Mental, Load

Mental Load: Unsichtbare Arbeit belastet Freundschaften langfristig

29.06.2026 - 18:44:34 | boerse-global.de

Der Artikel beleuchtet die zunehmende Sichtbarkeit psychischer Belastungen in Alltag, Freundschaften und Profisport sowie neue Herausforderungen durch Digitalisierung und steigende Kosten.

Mental Load und Friendflation: Psychische Belastungen im Fokus
Mental - Eine Gruppe von Freunden in einem modernen Apartment, die sich unterhält, wobei eine Person subtil die Interaktion steuert. 29.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Mental Load betrifft nicht mehr nur den Haushalt, sondern auch Freundschaften und den Profisport.

Unsichtbare Arbeit in Freundeskreisen

Die Organisation von Treffen, Geburtstagsgeschenken oder Gruppenreisen ist echte Arbeit. Psychologen nennen dieses Phänomen Mental Load. Meist übernehmen Frauen diese unsichtbare Koordination, erklärt Psychologin Eva Elisa Schneider. Die Folge: ungleiche Rollenverteilung und langfristig belastete Beziehungen.

Hinzu kommt ein neues Phänomen: Friend-xiety – die Angst, in Freundschaften etwas falsch zu machen. Die Psychomedizinerin Petra Beschoner sieht die Ursache in unsicheren Bindungsmustern und geringem Selbstwertgefühl. Ihre Empfehlung: mehr Achtsamkeit und offene Gespräche über Erwartungen.

Sportpsychologie: Hertha BSC setzt auf mentale Profile

Auch im Profisport wird die Psyche immer wichtiger. Beim Fußball-Zweitligisten Hertha BSC erstellt Sportpsychologin Paula Isringhausen detaillierte Profile der Spieler. Die Tests messen kognitive Wahrnehmung, Reaktionsschnelligkeit und Entscheidungsfindung unter Druck.

Trainer Stefan Leitl bezeichnet sportpsychologische Arbeit als „Notwendigkeit im modernen Wettbewerb“. Das bestätigt auch Handball-Nationalspieler Johannes Golla: Vor entscheidenden K.o.-Spielen seien Führungsspieler und offene Kommunikation entscheidend, um den mentalen Druck zu bewältigen.

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Friendflation: Wenn Freundschaften teurer werden

Steigende Kosten belasten soziale Beziehungen. Der Psychotherapeut Wolfgang Krüger beobachtet, dass Geld durch die wachsende Schere zwischen Arm und Reich ein wichtigerer Faktor wird. Die Preise in der Gastronomie stiegen zwischen Januar 2022 und Juli 2025 um über 26 Prozent.

Der Verhaltensökonom Stefan Trautmann erklärt: Soziale Treffen sind oft an den öffentlichen Raum gebunden, eine Substitution ist schwierig. Unterschiedliche finanzielle Spielräume können Freundschaften sogar beenden.

Gleichzeitig sinken die Vergütungen für Psychotherapie. Im April 2026 beschlossen die Selbstverwaltungspartner im Gesundheitswesen eine Absenkung um 4,5 Prozent. Die Entscheidung wird derzeit rechtlich geprüft.

KI als Therapeut – und als Risiko

Die Digitalisierung bietet neue Chancen und Gefahren. Forscher der Universität Ottawa stellten mit „Ubi My Therapist“ einen KI-Assistenten vor, der Wearable-Daten nutzt, um Stresssignale frühzeitig zu erkennen. Die Studie wurde im Fachjournal IEEE veröffentlicht.

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Doch die Risiken sind real. Julia Brailovskaia von der Ruhr-Universität Bochum warnt: Übermäßiger Konsum sozialer Medien korreliert mit Schlafstörungen, Depressionen und Angstzuständen. Das betrifft nicht nur junge Menschen. Eine Studie der York University mit 13.500 Kanadiern über 55 Jahren zeigt: Soziale Medien verschlechtern die psychische Gesundheit in dieser Altersgruppe, während E-Mail-Kommunikation positiv wirkt.

Beim digitalen Dating bleibt die Skepsis hoch. Laut einer Erhebung der Match Group unter 1.000 US-Singles lehnt fast die Hälfte KI im Kennenlernprozess ab. Besonders Frauen sind kritisch, wie Umfragen des Branchenverbandes Bitkom zeigen. Viele können sich KI als Unterstützung vorstellen – aber nicht als Ersatz für echte menschliche Interaktion.

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