Meta Muse Charm, KI-Geräte

Meta Muse Charm: Facebook-Konzern bringt kleines KI-Gerät vor OpenAI auf den Markt

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 04:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Meta will mit Muse Charm ein KI-Gerät in Schlüsselanhängergröße bis Jahresende auf den Markt bringen. Der Konzern stellt zugleich neue VR- und KI-Brillen vor und plant den Deutschlandstart einer Display-Brille für Oktober.

  • Laut Meta-Chef Mark Zuckerberg soll das kleine KI-Gerät des Facebook-Konzerns bis Jahresende auf den Markt kommen. - Bild: Andrej Sokolow/dpa
    Laut Meta-Chef Mark Zuckerberg soll das kleine KI-Gerät des Facebook-Konzerns bis Jahresende auf den Markt kommen. - Bild: Andrej Sokolow/dpa
  • In den USA kam die Display-Brille bereits Ende vergangenen Jahres auf den Markt. - Bild: Andrej Sokolow/dpa
    In den USA kam die Display-Brille bereits Ende vergangenen Jahres auf den Markt. - Bild: Andrej Sokolow/dpa
  • Mit der neuen kompakten VR-Brille soll man auch VR-Games wie «Beat Saber» spielen, wie Top-Manager Andrew Bosworth vorführte. - Bild: Andrej Sokolow/dpa
    Mit der neuen kompakten VR-Brille soll man auch VR-Games wie «Beat Saber» spielen, wie Top-Manager Andrew Bosworth vorführte. - Bild: Andrej Sokolow/dpa
Laut Meta-Chef Mark Zuckerberg soll das kleine KI-Gerät des Facebook-Konzerns bis Jahresende auf den Markt kommen. - Bild: Andrej Sokolow/dpa In den USA kam die Display-Brille bereits Ende vergangenen Jahres auf den Markt. - Bild: Andrej Sokolow/dpa Mit der neuen kompakten VR-Brille soll man auch VR-Games wie «Beat Saber» spielen, wie Top-Manager Andrew Bosworth vorführte. - Bild: Andrej Sokolow/dpa

Meta will mit Muse Charm ein KI-Gerät in Schlüsselanhängergröße bis Jahresende auf den Markt bringen und damit vor OpenAI einen neuen Hardware-Wettbewerb um persönliche künstliche Intelligenz eröffnen.

Display, Kameras und 5G

Konzernchef Mark Zuckerberg kündigte das Gerät auf der Entwicklerkonferenz Meta Connect an. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll Muse Charm ein kleines Display, ein Mikrofon, zwei Kameras und eine Internetverbindung über 5G bekommen; fertig entwickelt sei es noch nicht.

Meta machte zunächst keine Angaben dazu, in welchen Ländern das Gerät erscheinen soll. Der Konzern bringt damit eine speziell auf KI ausgerichtete Hardware zusätzlich zum Smartphone in Stellung.

Meta kommt OpenAI zuvor

Auch OpenAI arbeitet an einem Gerät für die KI-Ära und holte dafür den früheren Apple-Chefdesigner Jony Ive an Bord. Das Vorhaben geriet zuletzt unter Druck, nachdem Apple OpenAI in einer Klage vorgeworfen hatte, Geschäftsgeheimnisse von abgeworbenen Beschäftigten zu verwenden.

Branchenanalyst Avi Greengart sagte, Meta habe sich an Rivalen wie OpenAI vorbeigeschlichen. Auf absehbare Zeit werde kein Gerät das Smartphone ersetzen, es könne dieses aber ergänzen. Zugleich belasteten Meta die Datenschutzbedenken gegen Kameras in KI-Brillen, während die Plattformen Instagram, Facebook und WhatsApp eine große Nutzerbasis böten.

Neue VR-Brille für 1.299 Dollar

Meta stellte außerdem eine neue, besonders kompakte VR-Brille vor. Das im Frühjahr erwartete Modell soll 100 Gramm wiegen und damit deutlich leichter sein als viele Konkurrenzgeräte. Es soll Spiele, Fernsehinhalte, 3D-Sportübertragungen und die Nutzung als PC-Monitor ermöglichen.

