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Mental Load: Mütter tragen 71% der unsichtbaren Alltagslast

Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Experten analysieren Stressursachen wie Mental Load und Überforderung. KI bietet Chancen, doch strukturelle Probleme und Versorgungslücken bleiben.

Chronischer Stress: Ursachen, Mental Load und die Rolle von KI im Überblick
Eine nachdenkliche Person sitzt an einem minimalistischen Schreibtisch in einem hellen Büro, umgeben von Dokumenten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die moderne Arbeits- und Lebenswelt ist zunehmend durch ein Übermaß an Anforderungen und Informationen geprägt. Aktuelle Analysen und Expertenbefragungen zeigen, dass chronischer Stress oft weniger aus einzelnen Belastungsspitzen resultiert, sondern aus der Schwierigkeit, in einem überfüllten Alltag Prioritäten zu setzen und Auswahlentscheidungen zu treffen.

Fokus auf Auswahl und Priorisierung

Der Stressexperte Volker Busch betont in einer aktuellen Auseinandersetzung mit dem Thema, dass chronischer Stress häufig aus einem generellen „Zuviel“ im Leben entstehe. Die Herausforderung bestehe darin, klüger auszuwählen, welche Aufgaben und Reize im Alltag tatsächlich von Bedeutung sind.

Diese Notwendigkeit zur Selektion wird durch die fortschreitende Digitalisierung verschärft, die zwar Effizienzpotenziale bietet, aber auch die Menge der verfügbaren Informationen und Erwartungen erhöht.

In diesem Zusammenhang wird die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI) differenziert betrachtet. Der Sozialwissenschaftler Michael Gerlich von der SBS Swiss Business School weist darauf hin, dass KI das kritische Denken fördern könne, sofern sie nicht lediglich als „Antwortmaschine“ genutzt werde. Eine falsche Anwendung könne hingegen zu einer kognitiven Passivität führen.

Unternehmen wird empfohlen, gezielt Reibungspunkte und Austauschformate wie „Campfire“-Meetings zu schaffen, um die Reflexionsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhalten. Ein Beitrag in der Wirtschaftswoche thematisiert zudem die Notwendigkeit einer staatlichen „Chronopolitik“, um durch KI freigewordene Zeitkontingente, etwa für Sorgejahre, gerecht umzuverteilen.

Burn-out als gesellschaftliches Phänomen

Die Forschung rückt zunehmend von der Betrachtung des Burn-outs als rein individuelles Versagen ab. Die Wissenschaftlerin Sarah De Mul von der Open Universiteit untersucht im Rahmen eines Projekts mit der Maastricht University, inwieweit Burn-out ein Symptom gesellschaftlicher Ungleichheit ist. In ihrem Werk „De kunst van de burn-out“ wird die Diese gestützt, dass strukturelle Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle spielen.

Auch die Autorin Kathrin Fischer kritisiert in ihrem aktuellen Buch eine fortschreitende Entpolitisierung durch den sogenannten Achtsamkeits-Boom. Die Konzentration auf individuelle Entspannungstechniken verschleiere oft strukturelle Probleme, die kollektive Lösungen erforderten.

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Diese Sichtweise korrespondiert mit den Ergebnissen der großangelegten Querschnittsstudie „Parental Burnout Around the Globe“ aus dem Jahr 2021. Die Untersuchung unter 17.409 Eltern in 42 Ländern identifizierte den Individualismus einer Kultur als stärksten Prädiktor für elterlichen Burn-out – weit vor Faktoren wie dem Einkommen oder dem Umfang der Kinderbetreuung. In Ländern wie Polen (39,41) und Belgien (36,67) wurden dabei deutlich höhere Prävalenzen gemessen als etwa in Thailand (5,72) oder Kuba (6,79).

Die Belastung durch Mental Load

Ein wesentlicher Faktor für chronischen Stress, insbesondere im familiären Kontext, ist der sogenannte Mental Load – die unsichtbare Last der Organisation des Alltags. Studien verdeutlichen die ungleiche Verteilung: Während Mütter demnach rund 71 Prozent der mentalen Aufgaben übernehmen, liegt der Anteil bei Vätern bei etwa 45 Prozent. Experten raten hier zu einer bewussten Delegation von Aufgaben und dem Aufbau unterstützender Netzwerke.

Für Studierende wurden bereits niedrigschwellige Ansätze entwickelt. So entwarfen Yohanes Carolus Satria Bramantyo und Ivena Ayu Lestari ein Stressregulations-Kit namens „STIMZY“, das unter anderem Reflexionsjournale und haptische Hilfsmittel enthält, um die Selbstregulation im akademischen Alltag zu unterstützen.

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Im Bereich der Bildung wird zudem auf technologische Entlastung gesetzt: Das KI-Tool „Persen Smart Creator“ soll Lehrkräfte und Schulleitungen bei der Differenzierung von Unterrichtsmaterialien entlasten.

Herausforderungen im Gesundheitssystem

Trotz der Erkenntnisse über die Ursachen von Stress bleibt die Versorgungslage für Betroffene komplex. Am Beispiel Berlin zeigt sich ein Paradoxon: Trotz einer rechnerischen Überversorgung von 166 Prozent bleibt die Suche nach einem Therapieplatz schwierig.

Eine neue Budgetierung sieht zudem vor, dass ab dem Jahr 2026 für einen halben Kassensitz nur noch 18 statt bisher 25 Sitzungen pro Woche vorgesehen sind. Dies geschieht vor dem Hintergrund steigender Zahlen: Laut Daten der DAK sind psychische Erkrankungen der häufigste Grund für Krankschreibungen, mit einem Zuwachs von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Besonders dramatisch stellt sich die Situation für Menschen mit ME/CFS dar. Der Betroffene Martin Steinhäuser machte kürzlich mit einer Aktion auf die geschätzt 15.000 Fälle in Thüringen aufmerksam, um auf die schwere chronische Erschöpfung und die damit verbundenen strukturellen Defizite in der Anerkennung und Behandlung hinzuweisen.

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