Microsoft 365: Copilot ersetzt OpenAI durch eigene KI-Modelle
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 05:14 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der Softwarekonzern ersetzt OpenAI- und Anthropic-Technologie durch hauseigene Systeme. Ziel sind niedrigere Kosten und mehr Kontrolle.
Microsoft plant einen strategischen Kurswechsel bei der Künstlichen Intelligenz in seinen Kernprodukten. Wie aus einer internen Besprechung vom 14. Juli hervorgeht, will der Konzern in Word und Excel schrittweise auf Modelle von OpenAI und Anthropic verzichten. Stattdessen setzt das Unternehmen auf eigene, intern entwickelte KI-Systeme.
Die Führungsebene betonte in der Runde, dass Microsoft 365 Copilot als umfassende Komplettlösung positioniert werden soll – im Gegensatz zu den fragmentierten Angeboten der Konkurrenz. Die hauseigenen Modelle versprechen demnach nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch bessere Leistung. Konkret wurden Bedenken hinsichtlich der Geschwindigkeit und Genauigkeit externer Alternativen genannt.
Neue KI-Assistenten am Start
Der Strategiewechsel folgt auf die Einführung mehrerer neuer KI-Tools. Erst am 15. Juli wurde der Service Agent in Microsoft 365 Copilot freigegeben. Er bietet über 90 spezialisierte Funktionen für Fallmanagement, Kundeneinblicke und Mitarbeiterüberwachung – basierend auf dem Microsoft Graph und Dataverse.
Bereits Mitte Juni startete Copilot Cowork, eine KI für mehrstufige Aufgaben in der gesamten Microsoft-365-Suite: E-Mails verfassen, Kalender verwalten, Recherchen durchführen. Cowork nutzte beim Start noch Modelle von Anthropic – die nun angestrebte Ablösung deutet auf einen vollständigen Wechsel zur internen Architektur hin. Der Zugang kostet 30 Euro pro Nutzer und Monat, ergänzt durch ein verbrauchsbasiertes Creditsystem. Einfache Aufgaben schlagen mit 70 bis 200 Credits zu Buche, aufwendige können rund 15 Euro kosten.
Die rasante Entwicklung von KI-Systemen in Unternehmen erfordert eine klare Rechtsgrundlage, wie sie der neue EU AI Act nun vorgibt. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Spezialisierte Helfer für die Finanzbranche
Während Microsoft sein Ökosystem umbaut, drängen Drittanbieter mit Nischenlösungen auf den Markt. AlphaSense kündigte am 14. Juli native KI-Assistenten für Excel und PowerPoint an. Sie erstellen Finanzmodelle und Präsentationen direkt aus Textanfragen und greifen dabei auf die firmeneigene Recherche-Bibliothek zurück. Aus Datenschutzgründen werden die Dateien lokal verarbeitet. Erste Anwender wie Blue Deer Capital berichten von 60 bis 70 Prozent schnelleren Kundenausarbeitungen.
Die London Stock Exchange Group (LSEG) brachte am 13. Juli Workspace AI Search auf den Markt. Der Agent arbeitet innerhalb von Microsoft Teams und beantwortet Finanzfragen auf Basis von Reuters-Nachrichten und behördlichen Einreichungen. Eine Integration in Microsoft 365 Copilot ist geplant. Auch spezialisierte Tools wie Shortcut.ai gewinnen bei großen Hedgefonds an Boden – mit dem Anspruch, Junior-Analysten beim Erstellen komplexer Finanzmodelle zu schlagen.
OpenAI kontert mit ChatGPT Work
Microsofts Schwenk fällt in eine Phase verschärfter Konkurrenz. OpenAI brachte am 9. Juli seine GPT-5.6-Modellfamilie auf den Markt – bestehend aus Sol, Terra und Luna – sowie den Agenten ChatGPT Work.
Das Flaggschiff-Modell Sol übertrifft Konkurrenten angeblich in spezifischen Agenten-Benchmarks wie „Agents‘ Last Exam". ChatGPT Work fungiert als plattformübergreifender Desktop-Agent unter Windows, greift auf lokale Dateien zu und bedient Anwendungen sowohl von Microsoft als auch von Google. Wiederkehrende Aufgaben und parallele Unter-Agenten für komplexe Büro-Workflows sind integriert.
Da immer mehr KI-Tools auf Unternehmensdaten zugreifen, steigen auch die Anforderungen an die IT-Sicherheit und den Datenschutz massiv an. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche neuen rechtlichen Pflichten und Cyberrisiken Unternehmer durch die neuen KI-Gesetze jetzt unbedingt kennen müssen. Gratis-Report zu KI-Gesetzen und Cyberrisiken anfordern
Datenschutz als zentrale Herausforderung
Die rasche Verbreitung dieser KI-Agenten wirft Sicherheitsfragen auf. Microsoft-CEO Satya Nadella warnte am 12. Juli vor dem Risiko des sogenannten „Intelligence Exhaust": Unternehmensdaten, die bei der KI-Nutzung anfallen, könnten unbeabsichtigt zum Training der Anbieter verwendet werden – wenn keine strengen vertraglichen Grenzen gezogen sind.
Trotz dieser Bedenken schreitet die Einführung massiv voran. Der L&T-Konzern (LTM) rollt Microsoft 365 Copilot für rund 140.000 Mitarbeiter aus. Das Unternehmen meldet bereits eine 70-prozentige Verbesserung bei der Bearbeitung von Anfragen durch eigene KI-Assistenten, die parallel zu Microsofts Tools Personal- und IT-Workflows managen. Microsoft unterstützt den Wandel mit kostenlosen Schulungen für verschiedene Berufsgruppen – von der Finanzabteilung bis zur Führungsetage – mit Fokus auf effektive Prompt-Erstellung und Implementierungsstrategien.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
