Metformin bei Diabetes: B12-Mangel wird oft als Nervenschaden verkannt
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 06:52 Uhr | Redaktion boerse-global.deMedizinische Fachbeiträge weisen darauf hin, dass eine langfristige Behandlung von Diabetes mit Metformin das Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel deutlich erhöht. Dieses Defizit bleibt in der Praxis häufig unerkannt oder wird fälschlicherweise als diabetische periphere Neuropathie diagnostiziert, da sich die Beschwerdebilder beider Zustände stark überschneiden.
Ähnliche Symptome führen zu folgenreichen Fehldiagnosen
Bei einer dauerhaften Therapie mit Metformin entwickeln Betroffene nicht selten neurologische Symptome. Dazu zählen Taubheitsgefühle in Händen und Füßen sowie das charakteristische Empfinden, wie auf Watte zu gehen.
Da solche Beschwerden typisch für eine diabetische Nervenschädigung sind, wird der eigentliche Nährstoffmangel oft übersehen. Pharmazeutische Fachleute warnen zudem davor, dass sich eine Unterversorgung schleichend und unbemerkt vollzieht.
Zu den weiteren Anzeichen eines B12-Mangels gehören anhaltende Müdigkeit, Fatigue, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, eine auffällig blasse oder gerötete Zunge, Gedächtnisprobleme und Gangunsicherheiten. Unbehandelt können die daraus resultierenden Nervenschäden teils irreversibel werden.
Nach Einschätzung von Forschern der Universität Kent weist bis zu einem Fünftel der älteren Bevölkerung einen Mangel an Vitamin B12 auf, wobei die Gabe von Metformin bei Typ-2-Diabetes einen maßgeblichen Risikofaktor darstellt.
Gestörte Aufnahme im Magen-Darm-Trakt
Metformin senkt den Blutzuckerspiegel, indem es die Freisetzung von Zucker aus der Leber reduziert und die Reaktion der Zellen auf Insulin verbessert.
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Der therapeutische Nutzen ist seit Langem belegt; so zeigte eine Lancet-Studie von 1998 bei übergewichtigen, neu diagnostizierten Patienten unter Metformin eine relative Senkung des Herzinfarktrisikos um 39 Prozent im Vergleich zu einer rein diätetischen Behandlung.
Zu den bekannten Begleiterscheinungen zählen vor allem Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Durchfall, während eine Laktatazidose sehr selten und vorwiegend bei schweren Nierenschäden auftritt. Zudem kann das Präparat die Hirngesundheit positiv beeinflussen.
Allerdings beeinträchtigt der Wirkstoff – ähnlich wie Protonenpumpenhemmer – die Aufnahme von Vitamin B12 im Dünndarm. Das Risiko für ein Absinken der Werte nimmt mit der Dauer der Einnahme zu. Auswertungen zeigen, dass bei etwa 30 Prozent der Langzeitanwender die Resorption des Vitamins vermindert ist.
Bei 5 bis 10 Prozent der Patienten sinkt die Serum-Konzentration deutlich ab. Eine okkulte Verarmung tritt Schätzungen zufolge bei 10 bis 30 Prozent auf. Nach mehr als vier Jahren kontinuierlicher Medikation liegt der Rückgang des B12-Spiegels im Mittel bei rund 19 Prozent.
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Vorsorge und kontrollierte Zufuhr
Fachleute raten dringend davon ab, Metformin wegen möglicher Nebenwirkungen eigenmächtig abzusetzen. Gleichzeitig sollte auch eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln nicht ohne vorherige ärztliche Abklärung begonnen werden. Mediziner mahnen regelmäßige Kontrollen an, um die niedrigste wirksame Dosis des Medikaments zu bestimmen.
Bei einer Therapiedauer von mehr als vier Jahren wird empfohlen, mindestens einmal jährlich das Serum-Vitamin-B12 sowie den Homocysteinspiegel laborchemisch prüfen zu lassen; ergänzend kann die Methylmalonsäure bestimmt werden. Weiterhin sind Kontrolluntersuchungen in Abständen von drei bis sechs Monaten ratsam, die den HbA1c-Wert, das Vitamin B12 und die Nierenfunktion abdecken.
Wird ein Mangel nachgewiesen, erfolgt in der Regel eine gezielte Substitution mit Methylcobalamin. Bei gravierenden Resorptionsstörungen im Verdauungstrakt kommen Injektionen in den Muskel oder unter die Haut sowie hochdosierte Tabletten mit 1.000 Mikrogramm infrage. Liegt eine schwere Niereninsuffizienz vor, muss auf andere Formen als Cyanocobalamin ausgewichen werden.
Als allgemeine Referenz für die tägliche Zufuhr gilt bei Erwachsenen ein Grundbedarf von 2,4 Mikrogramm, während für Schwangere 2,6 Mikrogramm und für Stillende 2,8 Mikrogramm veranschlagt werden. Eine rechtzeitige Diagnose schützt Patienten vor dauerhaften Schädigungen des Nervensystems.
