Microsoft, Copilot

Microsoft Copilot: Nur 4,5% zahlen – Andreou soll Wende bringen

28.06.2026 - 00:14:30 | boerse-global.de

Microsoft ernennt Jacob Andreou zum Chef der KI-Sparte. Nur 4,5 Prozent der Firmenkunden nutzen Copilot, während eine Sammelklage droht.

Microsofts KI-Offensive: Jungmanager soll Copilot-Erfolg bringen
Microsoft - Stilisierte neuronale Netzstruktur mit Datenströmen zu einer leuchtenden holografischen KI in einem modernen Tech-Büro. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Jetzt übernimmt ein junger Manager das Ruder.

Satya Nadella, Chef des Softwarekonzerns, hat Jacob Andreou mit der Neuausrichtung der Künstlichen Intelligenz beauftragt. Der 33-jährige Ex-Snap-Manager, der erst im Frühjahr zu Microsoft stieß, ist nun Executive Vice President für Copilot – das KI-Flaggschiff des Unternehmens.

Der Schritt kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Microsoft steckt Milliarden in die Partnerschaft mit OpenAI, doch der erhoffte Durchbruch bei den Einnahmen bleibt bislang aus. Interne Zahlen zeigen: Nur etwa 4,5 Prozent der 450 Millionen Microsoft-365-Kunden zahlen derzeit für den Copilot-Dienst. Andreou soll das ändern – unter anderem durch die Konsolidierung verschiedener Copilot-Versionen und ein neues Abrechnungsmodell nach Verbrauch.

Der Kurswechsel: Weg vom Assistenten, hin zum Agenten

Im Zentrum der neuen Strategie steht ein Paradigmenwechsel. Statt passiver Assistenten setzt Microsoft auf KI-Agenten, die eigenständiger handeln können. Vorgestellt wurde dieser Ansatz bereits auf der Entwicklerkonferenz Microsoft Build Anfang Juni.

Konkret arbeitet der Konzern an Project Solara – einer Chip-to-Cloud-Initiative für agentengestützte Geräte – sowie an Microsoft Scout, einer Art Autopilot für das gesamte Microsoft-365-Ökosystem. Hinzu kommen neue, spezialisierte Modelle wie MAI-Thinking-1 mit einem 256.000-Token-Fenster für komplexe Denkaufgaben.

Besonders spannend: Copilot Tasks. Diese Funktion soll es der KI ermöglichen, Geschäftsprozesse und Workflows vollständig autonom auszuführen. Kein bloßer Textgenerator mehr – sondern ein digitaler Mitarbeiter.

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Juristischer Gegenwind und Kursverluste

Doch die technologische Offensive läuft nicht ohne Rückschläge. Am 26. Juni reichte die Anwaltskanzlei Pomerantz LLP eine Sammelklage gegen Microsoft ein. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe irreführende Angaben zum Wachstum des Azure-Cloudgeschäfts und zur Akzeptanz von Copilot gemacht.

Auslöser war ein Kurssturz von zehn Prozent Ende Januar, nachdem enttäuschende Quartalszahlen bekannt wurden. Damals zeigte sich: Nur 15 Millionen zahlende Copilot-Nutzer – weit weniger als erwartet.

Die finanziellen Belastungen sind enorm. Die Investitionsausgaben von Microsoft liegen mittlerweile bei 47 Prozent des Gesamtumsatzes – ein Großteil fließt in den weltweiten Ausbau von Rechenzentren. Zwar erholte sich die Aktie am 26. Juni um 5,2 Prozent, als Anleger von Halbleiterwerten auf Softwaretitel umschichteten. Doch seit Jahresbeginn liegt der Kurs immer noch rund 23 Prozent im Minus.

Personalabbau und neue Leitlinien

Um die Belegschaft auf die KI-Ziele auszurichten, startete Microsoft bereits am 23. April ein freiwilliges Abfindungsprogramm. Rund 8.750 Mitarbeiter – etwa sieben Prozent der US-Belegschaft – betroffen. Die Konsequenz: Teams, die nicht direkt an KI oder Copilot arbeiten, wurden ausgenommen. Ein klares Signal, dass Microsoft traditionelle Arbeitskosten durch KI-Investitionen ersetzt.

Ende Juni veröffentlichte der Konzern zudem neue Ressourcen für Unternehmenskunden, darunter einen „Windows for Business Guide“ und ein schrittweises KI-Strategie-Framework. Die Botschaft an Firmen: Führungskräfte müssen den Wandel aktiv unterstützen, Mitarbeiter rollenspezifische schulen – und vor allem „Shadow AI“ verhindern, also die unautorisierte Nutzung von KI-Tools in Unternehmensnetzwerken.

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Der Rat von Microsoft: Unternehmen sollten konkrete Anwendungsfälle identifyzieren und die passende Technologiestufe wählen – von Low-Code-Lösungen bis hin zu Infrastructure-as-a-Service. Nur so lasse sich Effizienz und Sicherheit gewährleisten.

Ob der junge Jacob Andreou den milliardenschweren Tanker Microsoft auf KI-Kurs bringen kann, wird sich zeigen. Eines ist klar: Die Zeit drängt.

de | wissenschaft | 69642530 |