Mentaltraining, Nachwuchsteams

Mentaltraining im Sport: Warum Nachwuchsteams schon ab U16 davon profitieren

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 02:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vereine und Spitzensportler setzen auf psychologische Begleitung, um Konzentration, Druckbewältigung und Regeneration im Trainingsalltag zu stärken.
Eine leere Sportanlage bei Dämmerung mit einer roten Laufbahn und einem grünen Rasenplatz. Illustration mit AI erstellt.

Der Einsatz von Mental-Coaches gewinnt im Leistungssport zunehmend an Bedeutung, um die psychische Widerstandskraft von Athleten zu steigern und wirksame Verhaltensroutinen im Wettkampfalltag zu verankern. Zahlreiche Beispiele aus verschiedenen Sportarten und Ausbildungsprogrammen verdeutlichen, dass psychologische Vorbereitung längst über Kriseninterventionen hinausgeht und als feste Säule des Trainingsbetriebs verstanden wird.

Systematische Nachwuchsförderung im Eishockey und Fußball

Dass mentale Vorbereitung bereits in jungen Jahren ansetzt, zeigen aktuelle Initiativen im Vereinssport. Die SCL Young Tigers führten ein Mentaltraining unter der Leitung von Sportpsychologe Simon Raeber ein, der auch für die erste Mannschaft der SCL Tigers tätig ist.

Ende September 2026 fand dazu ein Workshop für Coaches der Altersklassen U16 bis U21 statt, der Grundlagen, Gruppenführung, Teambuilding sowie praktische Übungen behandelte. Ab Mitte Oktober 2026 folgten zielgerichtete Workshops direkt mit den Nachwuchsteams der Stufen U16-Top, U16-Elit, U18-Elit und U21-Elit.

Einen vergleichbaren Ansatz verfolgt die ?negöl Kafkasspor Akademi. Dort leitete die Klinikpsychologin ?evval Naz Sevinç für die U-15-Mannschaft ein Seminar unter dem Titel „Güçlü Psikoloji, Güçlü Oyun“. Im Fokus standen Selbstvertrauen, Motivation, Stressmanagement und Teamgeist. Nachwuchsleiter Murat Endes kündigte an, derartige Einheiten künftig auf weitere Altersgruppen auszuweiten.

Ganzheitliche Integration in den Trainingsalltag

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Fachleute fordern seit Längerem, Sportpsychologen fest in die Betreuerteams einzubinden. Die Psychologin Patricia Ramírez betont, dass psychologische Betreuung analog zu Ernährung, Schlaf und Athletiktraining zur Normalität gehören müsse.

Mentales Training dürfe nicht erst in Krisen greifen, sondern solle Konzentration, Druckbewältigung, Frustrationstoleranz und die emotionale Erholung nach Fehlern schulen. Dies gelte insbesondere für Klubs wie Real Madrid, wo Akteure wie Vinicius, Kylian Mbappé, Jude Bellingham oder Ousmane Diomande kontinuierlich unter hohem Erwartungsdruck stehen.

Ähnliche Schwerpunkte setzen Sébastien Bécuwe und David Pruvot, Wirtschaftslehrer an der Université Jules-Verne und dem IUT Amiens. Die beiden Gründer der 2020 ins Leben gerufenen Initiative Team 2 Performance Mentale betreuen Sportler, Trainer und Teams ebenso wie Wirtschaftsunternehmen.

Im Sommer 2026 veröffentlichten sie das Buch „L'alignement au cœur de la performance“ und hoben den Wert mentaler Vorbereitung zur Vorbeugung psychischer Gesundheitsprobleme hervor.

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Methodische Werkzeuge und individuelle Betreuung

Der Sportpsychologe Gustavo Ruiz, Gründer von GR Mentoría mit über 30 Jahren Berufserfahrung und Autor von „La cabeza del campeón“, betreute bereits Größen wie Franco Colapinto, Juan Martín del Potro, Paula Pareto sowie die Gebrüder Benavídez. Er verweist auf Methoden wie Visualisierung, Atmung, Meditation, präkompetitive Routinen und den inneren Selbstdialog. Letzterer erfordere intensives Training; zudem müssten Zielsetzungen klar, realistisch und zugleich fordernd sein.

In der Praxis greifen viele Spitzensportler auf persönliche Begleiter zurück. Fußballprofi Gustav Isaksen von Lazio Rom berichtete vor einer Begegnung gegen Parma, dass ihm die häusliche Zusammenarbeit mit seinem Mentalcoach neben seinem Glauben zu spürbar mehr Selbstsicherheit verholfen habe.

Auch Rodlerin Julia Taubitz arbeitet seit mehr als vier Jahren – über einen gesamten olympischen Zyklus hinweg – mit Mentaltrainer Patrick Thiele zusammen, nachdem sie nach den Winterspielen 2022 zunächst mit virtuellen Treffen gestartet war.

Dass Spitzenleistungen oft ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren erfordern, zeigt auch der Werdegang von Golferin Maja Stark. Nach ihrem Triumph bei den U.S. Women’s Open 2025 in Erin Hills mit 281 Schlägen und 7 unter Par – zwei Schläge vor Nelly Korda und Rio Takeda – sah sie sich mit erheblichem Erwartungsdruck konfrontiert.

Neben der Rückkehr ihres langjährigen Caddies suchte sie Unterstützung bei einer Therapeutin, einer Sportpsychologin und einem Mental-Coach; zudem behob eine Physiotherapeutin jahrelange Atemmuster, wodurch frühere Rippenbeschwerden abklangen.

Sportlich folgten unter anderem ein geteilter zehnter Rang bei der Evian Championship sowie im September 2026 der Gewinn des Solheim Cups, bei dem Stark drei Punkte aus drei Teammatches zum 15:13-Sieg des europäischen Teams beisteuerte.

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