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Microsoft 365: 81 Millionen Login-Attacken in nur 14 Tagen

Veröffentlicht am: 03.07.2026 um 08:26 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine koordinierte Attackenwelle auf Microsoft 365 kompromittierte 78 Konten in 64 Organisationen und umgeht teils die Zwei-Faktor-Authentifizierung.

Microsoft 365: 81 Millionen Hacker-Angriffe in nur 14 Tagen
Digitales Vorhängeschloss mit Binärcode über Servern, symbolisiert Cybersicherheit und Datenschutz. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Innerhalb von nur 14 Tagen registrierten Sicherheitsexperten rund 81 Millionen Login-Versuche – ein neuer Höchststand bei sogenannten Credential-Spraying-Attacken.

Der Vorfall, den das Cybersicherheitsunternehmen Huntress dokumentierte, zeigt eine gefährliche Eskalation: Zwischen dem 12. und 26. Juni gelang es den Angreifern, 78 Konten in 64 verschiedenen Organisationen zu kompromittieren. Besonders alarmierend: Die Hacker nutzten eine Methode, die selbst aktivierte Zwei-Faktor-Authentifizierung (MFA) aushebeln kann.

Wie die Angreifer die Sicherheitslücke fanden

Im Zentrum der Attacke steht der sogenannte ROPC-Flow (Resource Owner Password Credentials) der Azure-Befehlszeilenschnittstelle. Diese eigentlich für Entwickler gedachte Funktion erlaubt es, sich mit Benutzername und Passwort anzumelden – ohne MFA-Abfrage. Sind die Conditional-Access-Richtlinien nicht korrekt konfiguriert, öffnet sich hier ein gefährliches Einfallstor.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: An einem einzigen Tag Ende Juni wurden 23 Unternehmen angegriffen – 15 davon hatten MFA aktiviert. Dennoch drangen die Täter ein. Branchenweit haben Credential-Spraying-Angriffe in den letzten sechs Monaten um das 155-Fache zugenommen.

Drei Sekunden bis zur Kontoübernahme

Noch beunruhigender sind neuere Entwicklungen. Eine kürzlich identifizierte Angriffsvariante namens „ConsentFix“ zielt auf Microsoft 365 OAuth-Flows ab. Die Methode ist erschreckend effizient: Opfer werden getrickst, einen Callback-Link in ihren Browser zu ziehen – und schon sind die OAuth-Tokens gekapert. Passwort und MFA werden dabei komplett umgangen. Die gesamte Prozedur dauert gerade einmal drei Sekunden.

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Dokumentationen zu dieser Technik tauchten bereits im März 2026 in Cybercrime-Foren auf. Parallel dazu nutzt die als ToddyCat bekannte Advanced-Persistent-Threat-Gruppe eine neue Malware namens Umbrij. Sie missbraucht die Remote-Debugging-Funktionen von Chrome und Edge, um OAuth-Tokens zu stehlen. Besonders perfide: Über aktive Gmail-Sitzungen erlangt die Schadsoftware Zugriff auf Google Drive, Kontakte und Kalenderdaten.

Russische Phishing-Kampagnen zielen auf Signal-Nutzer

Auch staatliche Akteure sind aktiv. Das FBI und die US-Cybersicherheitsbehörde CISA warnten kürzlich vor einer russischen Phishing-Kampagne. Die dahinterstehenden Gruppen UNC5792 und UNC4221 werden dem Inlandsgeheimdienst FSB zugerechnet.

Anders als bei üblichen Phishing-Attacken zielen die Angreifer nicht auf Verifikationscodes ab. Stattdessen versuchen sie, die Backup-Wiederherstellungsschlüssel von Signal-Nutzern zu stehlen. Mit diesen Schlüsseln können Angreifer Konten vollständig übernehmen und den gesamten Nachrichtenverlauf einsehen. Hauptziele: Regierungsbeamte, Militärangehörige und Journalisten in den USA, Europa und der Ukraine.

Die Flut der gestohlenen Zugangsdaten

Die Angriffswelle ist Teil eines dramatischen Trends. Account-Übernahme-Betrug (Account Takeover, ATO) stieg zwischen dem ersten Halbjahr 2021 und dem ersten Halbjahr 2025 um 141 Prozent – allein im letzten Jahr kamen weitere 21 Prozent hinzu. Bei Marktplatz-Konten betrug der Anstieg sogar 90 Prozent im Jahresvergleich.

Die Treiber dieser Entwicklung sind gigantische Datenlecks. Am 15. Juni 2026 fügte der Dienst Have I Been Pwned 124 Millionen Passwörter und 56,3 Millionen E-Mail-Adressen hinzu – allesamt aus sogenannten „Stealer Logs“, also Daten von infizierten Geräten. Nur zwei Tage später wurde ein Datenleck beim japanischen Telekommunikationsriesen KDDI bekannt: 14,22 Millionen Kunden von fünf Internetdienstanbietern waren betroffen, ihre E-Mail-Adressen und Passwörter sind nun im Umlauf.

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So erkennen Unternehmen eine Kompromittierung

Sicherheitsexperten nennen drei klare Warnsignale für kompromittierte Outlook- oder Microsoft-365-Konten:
- Unerkannte Anmeldeaktivitäten
- Plötzlich auftauchende, unbekannte Weiterleitungsregeln
- Meldungen über seltsame E-Mails, die angeblich vom eigenen Konto versendet wurden

Was jetzt zu tun ist

FBI und Cybersicherheitsfirmen empfehlen ein Bündel an Schutzmaßnahmen:

  • Device-Code-Flows und Azure-CLI-Zugriff über Conditional-Access-Richtlinien einschränken
  • Neue Backup-Wiederherstellungsschlüssel für Signal und andere Messenger generieren
  • Auf Passkeys umstellen – Branchenanalysten zufolge reduziert dies Account-Übernahmen um über 90 Prozent
  • Cyber-Fraud-Fusion-Teams einrichten – Gartner prognostiziert, dass 20 Prozent der Großunternehmen diese Strategie bis 2028 umsetzen werden

Für bereits betroffene Organisationen gilt eine wichtige Regel: Nicht sofort abmelden, solange man noch auf dem Gerät aktiv ist. Stattdessen sollten Nutzer die offiziellen Wiederherstellungsformulare verwenden, Kaufbelege zur Identitätsprüfung bereithalten und alle aktiven Sitzungen sowie verdächtige Drittanbieter-Berechtigungen widerrufen.

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