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Microsoft: Claude-Lizenzen enden am 30. Juni, GitHub Copilot wird Pflicht

27.05.2026 - 13:01:01 | boerse-global.de

Microsofts KI-Sparte erzielt Rekordumsätze, während Milliardeninvestitionen und Sicherheitslücken das Unternehmen belasten.

Microsoft: Claude-Lizenzen enden am 30. Juni, GitHub Copilot wird Pflicht - Foto: über boerse-global.de
Microsoft: Claude-Lizenzen enden am 30. Juni, GitHub Copilot wird Pflicht - Foto: über boerse-global.de

Während die KI-Sparte Rekordumsätze einfährt, belasten Milliarden-Ausgaben, Sicherheitslücken und interne Sparmaßnahmen das Unternehmen.

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Der KI-Revenue-Loop und die Kostenexplosion

Ein beträchtlicher Teil des aktuellen Cloud-Wachstums großer Technologiekonzerne beruht auf einem zirkulären Finanzmodell mit KI-Startups. Microsoft, Amazon, Google und Oracle halten gemeinsam einen Cloud-Auftragsbestand von rund zwei Billionen Euro. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf die KI-Firmen OpenAI und Anthropic. Bei Microsoft sind es sogar 49 Prozent des 627 Milliarden Euro schweren Backlogs, die an OpenAI gebunden sind.

Analysten sprechen von einem „Revenue-Loop": Investitionen in KI-Partner fließen als Cloud-Gebühren zurück zum Mutterkonzern. Microsoft steckte rund 13 Milliarden Euro in OpenAI – hauptsächlich in Form von Cloud-Guthaben. OpenAI erwirtschaftet zwar geschätzte 25 Milliarden Euro Umsatz, gibt aber über 60 Milliarden Euro für Cloud-Dienste aus. Ein ähnliches Muster zeigt sich bei Oracle, wo 54 Prozent des 553 Milliarden Euro schweren Backlogs mit OpenAI verknüpft sind. Manche Marktbeobachter vergleichen die aktuelle KI-Expansion bereits mit der Telekom-Blase der frühen 2000er Jahre.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Microsoft kündigte an, interne Lizenzen für Claude Code in der Experiences & Devices-Sparte – zuständig für Windows, Office, Teams und Surface – bis zum 30. Juni 2026 zu kündigen. Entwickler sollen auf das hauseigene GitHub Copilot CLI umsteigen. Der Grund: „Agentische" Workflows verbrauchen bis zu tausendmal mehr Tokens als Standardabfragen. Die Kosten sind schlicht explodiert.

Sparzwang auch bei anderen Tech-Giganten

Der finanzielle Druck durch KI-Nutzung ist kein Microsoft-exklusives Problem. Uber beispielsweise soll sein KI-Budget von 3,4 Milliarden Euro für 2026 bereits nach vier Monaten aufgebraucht haben – bei monatlichen Kosten pro Entwickler zwischen 500 und 2.000 Euro. Ab dem 1. Juni 2026 führt Microsofts Tochter GitHub daher ein nutzungsbasiertes Abrechnungsmodell ein.

Neue Sicherheitsbedrohungen für die Cloud

Parallel zu den finanziellen Herausforderungen kämpft Microsoft mit ausgeklügelten Sicherheitsrisiken. Bundesermittler warnen vor einer neuen „Phishing-as-a-Service"-Plattform namens Kali365, die seit April 2026 aktiv ist. Der Dienst nutzt OAuth-Gerätecode-Phishing, um die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu umgehen und Microsoft-365-Konten zu übernehmen. Angreifer können so schädliche Postfachregeln einrichten und nicht autorisierte Geräte registrieren. Sicherheitsexperten empfehlen Unternehmen, Device-Code-Flows zu blockieren.

Zudem wird seit Monaten eine offizielle Microsoft-Kommunikationsadresse für Phishing missbraucht. Kriminelle nutzen die Adresse „msonlineservicesteam@microsoftonline.com", um täuschend echte E-Mails zu versenden. Microsoft bestätigte, die Vorfälle zu untersuchen, doch der anhaltende Missbrauch einer offiziellen Domain stößt bei Anti-Spam-Organisationen wie dem Spamhaus Project auf scharfe Kritik.

Windows 365 for Agents: Schutz vor autonomer KI

Als Antwort auf die Risiken autonomer KI führte Microsoft „Windows 365 for Agents" ein. Die neue Sicherheitsarchitektur isoliert KI-Agenten in temporären, abgeschotteten Cloud-PC-Umgebungen. Kurzlebige Identitätstoken über Entra ID und die automatische Löschung der Umgebung nach Aufgabenerledigung sollen Datenlecks verhindern. Die Einführung fällt mit der allgemeinen Verfügbarkeit von Copilot Studio „Computer-Use Agents" am 13. Mai 2026 zusammen – zu Kosten von rund vier Cent pro Schritt.

Windows-Update sorgt für Ärger

Im Mai 2026 veröffentlichte Microsoft das Update KB5089549, das ein Problem beheben sollte, bei dem die Taskleiste einfriert oder der Desktop nach dem Anmelden leer erscheint. Doch die Installation bereitet vielen Nutzern Kopfzerbrechen: Der Fehlercode 0x800f0922 erscheint, oder das Update legt unerwartet neue Ordner auf dem System an.

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Gleichzeitig kündigte Microsoft das Ende einer langjährigen Integration an: Die Synchronisation zwischen Samsung Gallery und OneDrive endet am 30. September 2026. Samsung-Nutzer müssen dann die eigenständige OneDrive-App für ihre Foto-Backups nutzen.

Solide Geschäftszahlen trotz Turbulenzen

Trotz aller Widrigkeiten bleibt Microsofts Finanzlage robust. Im dritten Quartal 2026 meldete der Konzern einen Umsatz von 82,89 Milliarden Euro – ein Plus von 18 Prozent im Jahresvergleich. Der Nettogewinn stieg um 23 Prozent auf 31,78 Milliarden Euro. Die Azure-Cloud-Sparte wächst weiterhin stark um 40 Prozent, und das KI-Segment erreicht eine annualisierte Umsatzrate von 37 Milliarden Euro. Die Aktie zeigt jedoch leichte Schwankungen, da Anleger die starken Gewinne gegen die massiven Investitionen in die KI-Infrastruktur abwägen.

Nachhaltigkeit des KI-Infrastruktur-Zyklus

Die aktuelle Lage offenbart eine hohe Abhängigkeit von wenigen KI-Laboren. Dass mehr als die Hälfte des Zwei-Billionen-Cloud-Backlogs der weltgrößten Anbieter auf zwei Firmen – OpenAI und Anthropic – entfällt, birgt erhebliches Konzentrationsrisiko. Microsoft profitiert kurzfristig vom „Revenue-Loop" und kann starkes Azure-Wachstum melden. Doch die zugrundeliegende Ökonomie seiner Partner bleibt fragil: OpenAIs Cloud-Rechnung ist mehr als doppelt so hoch wie der Jahresumsatz.

Die interne Abkehr von Drittanbieter-Modellen wie Claude hin zu hauseigenen Tools wie GitHub Copilot spiegelt einen trend zum „KI-Realismus" wider. Nachdem Firmen wie Uber und Microsoft selbst die astronomischen Kosten token-intensiver Workflows erkannt haben, neigt sich die Ära des unbegrenzten experimentellen KI-Einsatzes dem Ende zu. Stattdessen setzen streng gemessene, nutzungsbasierte Modelle den neuen Standard.

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