Gealterte, Gelenke

microRNA-29: Gealterte arthrotische Gelenke entwickeln jüngere Knorpelmerkmale

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien beleuchten Trainingswirkungen auf Knorpel, Sturzprävention und technische Hilfen für ältere Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Muskel- und Gelenkgesundheit im Alter: Training, Forschung und Exosuit
Ein heller, minimalistischer Trainingsraum mit Holzboden und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Erhaltung der Muskelfunktion und Gelenkgesundheit im Alter ist ein zentrales Thema der geriatrischen Forschung. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen geben Einblicke in die molekularen Prozesse, die durch körperliche Aktivität ausgelöst werden, und liefern konkrete Ansätze für die Prävention von Mobilitätsverlusten.

Molekulare Mechanismen und Gelenkschutz

Forschende von Mass General Brigham untersuchten in einer in der Fachzeitschrift Nature Aging veröffentlichten Studie die Auswirkungen eines dreimonatigen aeroben Trainingsprogramms auf ältere Erwachsene.

Die Ergebnisse zeigen, dass körperliche Aktivität die molekulare Zusammensetzung von zirkulierenden extrazellulären Vesikeln verändert. Diese Vesikel, die nach dem Training gewonnen wurden, förderten den Analysen zufolge die Gesundheit von Knorpelzellen und Gelenkgewebe.

Als wesentlicher Vermittler dieses Effekts wurde microRNA-29 identifiziert. In Experimenten führte die gezielte Gabe von microRNA-29 dazu, dass gealterte arthrotische Gelenke wieder Eigenschaften jüngerer Knorpelzellen entwickelten.

Gleichzeitig ließen sich Degenerationsmerkmale verringern. Die Wissenschaftler sehen darin eine Grundlage für künftige Therapien, die Vesikel oder deren spezifische molekulare Fracht nutzen könnten, um Gelenkerkrankungen entgegenzuwirken.

Prävention von Stürzen und Funktionsverlust

Neben den molekularen Grundlagen steht die praktische Sturzprävention im Fokus staatlicher Institutionen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit weist darauf hin, dass fast jeder vierte Mensch über 65 Jahren mindestens einmal pro Jahr stürzt.

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Zur Vorbeugung empfiehlt das Institut regelmäßiges Kraft- und Gleichgewichtstraining. Ergänzend wird dazu geraten, das Wohnumfeld durch ausreichende Beleuchtung, Handläufe und das Entfernen loser Teppiche sicherer zu gestalten sowie Medikamentenwechselwirkungen und die Sehkraft regelmäßig prüfen zu lassen.

Langzeitdaten zur Gesundheit im Alter liefert zudem die Hamburger Longitudinal Urban Cohort Ageing Study (LUCAS), die seit dem Jahr 2000 Menschen ab 60 Jahren begleitet. Die über 20 Jahre gesammelten Beobachtungsdaten zu funktionaler Kompetenz und Selbstständigkeit stehen im Zentrum eines wissenschaftlichen Symposiums, das am 8. Oktober 2026 in Hamburg stattfindet.

Orientierungswerte für Kraft und Beweglichkeit

Um die körperliche Leistungsfähigkeit einzuordnen, werden in der Fachpraxis Orientierungswerte für die maximale Kraft (1RM) herangezogen. Ein Personaltrainer veröffentlichte Richtwerte für regelmäßig trainierende Personen: Ein Mann mit etwa 80 kg Körpergewicht erreicht im Alter von 20 Jahren durchschnittlich ca. 100 kg, mit 70 Jahren sinkt dieser Wert auf ca. 55 kg.

Bei Frauen mit rund 60 kg Körpergewicht liegen die Werte zwischen ca. 57 kg im Alter von 20 Jahren und ca. 32 kg im Alter von 70 Jahren. Der durchschnittliche Kraftverlust betrage trotz Training etwa 8 bis 10 % pro Jahrzehnt.

Alternative Ansätze zur Kraftsteigerung werden ebenfalls wissenschaftlich untersucht. Der Sportwissenschaftler Konstantin Warneke verweist auf Studien, wonach langes und intensives Dehnen die Muskelkraft erhöhen kann.

In einer Untersuchung erzielten 15 Minuten Brustmuskeldehnen an vier Tagen pro Woche ähnliche Zuwächse wie herkömmliches Krafttraining an drei Tagen. Ein japanischer Orthopäde hebt zudem hervor, dass bereits eine Minute Einbeinstand die Knochengesundheit ähnlich fördern könne wie 53 Minuten Gehen, da hierbei das 2,75-Fache des Körpergewichts auf den Hüftkopf wirke.

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Technologische Unterstützung und Supplementierung

Für Menschen mit bereits eingeschränkter Mobilität entwickeln Forschende der TUM technologische Hilfsmittel. Ein weicher Exosuit zur Unterstützung der Hüftstreckung wurde an Teilnehmenden im Alter zwischen 69 und 85 Jahren getestet. Mit dem System schafften die Probanden durchschnittlich 18 Sitz-Steh-Zyklen pro Minute – zwei mehr als ohne Unterstützung. Zudem sank der Stoffwechselaufwand beim Gehen im Durchschnitt um 14 %.

Hinsichtlich der Supplementierung bei Gelenkbeschwerden lieferte eine Anfang 2026 veröffentlichte Auswertung von 113 Studien mit knapp 8.000 Teilnehmenden differenzierte Ergebnisse: Kollagen könne Schmerzen bei Kniearthrose moderat lindern, baue jedoch keinen Knorpel wieder auf. Orthopäden betonen daher, dass Bewegung und gezieltes Krafttraining weiterhin die zentralen Bestandteile jeder Therapie bleiben sollten.

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de | wissenschaft | 70201223 |