KI-Training, Mitarbeiter

Meta stoppt KI-Training: 1.600 Mitarbeiter protestieren gegen Überwachung

26.06.2026 - 01:31:07 | boerse-global.de

Meta stoppt KI-Training nach Datenschutzbedenken, Amazon testet Scanner. Die EU-KI-Verordnung bringt ab August strenge Auflagen für Unternehmen.

KI-Überwachung am Arbeitsplatz: Meta, Amazon und neue EU-Regeln
KI-Training - Eine Person sitzt vor einem Computer, umgeben von digitalen Datenströmen, die KI-Überwachung und Datenschutz am Arbeitsplatz symbolisieren. 26.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Integration Künstlicher Intelligenz in betriebliche Abläufe verändert das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten rasant. Technologiekonzerne und neue EU-Regeln verschärfen das Spannungsfeld zwischen Effizienz, Datenschutz und Mitarbeiterrechten.

Meta stoppt KI-Training nach Sicherheitsbedenken

Der US-Konzern Meta setzte am 24. Juni sein internes Programm „Model Capability Initiative“ (MCI) aus. Dabei zeichnete das System Mausbewegungen, Tastaturanschläge und Bildschirminhalte von Angestellten auf – zur Optimierung generativer KI-Modelle.

Auslöser waren Berichte über ein mögliches Datenleck. Sensible Informationen wie private Unterhaltungen, Transkriptionen und Leistungsdaten sollen intern für andere Mitarbeiter zugänglich gewesen sein. Über 1.600 Beschäftigte protestierten in einer Petition gegen die Überwachung. Ein Sprecher bestritt einen unbefugten Zugriff von außen, bestätigte aber die Aussetzung des Programms für eine interne Untersuchung. Bereits Anfang Juni durften Mitarbeiter die Erfassung für 30-Minuten-Fenster pausieren.

Amazon testet Scanner für Zeiterfassung

Auch in der Logistik wird schärfer kontrolliert. Amazon erprobt unter dem Namen „Right Station Link“ tragbare Scanner. Das System soll Eincheck-Vorgänge und Arbeitsstunden für Support-Rollen in nordamerikanischen Lagern automatisch erfassen.

Das Ziel: weniger unproduktive Arbeitszeit. Ein vollständiger Rollout ist für das Weihnachtsgeschäft geplant. Kritiker befürchten eine Überwachungsmaschinerie. Der Konzern betont, das System erstelle keine Echtzeit-Bewegungsprofile und messe keine individuelle Produktivität.

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EU-KI-Verordnung: Strenge Auflagen ab August

Ab August 2026 greift die EU-KI-Verordnung (AI Act) schrittweise. Besonders KI-Systeme im Personalwesen gelten als Hochrisiko-Anwendungen und unterliegen strengen Auflagen.

Artikel 4 schreibt eine KI-Kompetenz-Pflicht vor. Ab dem 2. August 2026 sind Verstöße sanktionierbar. Unternehmen müssen Mitarbeiter im Umgang mit KI qualifizieren und eine Risikoeinstufung ihrer Werkzeuge vornehmen. Bei Nichtbeachtung drohen Bußgelder von bis zu 35 Millionen Euro.

Unkontrollierte KI-Agenten: Gefahr für Unternehmen

Neben Überwachung rücken Sicherheitsrisiken in den Fokus. Eine Studie von KnowBe4 vom 25. Juni zeigt: 48 Prozent der deutschen Unternehmen setzen bereits autonome KI-Agenten ohne ausreichende Kontrollmechanismen ein. 62 Prozent der Cybersicherheitsverantwortlichen haben solche Agenten integriert.

Die Studie warnt zudem vor Deepfakes: 55 Prozent der Mitarbeiter können täuschend echte Manipulationen vermutlich nicht erkennen. BSI-Präsidentin Claudia Plattner sprach auf der Nationalen Cybersicherheits-Konferenz am 25. Juni von einer „neuen Zeitrechnung der Cyberkriminalität“. KI helfe Angreifern, Schwachstellen schneller zu identifizieren. Die Fallzahlen steigen: 2025 gab es 1.041 Ransomware-Fälle, 2024 waren es 950.

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Europäische Alternativen gefordert

Spitzenvertreter deutscher Sicherheitsbehörden forderten auf der Konferenz in Potsdam am 24. Juni europäische KI-Alternativen. Vertreter von BSI, Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz wiesen auf die finanzielle Kluft hin. Während US-Konzerne und chinesische Programme Milliarden investieren, stehen deutschen Behörden vergleichsweise geringe Mittel zur Verfügung.

Eine europäische Lösung sei nötig, um Abhängigkeiten zu verringern und hohe Datenschutzstandards zu sichern.

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