Metformin, Patienten

Metformin: Bei bis zu jedem zehnten Patienten droht Vitamin-B12-Mangel

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 23:46 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Langjährige Metformin-Therapie kann die B12-Aufnahme beeinträchtigen; Fachleute raten Risikogruppen zu regelmäßigen Blutkontrollen.
Ein medizinisches Probenröhrchen mit Blutserum auf einem Labortisch zur Untersuchung von Nährstoffwerten. Illustration mit AI erstellt.

Die medikamentöse Behandlung des Typ-2-Diabetes stützt sich weltweit in großem Umfang auf das Antidiabetikum Metformin. Mehr als 150 Millionen Menschen nehmen das Präparat täglich ein, darunter mehr als 3 Millionen im Vereinigten Königreich.

Doch eine langjährige Anwendung birgt spezifische Risiken: Der Apotheker Anil Sharma von der Organisation Community Pharmacy England warnt davor, dass eine langfristige Einnahme über mindestens vier bis fünf Jahre die Aufnahme von Vitamin B12 im Darm blockieren kann, indem der dortige THTR-2-Transporter beeinträchtigt wird.

Häufigkeit und wissenschaftliche Befunde

Dass die Einnahme den Mikronährstoffhaushalt belasten kann, ist behördlich dokumentiert. Laut Angaben auf Gov.uk stellt ein Mangel an Vitamin B12 eine häufige Nebenwirkung von Metformin dar, von der bis zu eine von zehn behandelten Personen betroffen ist. Das Risiko für ein solches Defizit nimmt dabei mit steigender Dosierung, fortschreitender Behandlungsdauer sowie beim Vorliegen weiterer Risikofaktoren zu.

Die klinische Relevanz belegen auch wissenschaftliche Erhebungen. Eine im Jahr 2026 im Journal of Rawalpindi Medical College publizierte Untersuchung an 224 Typ-2-Diabetikern zeigte signifikante Unterschiede: Demnach wiesen 69,2 Prozent der Metformin-Anwender einen Vitamin-B12-Mangel auf, verglichen mit 30,8 Prozent in der Gruppe ohne Metformin-Einnahme (p=0,00).

Bei Vorliegen erhöhter Homocysteinwerte betrug der Anteil unter den Metformin-Nutzern 71,4 Prozent (p=0,02). Fachkreise empfehlen daher insbesondere ab einer Einnahmedauer von mehr als drei Jahren oder einer Tagesdosis von mindestens 1500 Milligramm eine gezielte Kontrolle von Vitamin B12, Folsäure und Homocystein.

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Nach Definition der National Institutes of Health gilt ein Serum- beziehungsweise Plasmawert von unter 200 oder 250 Pikogramm pro Milliliter als Mangelzustand. Zudem verweisen die Institute darauf, dass eine langfristige Arzneimitteleinnahme die Aufnahme im Darm mindert und die Magensäureproduktion reduzieren kann.

Risikogruppen und gesundheitliche Folgen

Neben Diabetikern unter dauerhafter Metformin-Therapie zählen weitere Personenkreise zur Risikogruppe für eine Unterversorgung. Dazu gehören ältere Menschen ab etwa 60 Jahren, Personen mit Gastritis oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sowie Patienten, die regelmäßig Magensäureblocker einnehmen.

Sowohl Metformin als auch Protonenpumpenhemmer begünstigen Defizite; nach Angaben der französischen Behörde Anses liegt der tägliche Referenzbedarf für gesunde Erwachsene bei 4 Mikrogramm.

Bleibt ein Mangel unentdeckt, drohen gravierende neurologische und hämatologische Schäden. Zu den möglichen Folgen zählen Nervenschäden, die sich in Kribbeln oder Taubheitsgefühlen äußern, Blutarmut bis hin zur megaloblastären Anämie sowie Gedächtnisverlust und depressive Verstimmungen. Typische Warnzeichen sind anhaltende Müdigkeit, Blässe oder eine gerötete Zunge. Treten derartige Symptome auf, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

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Kontrollintervalle und therapeutisches Vorgehen

In der derzeitigen Praxis kontrollieren Mediziner die Vitamin-B12-Werte von Metformin-Patienten häufig nur alle paar Jahre. Für definierte Risikogruppen empfehlen Fachleute hingegen jährliche Kontrollen mittels Bluttests, die sowohl den Gesamtwert als auch das bioverfügbare Holo-Transcobalamin erfassen.

Grundsätzlich existiert für Metformin keine Obergrenze hinsichtlich der Behandlungsjahre, sofern die Nierenfunktion intakt bleibt; diese wird im Behandlungsverlauf routinemäßig überprüft.

Wird ein Mangel diagnostiziert, kann Metformin während der therapeutischen Behebung des Vitamin-B12-Defizits weiter eingenommen werden. Allerdings verweist der Beipackzettel darauf, dass das Antidiabetikum bei einem unkorrigierten Vitamin-B12- oder Folsäuremangel kontraindiziert sein kann.

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