In den USA soll die Brille 1.299 Dollar kosten. Damit liegt sie deutlich unter Apples Vision Pro, die ab 3.699 Dollar angeboten wird; bei einer Vorführung wirkte die Bildqualität der Meta-Brille allerdings etwas schlechter.

Display-Brille kommt nach Deutschland

Meta bringt zudem seine KI-Brille mit einem kleinen Display in einem Brillenglas nach Deutschland. Das Gerät soll vom 13. Oktober an für 899 Euro erhältlich sein, knapp ein Jahr nach dem US-Start.

Die Kameras der Brillen sollen nicht nur Fotos und Videos aufnehmen, sondern der KI Informationen über die Umgebung des Nutzers liefern. Eine LED-Anzeige signalisiert eine aktive Kamera. Wegen Fällen, in denen Nutzer das Licht verdeckten oder entfernten und Aufnahmen von Belästigungen veröffentlichten, steht die Technik in der Kritik.

Meta kündigt Schutzmaßnahmen an

Der zuständige Meta-Manager Alex Himel sagte, alle Brillen mit manipulierter LED-Anzeige seien abgeschaltet worden. Meta suche zudem auf Instagram und Facebook nach Videos mit Belästigungen, lösche solche Inhalte und sperre die verantwortlichen Konten.

Zuckerberg kündigte an, bestimmte Interaktionen mit den Brillen künftig vollständig zu verschlüsseln. Dann solle auch Meta keinen Zugriff auf die Daten haben.

Keine allgemeine Gesichtserkennung

Himel erklärte, Meta habe kein Interesse an einer Datenbank zur Identifizierung fremder Personen. Denkbar seien zwar Anwendungen für Sehbehinderte oder zum Erinnern an Namen, solche Ideen würden derzeit aber nicht intensiv verfolgt.

Vom Smartphone zur persönlichen KI-Schnittstelle

Mit Muse Charm verschiebt sich der Wettbewerb um künstliche Intelligenz von der Software auf zusätzliche Hardware. Ein Gerät mit Display, Kameras, Mikrofon, Internetzugang und einem KI-Assistenten könnte Informationen unmittelbarer verfügbar machen, bleibt aber auf leistungsfähige Cloud-Dienste und eine stabile Mobilfunkverbindung angewiesen. Das Smartphone wird dadurch zunächst eher ergänzt als ersetzt.

Für Meta ist der Schritt strategisch bedeutsam, weil der Konzern damit eine eigene Zugangsschicht zu seinen Diensten etablieren könnte. Der Schlüsselanhänger wäre kleiner und unauffälliger als ein Smartphone, zugleich aber stärker in den Alltag eingebunden. Entscheidend dürfte sein, ob Nutzer einen praktischen Mehrwert erkennen und ob Akkulaufzeit, Bedienung und Kosten überzeugen.

Datenschutz wird zur Markthürde

Die Kamerafunktionen verschärfen die zentrale gesellschaftliche Frage: Auch Personen, die selbst kein solches Gerät besitzen, können aufgenommen und von einer KI analysiert werden. In Paris leitete die Justiz nach mehreren Anzeigen wegen heimlicher Aufnahmen mit Smart Glasses Ermittlungen ein; nach französischem Recht drohen dafür bis zu zwei Jahre Haft und 45.000 Euro Geldstrafe. Der Vorgang zeigt, dass die Akzeptanz solcher Geräte nicht allein von technischer Leistungsfähigkeit abhängen wird.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

DER SPIEGEL: „Paris: Justiz ermittelt nach heimlichen Aufnahmen mit Smart Glasses“ (23.09.2026)

Der Bericht hebe hervor, dass die Pariser Staatsanwaltschaft nach mehreren Anzeigen wegen Verletzungen der Privatsphäre ermittle. Anders als die dpa-Meldung zur Produktstrategie von Meta setze der Artikel den Schwerpunkt auf den möglichen Missbrauch von Kamerabrillen und nenne auch geplante Einschränkungen in Hamburger Bädern und im öffentlichen Nahverkehr.

Beide Darstellungen machten damit deutlich, dass die Verbreitung tragbarer KI-Geräte neben technischen und wirtschaftlichen Fragen auch konkrete Regeln für Aufnahmen im öffentlichen Raum erfordere. Offen bleibe, wie solche Vorgaben mit den neuen Meta-Geräten praktisch durchgesetzt werden sollten.

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