Druck, Kläger

Meta unter Druck: 91.500 Kläger in Deutschland fordern Schadensersatz

23.06.2026 - 12:13:09 | boerse-global.de

Verbraucherschützer kritisieren suchtfördernde Designs und lückenhafte Alterskontrollen bei großen Plattformen.

VZBV-Studie: Soziale Netzwerke versagen beim Jugendschutz
Druck - Eine Silhouette eines jungen Menschen, der auf einen leuchtenden Smartphone-Bildschirm blickt, der soziale Medien anzeigt. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

versagen massiv beim Schutz Minderjähriger. Das behauptet der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) in einem heute veröffentlichten Bericht. Die Untersuchung lief vom 13. März bis zum 1. Juni 2026.

Im Fokus der Kritik: manipulative Designelemente, die süchtig machen sollen. Endlos-Feeds und Autoplay-Funktionen maximieren die Nutzungsdauer gezielt, so die Verbraucherschützer. Alterskontrollen bei der Registrierung blieben zudem ohne echte Prüfung. Schutzfunktionen seien oft nicht standardmäßig aktiviert.

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Damit verstoßen die Plattformen gegen den Digital Services Act (DSA) – insbesondere gegen Artikel 28. Der VZBV fordert nun von der EU-Kommission klare gesetzliche Vorgaben. Suchtfördernde Mechanismen müssten standardmäßig deaktiviert sein. Ein pauschales Social-Media-Verbot für Jugendliche lehnt der Verband aber ab. Stattdessen plädiert er für verbindliche Regeln für sichere Dienste im Rahmen eines Digital Fairness Act.

Unionsfraktion plant variable Altersgrenzen

Die Unionsfraktion will im Herbst 2026 variable Altersgrenzen für soziale Medien einführen. Statt eines generellen Verbots soll die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz die Mindestvorgaben je nach Risikoprofil der Plattform festlegen. Den Altersnachweis plant das Konzept über die EUDI-Wallet, deren Einführung für Januar 2027 vorgesehen ist.

Die politische Debatte zeigt unterschiedliche Positionen. Der Deutsche Ärztetag und Elterninitiativen fordern striktere Verbote oder ein gesetzliches Mindestalter von 16 Jahren. Der Deutsche Ethikrat und die Bildungsministerkonferenz lehnen pauschale Ausschlüsse ab. Sie setzen auf Medienkompetenz und konsequentere Durchsetzung bestehender Regeln wie des DSA. Der Branchenverband Bitkom warnt ebenfalls vor Verboten und verweist auf die gesellschaftliche Teilhabe durch die Dienste. Als Vorbild dient Australien, wo seit Dezember 2025 ein Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren gilt.

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Meta unter juristischem Druck

Parallel zur Jugendschutzdebatte steht Meta massiv unter Druck. Die Business-Tools des Konzerns erfassen Daten auf 30 bis 40 Prozent aller weltweiten Websites – teilweise auch von Personen ohne Nutzerkonto. In Deutschland haben sich bis März 2026 rund 91.500 Kläger an entsprechenden Verfahren beteiligt. Weitere 300.000 Kläger werden in zusätzlichen Verfahren genannt.

Deutsche Gerichte sprachen bereits Schadensersatz zwischen 750 und 10.000 Euro zu. Eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) wird für 2027 erwartet. Der europäische Markt ist für Meta wirtschaftlich enorm wichtig: Der Konzern erzielt in der Region jährliche Umsätze von rund 50 Milliarden Euro.

de | wissenschaft | 69609377 |