Microsoft 365: Phishing-Kampagnen stehlen 5.137 Datensätze weltweit
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 09:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsforscher haben neue, hochspezialisierte Phishing-Kampagnen identifiziert, die verstärkt auf sogenannte Blob-URLs und Phishing-as-a-Service-Plattformen (PhaaS) setzen. Ziel dieser Angriffe ist der Diebstahl von tausenden Zugangsdaten für Microsoft 365-Konten. Durch den Einsatz innovativer technischer Verfahren gelingt es den Akteuren zunehmend, herkömmliche Sicherheitsfilter zu umgehen.
Technischer Wandel: Lokale Erzeugung statt externer Host
Analysen von Barracuda zeigen eine Entwicklung bei E-Mail-Kampagnen, bei denen die betrügerische Anmeldeseite direkt im Browser des Opfers mittels Blob-URLs erzeugt wird.
Ein entscheidender Vorteil für die Angreifer besteht darin, dass kein klassischer, extern gehosteter Phishing-Link existiert, der durch Sicherheitslösungen blockiert werden könnte. Stattdessen werden legitime Microsoft-Dienste wie die offizielle Login-Seite oder Microsoft Teams für die Auslieferung missbraucht.
Der technische Ablauf wird laut den Sicherheitsforschern durch Service Worker und Sandbox-iframes gesteuert, während die Backend-Anweisungen in Echtzeit erfolgen. In den beobachteten Fällen dienten oft harmlose Kalender-Einladungen als Anhang, um den Erstkontakt herzustellen. Die Steuerung der Interaktion erfolgt über Browser-Messaging-Verfahren.
Phishing-as-a-Service: Die Infrastruktur hinter den Angriffen
Parallel zu diesen Methoden wurden Plattformen identifiziert, die den Diebstahl von Identitäten als Dienstleistung anbieten. Sicherheitsanalysten von CloudSEK deckten die Phishing-Infrastruktur „BigBear 2.0“ auf, die auf dem Tool Evilginx2 basiert. Dieses System ermöglicht sogenannte Adversary-in-the-Middle-Angriffe (AiTM), um Session-Cookies nach einer erfolgten Multifaktor-Authentifizierung (MFA) abzugreifen.
Die Bilanz dieses Netzwerks umfasst 5.137 gestohlene Datensätze, darunter 4.148 Session-Cookies, 1.032 Klartext-Passwörter und 474 MFA-Bypass-Logins. Betroffen sind 461 Organisationen in mehr als 40 Ländern, wobei ein Schwerpunkt auf IT-Dienstleistern in Indien sowie Zielen in Frankreich, Saudi-Arabien, Neuseeland und Deutschland lag.
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Die Infrastruktur umfasste 42 VPS-Knoten und wurde von einem Akteur unter dem Pseudonym „General Boss“ gesteuert. Die Aktivitäten wurden seit Ende Juni 2026 beobachtet.
An anderer Stelle ging die Microsoft Digital Crimes Unit (DCU) juristisch gegen die Gruppierung „Storm-2246“ vor, die unter dem Namen „RaccoonO365“ bekannt ist. Ein Gericht im Southern District of New York genehmigte die Beschlagnahmung von 338 Websites.
Seit Juli 2024 soll diese Gruppe mehr als 5.000 Microsoft 365-Zugangsdaten in 94 Ländern entwendet haben. Das Geschäftsmodell basierte auf Abonnements für bis zu 999 US-dollar für 90 Tage und richtete sich gegen über 2.300 Organisationen in den USA, darunter mehr als 20 Kliniken.
Ausweitung auf Vishing und Device-Code-Verfahren
Zusätzlich zu rein technischen Manipulationen im Browser beobachten Experten eine Zunahme von Social-Engineering-Taktiken, die das Thema Passkeys thematisieren. Angreifer versuchen dabei, MFA-Persistenz zu etablieren und missbrauchen die Microsoft Graph-Schnittstelle für Ausspähungszwecke in SharePoint, OneDrive und E-Mail-Systemen.
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Weitere Analysen, unter anderem von ANY.RUN und Arctic Wolf, belegen den Einsatz von „N0va-Phishkits“ und Kampagnen der Gruppe „Cordial Spider“. Diese nutzen teils IT-Helpdesk-Vishing (Voice-Phishing) sowie Device-Code-Phishing, um Zugriffstoken zu erlangen. Die Akteure imitieren dabei Oberflächen von Teams, DocuSign oder medizinischen Diensten unter Verwendung spezieller Domains mit Endungen wie „.claim“.
Sicherheitsanalysten raten Unternehmen angesichts dieser Entwicklungen zur Überprüfung von OAuth-Redirects und zur genauen Inspektion von Blob-URLs. Als wirksame Schutzmaßnahme wird der Einsatz von FIDO2-basierten Verfahren und Passkeys sowie eine detaillierte Analyse der Klickpfade in der Unternehmenskommunikation empfohlen. Zudem sollten Organisationen die Überwachung von Geräte-Verifikationen verstärken, um unbefugte Token-Replays zu verhindern.
