Mental, Load

Mental Load: Jede fünfte Frau psychisch stark belastet

12.06.2026 - 10:20:01 | boerse-global.de

Studien zeigen hohe psychische Belastung bei erwerbstätigen Müttern. Politik und Experten raten zu mehr Unterstützung und klaren Absprachen.

Mental Load: Doppelbelastung durch Job und Familie belastet viele
Mental - Eine Familie – Eltern und Kinder – interagiert harmonisch in einem modernen Zuhause, symbolisch für Work-Life-Balance. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Doppelbelastung aus Job und Familie wird für Erwerbstätige in Deutschland und der Schweiz zunehmend zur psychischen Zerreißprobe. Besonders die unsichtbare Organisationsarbeit – der sogenannte Mental Load – treibt viele an ihre Grenzen.

Warum besonders Mütter unter Druck stehen

Rund 12 bis 13 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiten unfreiwillig in Teilzeit. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Die Kluft zwischen Wunsch- und Realarbeitszeit sorgt für Unzufriedenheit und finanzielle Unsicherheit.

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Die regionalen Unterschiede sind eklatant. In Bremen ist nur die Hälfte der Mütter mit Kindern zwischen drei und sechs Jahren berufstätig. Bundesweit liegt der Wert bei 75 Prozent. Hauptgründe: tradierte Rollenbilder und fehlende Betreuungsplätze.

Besonders krass wird es bei kranken Kindern. Fehlen klare Absprachen, übernehmen in 80 Prozent der Fälle die Mütter die Betreuung.

Jede fÜnfte Frau fÜhlt sich psychisch stark belastet

Die Schweizerische Gesundheitsbefragung liefert alarmierende Zahlen: Jede fünfte Frau fühlt sich psychisch mittel bis stark belastet. Bei Männern ist es nur jeder Siebte. Besonders betroffen: junge Frauen zwischen 15 und 25 Jahren.

Expertin Laura Fröhlich beschreibt das Problem: Frauen jonglieren permanent unzählige organisatorische Aufgaben. Diese Dauerbelastung kann in eine Erschöpfungsdepression münden. Typische Frühwarnzeichen: Schlafstörungen, Migräne und anhaltende Erschöpfung.

Sogar Prominente thematisieren den Spagat. Sängerin Helene Fischer sprach zum Start ihrer Jubiläumstour offen über die Herausforderungen zwischen Karriere und Mutterrolle.

Vier Strategien gegen den Familien-Stress

Beratungsstellen empfehlen diese Maßnahmen für eine bessere Balance:

Notfall-Netzwerk aufbauen: Eltern sollten frühzeitig Kontakte zu Verwandten, Freunden oder Nachbarn knüpfen. Im Ernstfall zählt jedes helfende Paar Hände.

Flexible Arbeitsmodelle nutzen: Homeoffice und flexible Arbeitszeiten helfen, die Betreuungslast gerechter zu verteilen. Beide Elternteile sollten diese Möglichkeiten ausschöpfen.

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Aufgaben sichtbar machen: Mental-Load-Listen der Initiative Equal Care zeigen, wer im Alltag wirklich was schultert. Erst wenn alle Aufgaben auf dem Tisch liegen, lässt sich fair verteilen.

Warnsignale ernst nehmen: Wer frühzeitig auf Symptome wie Erschöpfung oder Reizbarkeit achtet, kann gegensteuern, bevor es zur klinischen Belastung kommt.

Atemtechniken als Soforthilfe im BÜro

Physiotherapeutin Friederike Reumann empfiehlt einfache Atemübungen für den Arbeitsalltag. Die 4-7-8-Technik oder die Ujjayi-Atmung aktivieren den Parasympathikus und senken den Stresspegel – direkt am Schreibtisch.

Politik setzt auf mehr Väter-Verantwortung

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will die Partnermonate beim Elterngeld ausweiten. Ziel: Väter sollen länger als die bisher üblichen zwei Monate in Elternzeit gehen. Das soll die Erziehungsarbeit gerechter verteilen – und gleichzeitig den Haushalt 2027 entlasten.

Parallel boomen spezialisierte Weiterbildungen. Seminare wie „Gesund Führen“ für weibliche Führungskräfte oder Elternworkshops wie „Kess-erziehen“ fokussieren auf Resilienz und Konfliktlösung. Sie helfen dabei, das schlechte Gewissen gegenüber Familie oder Arbeitgeber abzubauen.

de | wissenschaft | 69525741 |