Meta Vistara: Chip verbindet alte DDR4-Speicher mit neuen Servern
05.07.2026 - 00:12:49 | boerse-global.de
Hersteller wie Samsung, Micron und Kioxia stellen sich mit neuen Technologien und Milliardeninvestitionen für das nächste Jahrzehnt auf. Der Markt für KI-Speicher könnte bis 2030 auf 1,4 Billionen Euro anwachsen.
Meta baut Brücke zwischen alten und neuen Speichern
Auf der International Symposium on Computer Architecture (ISCA 2026) präsentierte Meta Ende Juni einen ungewöhnlichen Ansatz: Statt alte DDR4-Speichermodule zu verschrotten, hat der Konzern einen eigenen Chip entwickelt, der sie in modernen Servern wieder nutzbar macht.
Der Vistara getaufte ASIC (Application-Specific Integrated Circuit) fungiert als CXL-2.0-Controller und erlaubt den Anschluss von DDR4-Arbeitsspeicher an DDR5-Serverplattformen. Die Idee dahinter: Speicher überlebt oft mehrere Server-Generationen. Metas sogenannte „MemServer"-Konfiguration setzt auf 158-Kern-AMD-EPYC-Turin-Prozessoren mit 768 Gigabyte DDR5-6400 und zusätzlich 256 Gigabyte DDR4-2400 über die Vistara-Karten.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Architektur reduziert die benötigte Anzahl an KI-Inferenz-Servern um bis zu 25 Prozent und senkt den Aufwand für Job-Neustarts um ein Drittel. Die notwendigen Linux-Treiber hat Meta bereits als Open Source veröffentlicht.
Kioxia startet 10. NAND-Generation
Einen Tag vor dem heutigen Samstag gab Kioxia den Start der Musterauslieferung für seine zehnte BiCS-FLASH-Generation bekannt. Die neuen 1-TBit-TLC-Speicherchips (Triple-Level Cell) kommen auf 332 Schichten und steigern die Bit-Dichte um 59 Prozent im Vergleich zur Vorgängergeneration.
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Die Chips zielen direkt auf KI-optimierte Enterprise-SSDs ab. Die NAND-Schnittstelle erreicht 4,8 Gigabit pro Sekunde – ein Plus von 33 Prozent. Auch die Energieeffizienz legte zu: Schreib- und Lesevorgänge verbesserten sich um 18 beziehungsweise 30 Prozent. Gefertigt wird im japanischen Kitakami-Werk Fab2.
Samsung und SK Hynix liefern sich HBM-Wettlauf
Die südkoreanischen Speicherriesen treiben ihre High-Bandwidth-Memory( HBM)-Roadmaps massiv voran. Auf der COMPUTEX 2026 in Taipeh stellte Samsung Anfang Juni HBM4E vor – mit 30 Prozent mehr Kapazität und einer Bandbreite von über vier Terabyte pro Sekunde. Herzstück ist ein 4-Nanometer-Logik-Base-Die. Für die kommende HBM5-Generation kündigte Samsung zudem eine spezielle Kühltechnologie namens „Heat Path Block" an.
SK Hynix setzt auf ein „Full-Stack"-Portfolio mit HBM4, HBM4E und speziellen Formfaktoren wie SOCAMM2 und Enterprise-SSDs. Die Marktforscher von Gartner prognostizieren für 2026 ein HBM-Umsatzwachstum von 92 Prozent. Omdia rechnet sogar mit einem Plus von 130 Prozent bei Enterprise-SSDs – getrieben durch den Trend zu mehrstufigen Speicherhierarchien in Rechenzentren.
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Micron: Produktion bis 2027 ausverkauft
Besonders deutlich zeigt sich der Druck bei Micron Technology. Der gesamte HBM-Ausstoß des Unternehmens für 2026 ist bereits verkauft. Der Konzern spricht von einem „strukturellen Engpass" in der KI-Beschleuniger-Produktion. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete Micron einen annualisierten Data-Center-Umsatz von über 100 Milliarden Euro – und die Nachfrage übersteigt bei DRAM wie NAND durchgängig das Angebot.
Um langfristig gegenzusteuern, startete Micron kürzlich den Bau einer 9,3 Milliarden Euro schweren Erweiterung seines Werks im japanischen Hiroshima. Die japanische Regierung unterstützt das Projekt mit umgerechnet rund 3,3 Milliarden Euro. Die ersten Auslieferungen werden für Sommer 2028 erwartet. Zudem hat Micron 16 strategische Kundenverträge abgeschlossen, die etwa ein Drittel seiner NAND-Produktion bis 2030 binden – mit einem Gesamtwert von rund 100 Milliarden Euro.
Milliarden-Markt in Sicht
Die Dimensionen sind gewaltig: Marktforscher sehen den Data-Center-Speichermarkt bis 2030 bei 1,4 Billionen Euro – ein sprunghafter Anstieg von 60 Milliarden Euro im Jahr 2024. McKinsey schätzt die gesamten Kapitalausgaben für KI-Berechnung bis zum Ende des Jahrzehnts auf 5,2 Billionen Euro. Bereits 2026 werden KI-Rechenzentren voraussichtlich rund 70 Prozent aller weltweit produzierten Speicherchips verschlingen. Der Wettlauf um die knappen Ressourcen zwischen den großen Cloud-Anbietern dürfte sich damit weiter verschärfen.
