Microsoft 365: Niederländische Steuerbehörde setzt ab 2027 auf lokale Server
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 08:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die niederländische Steuer- und Zollverwaltung Belastingdienst bricht die geplante Migration in die Cloud-Umgebung Microsoft 365 ab. Dies teilte Staatssekretär Eelco Eerenberg in einem Brief an die Tweede Kamer mit.
Wie mehrere Medien am 6. Oktober 2026 berichteten, sollen zentrale Dienste wie E-Mail und Kalender ab 2027 stattdessen wieder on-premises auf eigenen oder von der Behörde kontrollierten Servern betrieben werden. Für persönliche Speicherdienste und Instrumente zur Zusammenarbeit sind für die Jahre 2027 und 2028 europäische Open-Source-Lösungen vorgesehen.
Die Entscheidung betrifft neben dem Belastingdienst auch die Zollbehörde Douane sowie den Dienst Toeslagen. Nach Behördenangaben ermöglicht eine inzwischen vergrößerte Rechenzentrumskapazität den Weiterbetrieb auf der eigenen Infrastruktur.
Ein vollständiger Bruch mit dem US-Konzern Microsoft ist jedoch nicht geplant. E-Mail und Kalenderfunktionen sollen vorerst weiterhin über Microsoft-Dienste wie Outlook abgewickelt werden, künftig jedoch auf lokalen Servern.
Rund 5.000 der insgesamt 47.500 Beschäftigten des Belastingdienst sind bereits auf Microsoft 365 umgestiegen und verbleiben vorerst auf dieser Plattform. Für Microsoft bedeutet der Kurswechsel dennoch den Verlust eines Großkunden mit rund 49.000 Arbeitsplätzen.
Scharfe Kritik an Datenschutz und Datensouveränität
Die schrittweise Einführung von Microsoft 365 war zuvor gestoppt worden, nachdem das Adviescollege ICT-Toetsing eine kritische Bewertung vorgelegt hatte. Das Beratergremium stufte den Cloud-Dienst als unzureichend für die behördlichen Anforderungen ein.
Zu den wesentlichen Kritikpunkten zählten Zweifel an der Vertraulichkeit des E-Mail-Verkehrs, die Speicherung sensibler Daten auf Servern in den USA, das Fehlen ausreichender Verschlüsselung sowie Aggregationsrisiken bei Metadaten. Zudem wiesen die Backup-Mechanismen gravierende Mängel auf.
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Das Beratergremium empfahl, künftig für einzelne Funktionalitäten gezielt nach Alternativen zu suchen, anstatt auf ein Gesamtsystem eines einzigen Anbieters zu setzen. Bestehende Lizenzen sollten dabei möglichst weiterverwendet werden.
Als Hauptgründe für den Strategiewechsel nannte der Belastingdienst Aspekte der Datensouveränität, Kostenkontrolle, strategischen Unabhängigkeit sowie Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung. Noch im Vorjahr hatte die Behörde erklärt, es gebe keine tragfähigen Alternativen zu Microsoft 365.
Zeitplan und Umbau der IT-Kapazitäten
Da einige Funktionen von Microsoft 365 für den Informationshaushalt und die Archivverwaltung nicht on-premises verfügbar sind, prüft der Belastingdienst derzeit Ersatzlösungen. Eine inhaltliche Roadmap will die Behörde im ersten Quartal 2027 dem Parlament vorlegen; konkrete Produkte oder alternative Anbieter wurden bislang nicht benannt. Am 7. Oktober befasst sich die Tweede Kamer in einem Finanzausschuss von 17:00 bis 21:00 Uhr mit dem Thema.
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Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer angespannten IT-Auslastung. Derzeit fließen rund 55 Prozent der ICT-Kapazitäten der Steuerverwaltung in notwendige Modernisierungen, 40 Prozent in gesetzliche sowie externe Vorgaben und lediglich 5 Prozent in die strategische Erneuerung.
Das Ziel liegt bei höchstens 20 Prozent für Modernisierungen und mindestens 20 Prozent für strategische Erneuerungen, für die ab Ende 2028 schrittweise mehr Spielraum erwartet wird.
Die Neuausrichtung bindet Ressourcen: Die Modernisierung der Umsatzsteuer verzögert sich; so wurde der Start der Vorsteuer-Rückerstattung auf April 2027 verschoben und die Umstellung der inländischen Umsatzsteuer vom 1. Juli 2027 in das dritte Quartal 2027 verlegt.
