Meta-Überwachung, KI-Tool

Meta-Überwachung: KI-Tool MCI spioniert Mitarbeiter seit Mai aus

30.05.2026 - 14:06:56 | boerse-global.de

Meta zeichnet mit MCI Arbeitsabläufe von US-Angestellten auf. Datenschützer sehen DSGVO-Verstöße bei Erfassung europäischer Mitarbeiterdaten.

Meta-Überwachung: KI-Tool MCI spioniert Mitarbeiter seit Mai aus - Foto: über boerse-global.de
Meta-Überwachung: KI-Tool MCI spioniert Mitarbeiter seit Mai aus - Foto: über boerse-global.de

Der Facebook-Konzern Meta hat ein internes Programm gestartet, das die Computeraktivitäten der Belegschaft ausspioniert – angeblich für die Entwicklung künstlicher Intelligenz. Datenschützer schlagen Alarm.

Das System namens MCI (Meta Computer Intelligence) zeichnet seit Mai 2026 die digitalen Arbeitsabläufe von US-Angestellten auf. Erfasst werden Mausklicks, Navigationsmuster und die Nutzung von über 200 verschiedenen Anwendungen und Webseiten. Ziel ist es, KI-Agenten zu trainieren, die selbstständig Aufgaben erledigen können, indem sie menschliches Verhalten am Computer nachahmen.

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Datenhunger ohne Grenzen

Die Überwachung geht weit über die bloße Navigation hinaus. Interne Analysen von Mitarbeitern deuten darauf hin, dass das Tool auch Code-Änderungen, URLs und sogar Zwischenablage-Inhalte erfasst – angeblich unverschlüsselt. Mehrere Beschäftigte berichten von drastischen Datenverbräuchen: Bei manchen war das monatliche Datenvolumen innerhalb weniger Tage aufgebraucht, verursacht durch die Hintergrundaktivität des Programms.

Datenschutzaktivisten bezeichnen Meta deshalb als „Extraktionsfabrik für Mitarbeiterdaten". Das Unternehmen selbst weist die Vorwürfe zurück. Sprecher Dave Arnold betont, dass MCI lediglich Interaktionen aufzeichne, nicht aber den tatsächlichen Bildschirminhalt. Die internen Analysen zu unverschlüsselten Zwischenablage-Zugriffen und Code-Tracking seien unzutreffend.

Kollisionskurs mit der DSGVO

Das eigentliche Problem liegt jedoch woanders: Das Tool erfasst automatisch auch Daten von Mitarbeitern außerhalb der USA – immer dann, wenn sie mit US-Kollegen kommunizieren, die MCI aktiviert haben. Meta räumt in internen Dokumenten ein, dass die Software Interaktionen mit Nicht-US-Beschäftigten aufzeichnet.

Die Datenschutzorganisation NOYB warnt, dass dies gegen die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verstoße. „Die Zweckentfremdung von Arbeitskommunikation für die KI-Entwicklung ist mit dem ursprünglichen Erhebungszweck nicht vereinbar", sagt NOYB-Expertin Kleanthi Sardeli. Meta hat die irische Datenschutzkommission (DPC) informiert, dass die Erfassung europäischer Daten nicht der Hauptzweck des Tools sei. Die Behörde prüft den Fall.

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Johnny Ryan vom Irish Council for Civil Liberties fordert eine formelle Untersuchung durch die DPC. „Hier geht es um grundlegende Datenschutzstandards, die eingehalten werden müssen", so Ryan.

Börse zeigt sich unbeeindruckt

Trotz der Kontroversen läuft das Geschäft bei Meta weiter rund. Die Aktie des Konzerns schloss am Donnerstag bei umgerechnet rund 590 Euro – der Börsenwert liegt bei über 1,5 Billionen Euro. Branchenanalysten sehen das regulatorische Risiko in Europa derzeit als beherrschbar für den Technologieriesen. Ob das so bleibt, dürfte nicht zuletzt von der Entscheidung der irischen Datenschützer abhängen.

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