Microsoft Copilot: Anleger klagen wegen irreführender KI-Angaben
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 17:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Sammelklage wirft Microsoft vor, die Leistungsfähigkeit seines KI-Assistenten Copilot und der Azure-Cloud-Dienste beschönigt zu haben. Die Anleger fordern Schadenersatz.
Irreführende Aussagen zu KI-Funktionen?
Die Klage wurde beim US-Bezirksgericht für den westlichen Bezirk von Washington eingereicht. Sie bezieht sich auf den Zeitraum vom 1. Mai 2025 bis zum 28. Januar 2026. In dieser Zeit soll Microsoft nach Ansicht der Kläger falsche oder irreführende Angaben gemacht haben. Konkret geht es um die Behauptung, die Copilot-KI-Produkte seien technologisch überlegen. Unabhängige Bewertungen hätten das Modell jedoch hinter der Konkurrenz eingestuft.
Die Klageschrift listet zudem technische und operative Probleme auf: Schwierigkeiten bei der Markenpositionierung, Mängel in der Benutzerfreundlichkeit und Probleme mit der Kompatibilität. Bereits Anfang Februar 2026 hatten Berichte auf Funktionsstörungen hingewiesen, die die Effektivität des KI-Tools beeinträchtigten. Die Anleger argumentieren, Microsoft habe diese internen Probleme verschwiegen und so den Aktienkurs künstlich hochgehalten.
Absturz nach enttäuschenden Quartalszahlen
Der juristische Ärger nahm seinen Lauf, als Microsoft am 28. Januar 2026 die Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 vorlegte. Der Copilot-Premium-Dienst hatte demnach nur 15 Millionen Kunden erreicht – weit unter den Erwartungen des Marktes.
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Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Der Aktienkurs brach an einem einzigen Tag um rund zehn Prozent ein – von 481,63 auf 433,50 US-Dollar. Der Abwärtstrend setzte sich bis zum Frühjahr fort. Am 20. März 2026 notierte die Aktie bei 380 US-Dollar. Das entspricht einem Minus von rund 30 Prozent gegenüber dem Höchststand im Klagezeitraum. Für die Kläger ist der Kurssturz die direkte Folge davon, dass die Anleger die Wahrheit über die schwache Nutzerakzeptanz und die technischen Grenzen von Copilot erfuhren.
Frist für Hauptkläger läuft
Interessierte Anleger haben noch bis zum 11. August 2026 Zeit, sich als Hauptkläger zu melden. Das Gericht wird dann einen Lead Plaintiff bestimmen, der die Interessen der Aktionäre vertritt, die im fraglichen Zeitraum Verluste erlitten haben. Die zentrale Frage wird sein, ob das Microsoft-Management wissentlich oder grob fahrlässig die Öffentlichkeit über das Zusammenspiel von Azure und Copilot getäuscht hat.
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KI-Klagen: Ein wachsender Trend
Der Fall Microsoft reiht sich ein in eine Serie von juristischen Auseinandersetzungen um KI-Versprechungen. Auch andere Tech-Konzerne stehen in der Kritik. So verklagen Anleger etwa den Datenanbieter ZoomInfo wegen angeblicher Falschdarstellungen zur Kundenbindung durch KI-Produkte. Und gegen Intuit läuft ein Verfahren wegen irreführender Angaben zu Preisdruck und Wachstumszielen bei der Steuersoftware TurboTax.
Die Branche beobachtet die Entwicklung mit Spannung. Denn die Ausgänge dieser Verfahren könnten Maßstäbe dafür setzen, wie konkret Unternehmen ihre KI-Fortschritte kommunizieren müssen – und wann aus übertriebenem Marketing eine haftbare Täuschung wird.
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