Microsoft Copilot: Autopilot erledigt Büroaufgaben rund um die Uhr
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 09:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Microsoft hat eine neue Generation seines KI-Assistenten Copilot präsentiert, die sich in die drei Bereiche Home, Code und Autopilot gliedert. Konzernchef Satya Nadella bezeichnete die Neuerung als „neues Betriebssystem für die Arbeit" – ausdrücklich kein Ersatz für Windows, sondern eine KI-Schicht über bestehenden Anwendungen.
Home bündelt Chat und Delegation
Der Bereich Home vereint schnelle Anfragen und Entwürfe mit der Delegation mehrstufiger Aufgaben, dem sogenannten Cowork. Ein intelligentes Routing soll künftig automatisch den passenden Modus je nach Komplexität der Anfrage wählen.
Word, Excel und PowerPoint sind direkt in Copilot integration: Abo-Kunden und Teilnehmer des Testprogramms sollen in den kommenden Wochen Dateien direkt in Copilot erstellen, bearbeiten und teilen können, ohne die jeweilige App zu wechseln.
Jacob Andreou, EVP für Copilot, bezeichnete das Ergebnis gegenüber der Nachrichtenagentur AFP als „full-blown Office". PowerPoint halte dabei das Branding konsistent, Excel zeige Änderungen an und schlage Diagramme vor, während sogenannte Skills zusätzliches Fachwissen in die Anwendungen einbringen.
Code für App-Erstellung ohne Programmierkenntnisse
Der Bereich Code erlaubt es, kleine Apps, Dashboards, Tracker, Widgets und Automatisierungen allein per natürlichsprachlicher Beschreibung zu erstellen, ohne dass Programmierkenntnisse nötig sind.
Die Funktion basiert auf der Technologie von GitHub Copilot und läuft in einer isolierten Sandbox innerhalb des jeweiligen Tenants. Als Ergänzung geht die Copilot Managed Runtime – eine verwaltete Infrastruktur für Hosting, Entra-Identität und Git innerhalb von Microsoft 365 – in die Public Preview.
Autopilot als digitaler Kollege
Der dritte Bereich, Autopilot, war zuvor unter dem Namen Scout bekannt. Microsoft beschreibt ihn als „digitalen Kollegen" mit eigener Identität, Namen, Rolle, Ziel, Gedächtnis, eigenen Rechenressourcen und einem eigenen Arbeitsbereich.
Der Agent arbeitet nach Unternehmensangaben rund um die Uhr in der Cloud, auch bei ausgeschaltetem PC, kann Aufgaben über Tage und Wochen hinweg ausführen und ist in Teams und Outlook per @-Erwähnung ansprechbar.
Als Beispiel nennt Microsoft eine Lieferantenprüfung: Der Agent erstellt Zeitpläne, sammelt Materialien, koordiniert Meetings, erledigt Follow-ups und fragt bei Beteiligten nach. Er überwacht dabei Kommunikationskanäle und übernimmt Routineaufgaben, verfügt zugleich über Berechtigungs-, Audit- und Freigabekontrollen.
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Ergänzt wird das Angebot durch Today, ein proaktives Command-Center, das Mails, Meeting-Einladungen, Teams-Chats und Kalender bündelt und ab Oktober in Private Preview startet, ebenfalls integriert in Outlook und Teams. @Copilot in Teams soll bereits Ende des Monats in Private Preview verfügbar sein.
Als technische Basis dient Microsoft IQ mit den Komponenten Fabric IQ und Work IQ, deren Public Preview für den kommenden Monat angekündigt ist; ein Plugin-Register soll ebenfalls Ende des Monats folgen. Mit FinOps for AI führt Microsoft zudem Ausgabenlimits pro Organisation, Gruppe und einzelnem Nutzer ein.
Stufenweiser Rollout und Preise
Der Rollout erfolgt in Wellen: Home und Code werden in den kommenden Wochen schrittweise an Teilnehmer des Frontier-Programms ausgespielt, Code erreicht Ende des Monats Early-Access-Kunden und soll im weiteren Jahresverlauf 2026 als Preview für Microsoft 365 Premium/Pro folgen.
Autopilot startet ebenfalls Ende des Monats in Private Preview, zunächst priorisiert für Firmenkunden mit aktiven Verträgen. Copilot läuft laut Microsoft primär auf Modellen von OpenAI und Anthropic; eigene, im Juni vorgestellte Modelle kommen bislang nur in wenigen Produkten wie GitHub Copilot zum Einsatz.
Preislich bleibt es beim Abo-Modell von 30 US-Dollar pro Nutzer und Monat für die Basis-KI-Funktionen wie Datenanalyse und Dokumentenentwürfe; Cowork, Code und Autopilot werden zusätzlich nutzungsbasiert abgerechnet.
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Ende der Marke „Copilot+ PC"
Parallel zur Software-Ankündigung gibt Microsoft die 2024 eingeführte Hardware-Marke „Copilot+ PC" auf, die Geräte mit NPU von mindestens 40 TOPS auszeichnete. Lokale KI-Funktionen wie Recall, Click to Do und Live Captions bleiben laut Unternehmen auf kompatibler Hardware erhalten.
Die neuen Modelle Surface Pro 12 Zoll und Surface Laptop 13 Zoll, die bei über 1.000 US-Dollar starten, erfüllen laut Surface-CVP Brett Ostrom weiterhin die technischen Anforderungen von mindestens 16 GB RAM, 256 GB Speicher und einer NPU mit mindestens 40 TOPS – tragen die Bezeichnung Copilot+ PC aber nicht mehr.
Eine offizielle Ankündigung zum Ende der Kategorie steht noch aus. Qualcomm-SVP Kedar Kondap erklärte, Geräte mit vergleichbaren Erfahrungen würden „wahrscheinlich" ebenfalls auf das Label verzichten. Ein Windows- und Surface-Event ist für den 7. Oktober 2026 angesetzt.
Reaktion an der Börse
Die Microsoft-Aktie stieg am Freitag im frühen Handel um rund 3 Prozent, nachdem sie im bisherigen Jahresverlauf zeitweise um 17 Prozent gefallen war.
Nach verfügbaren Zahlen machten Copilot-Abonnements bislang nur 3,3 Prozent der rund 450 Millionen kommerziellen Microsoft-365-Nutzer aus; es gibt demnach 30 Millionen bezahlte Copilot-Plätze – ein Plus von 10 Millionen in einem Quartal – sowie 50 Millionen Nutzer von GitHub Copilot. Von 36 befragten Analysten bewerten 33 die Microsoft-Aktie mit „Buy"; Goldman Sachs rechnet mit einem Gewinn je Aktie von über 35 US-Dollar bis 2030.
