Michel Friedmann beklagt Defizite beim Geschichtsbewusstsein deutscher Schüler

27.01.2020 - 13:31:33 | ad-hoc-news.de

Michel Friedmann, Publizist und Fernsehmoderator, beurteilt das Wissen von Schülern über den Nationalsozialismus kritisch und fordert die Auseinandersetzung mit der Shoa.

Konzentrationslager Auschwitz - Bild: über dts Nachrichtenagentur
Konzentrationslager Auschwitz - Bild: über dts Nachrichtenagentur
Es ist nicht akzeptabel, dass ein Drittel der Schüler in Deutschland nichts mit dem Begriff Auschwitz anfangen können. Die Erinnerungskultur zu den Verbrechen des Nationalsozialismus ist eine moralische Pflicht in Deutschland. Gerade in der Jugend, müsse die Auseinandersetzung mit dem Holocaust einen hohen Stellenwert einnehmen, so Michel Friedmann in der Sendung „Die richtigen Fragen“ am Montag. Er könne nicht nachvollziehen, dass dieses Thema dabei ist, aus den Lehrplänen verdrängt zu werden. Jeder Schüler solle mindestens einmal direkt mit den Bildern des Grauens konfrontiert werden und eine KZ-Gedenkstätte besuchen. Mit Blick auf den wachsenden Antisemitismus und den Anschlag auf die jüdische Synagoge in Halle/Saale Anfang Oktober 2019, bemerkte Friedmann, dass er eine Veränderung der Stimmungslage im deutschen Judentum wahrgenommen habe. Immer öfter wird er mit der Frage konfrontiert, ob man als Jude noch hier in Deutschland leben könne. Der Hinweis von Bundesaußenminister Heiko Maas über eine mögliche jüdische Emigration, sei zwar wichtig, aber die Auseinandersetzung mit dem Thema Antisemitismus komme für ihn zu spät. Was jetzt im Internet und auf der Straße geschehe, sei Produkt einer langen Entwicklung und einer ebenso langen Verharmlosung. Die Politik hat zu lange, zu wenig dagegen getan, so Friedmann. Wenn nun gut integrierte und hier in Deutschland geborene Juden beginnen, sich fremd und bedroht in diesem Land zu fühlen, dann sei dies ein Armutszeugnis für die deutsche Politik. Der Antisemitismus in Deutschland sei dabei wieder zu einem Alltagsphänomen zu werden. In den sozialen Netzwerken wird purer Hass propagiert und das Sagbare wird immer weiter hinausgeschoben. Der Judenhass ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die Politiker, die anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktages das „Wehret den Anfängen“ beschwören, müssen sich vorwerfen lassen, genau dies nicht entschieden genug getan zu haben. Der Kampf gegen Antisemitismus, Hass, Hetze und Rassismus finde jeden Tag statt, nicht nur an Feiertagen, so der jüdische Publizist als Resümee.
de | wissenschaft | 59799436 |

Weitere Meldungen

Bär: Sicherheit Deutschlands wird auch im All verteidigt Die Sicherheit Deutschlands wird nach Ansicht von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) inzwischen auch im All verteidigt."Unsere Sicherheit von morgen hängt auch von Raumfahrt ab", sagte Bär der "Rheinischen Post" (Dienstag). (Politik, 16.06.2026 - 00:00) weiterlesen...

Widmung von Albert Einstein in Dortmund aufgetaucht Eine kleine Widmung und eine Riesen-Überraschung: In einer Literatursammlung, die der Dortmunder Uni-Bibliothek überlassen wurde, finden sich Zeilen von Albert Einstein. (Unterhaltung, 15.06.2026 - 17:23) weiterlesen...

Studie: Bis zu 2,1 Millionen Demenzkranke bis 2060 erwartet Die Zahl der Demenzkranken in Deutschland könnte bis zum Jahr 2060 auf bis zu 2,1 Millionen steigen. (Sonstige, 15.06.2026 - 10:33) weiterlesen...

Jeder vierte Schüler verfehlt Mathe-Mindeststandards Immer weniger Schüler in Deutschland verfügen über Mindeststandards im Fach Mathematik. (Politik, 15.06.2026 - 10:32) weiterlesen...

Kreis der Blutspender schrumpft – Jüngere gefragt. Dabei spielen nicht nur Babyboomer eine Rolle, sondern auch die Urlaubssaison. Rund 15.000 Blutkonserven werden täglich in Deutschland benötigt – doch es gibt immer weniger Spender. (Wissenschaft, 14.06.2026 - 04:30) weiterlesen...

Museen buhlen um Wal-Überreste: Interesse an «Timmy»-Knochen. Museen aus mehreren Ländern wollen Teile des Tiers zeigen – und seine Geschichte erzählen. Einige Knochen des als «Timmy» bekannten Buckelwals werden zu Ausstellungsstücken. (Unterhaltung, 14.06.2026 - 04:00) weiterlesen...