 2,4 Kilometern um die Anlage.

„Wie ein stehender Güterzug"

Das 111.000 Quadratmeter große Datencenter erzeugt nach Angaben der Klageschrift rund um die Uhr ein tiefes, durchdringendes Brummen. Die Anwohner vergleichen das Geräusch mit dem Motor eines Güterzugs, der permanent vor ihrem Haus steht. Verantwortlich sind die riesigen Kühlsysteme: Türme, Kältemaschinen und Kondensatorventilatoren – plus die Diesel-Notstromaggregate, die den Betrieb sichern.

Die Folgen sind gravierend. Ein Kläger musste seine Arbeitsschicht wechseln, weil er nachts nicht mehr schlafen konnte. Neben dem Lärm klagen die Anwohner über Lichtverschmutzung, übermäßigen Staub und zunehmenden Lkw-Verkehr auf dem 130 Hektar großen Gelände. Die Kläger fordern Schadenersatz wegen Fahrlässigkeit, Belästigung und Wertverlust ihrer Grundstücke. Zudem verlangen sie eine gerichtliche Verfügung, die Microsoft zu weiteren Schutzmaßnahmen zwingt.

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Microsoft sieht keine Probleme – Anwohner widersprechen

Der Rechtsstreit kommt nicht überraschend. Erst Mitte Juni 2026 hatte Microsoft öffentlich erklärt, die Lärmprobleme am Fairwater-Standort seien vollständig gelöst. In einem Blogbeitrag und weiteren Stellungnahmen sprach der Konzern von technischen Nachbesserungen und erfolgreichen Schallschutzmaßnahmen.

Die Kläger widersprechen: Die Belästigungen hielten an. Dabei ist der Fairwater-Campus erst der Anfang. Microsoft plant auf dem Gelände in Mount Pleasant insgesamt bis zu 15 Datencenter zu betreiben. Das aktuelle Gebäude gilt bereits als eines der leistungsstärksten KI-Rechenzentren der Welt.

Präzedenzfall für die KI-Industrie?

Der Fall zeigt ein wachsendes Problem: Der rasante Ausbau der KI-Infrastruktur kollidiert zunehmend mit den Interessen der Anwohner. Die Kühlsysteme und Notstromaggregate hinterlassen einen massiven akustischen und ökologischen Fußabdruck. Das könnte zum Dauerstreitpunkt werden – ähnlich wie in Deutschland die Diskussion um Windkraftanlagen oder Rechenzentren im Frankfurter Umland.

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Die Klasse ist noch nicht zugelassen, ein Vergleich nicht in Sicht. Doch der Ausgang des Verfahrens Ostergaard gegen Microsoft könnte Maßstäbe setzen – für die 14 weiteren Anlagen, die Microsoft auf dem Campus bauen will. Der Konzern hat derzeit ohnehin juristisch viel um die Ohren: Erst Anfang des Jahres wurde eine separate Klage wegen angeblicher Falschaussagen zu den KI-Diensten Azure und Copilot eingereicht.

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