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Mental Load: Frauen leisten neun Stunden mehr Sorgearbeit

Veröffentlicht am: 15.07.2026 um 20:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studie belegt: Frauen tragen Hauptlast mentaler Sorgearbeit, was zu mehr Stress und Erschöpfung führt. Der Gender Care Gap liegt bei 44 Prozent.

Mental Load: Ungleiche Care-Arbeit belastet Frauen psychisch
Eine Frau blickt nachdenklich, umgeben von verschwommenen Aufgabenlisten und Symbolen für geistige Belastung und Stress. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Besonders die mentale Care-Arbeit – das Planen, Organisieren und Vorhersehen familiärer Abläufe – wird überwiegend von Frauen geleistet. Das hat messbare Auswirkungen auf deren psychische Gesundheit und wirtschaftliche Absicherung.

Die unsichtbare Last: Studie belegt psychische Folgen

Eine Studie der HMU Health and Medical University Potsdam unter Leitung von Prof. Rebecca Wiczorek belegt: Frauen leisten in Deutschland signifikant mehr mentale Care-Arbeit als Männer. Der geschlechtsspezifische Unterschied ist hierzulande mehr als doppelt so groß wie in vergleichbaren US-amerikanischen Studien.

Als besonders belastend identifizierten die Forscher die emotionale Care-Arbeit. Sie korreliert stark mit erhöhtem Stress, Depressivität und emotionaler Erschöpfung. Interessant: Bei Männern zeigten sich bereits bei geringer bis moderater Belastung stärkere negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden. Dennoch tragen Frauen weiterhin die Hauptlast des „Mental Load“ – ein Phänomen, das seit 2016 verstärkt in der Forschung diskutiert wird.

Mehr Kitaplätze, mehr Väter in Elternzeit

Die Verfügbarkeit von Kinderbetreuungsplätzen beeinflusst die Verteilung der Sorgearbeit direkt. Eine Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigt einen klaren Trend: Auf zehn neu geschaffene Kitaplätze für unter Dreijährige kommen rechnerisch vier zusätzliche Väter, die Elternzeit nehmen.

Meist beschränkt sich diese Zeit jedoch auf zwei Monate, häufig im zweiten Lebensjahr des Kindes. Gleichzeitig führen bessere Betreuungsmöglichkeiten dazu, dass Mütter ihre Elternzeit verkürzen und früher in den Beruf zurückkehren. Trotz langsamer Annäherung der Arbeitszeiten und eines Wandels der Rollenbilder bleibt die unbezahlte Sorgearbeit ungleich verteilt.

Gender Care Gap: 44 Prozent Unterschied

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Die ungleiche Verteilung schlägt sich direkt in ökonomischen Kennzahlen nieder. Bundestagspräsidentin Bärbel Bas wies im März 2026 auf einen Gender Care Gap von 44 Prozent hin. Frauen leisten pro Woche im Schnitt neun Stunden mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer.

Die Folge: Viele Frauen reduzieren ihre Erwerbsarbeit. 45 Prozent der in Teilzeit arbeitenden Mütter würden gerne ihren Beschäftigungsumfang erhöhen. Die wirtschaftlichen Konsequenzen ziehen sich bis in die Rente. Der Gender Pension Gap liegt bundesweit bei 36 Prozent – während der Gender Pay Gap bei 16 Prozent (bereinigt 6 Prozent) liegt.

Pflegende Angehörige: Die unsichtbaren zweiten Patienten

Neben der Kindererziehung stellt die Pflege von Angehörigen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Eine im Juli 2026 in der Fachzeitschrift BMC Geriatrics veröffentlichte Studie bezeichnet pflegende Angehörige als „unsichtbare zweite Patienten“. Längere und intensivere Pflegephasen erhöhen das Risiko für chronischen Stress massiv. Forscher fordern daher neben praktischer Entlastung auch verstärktes Resilienztraining.

Psychotherapie-Versorgung: 100 Millionen Euro gefordert

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Gleichzeitig steht die professionelle psychotherapeutische Versorgung vor strukturellen Veränderungen. Der Bundestag verabschiedete am 10. Juli 2026 das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (GKV-BStabG). Berufsverbände kritisieren die neuen Vergütungsregeln und warnen vor einer Verknappung des Angebots bei steigendem Bedarf.

Die SPD-Bundestagsfraktion brachte Mitte Juli 2026 einen Entschließungsantrag ein. Er sieht zusätzliche Mittel in Höhe von 100 Millionen Euro für die psychotherapeutische Versorgung vor. Der Fokus soll auf Kindern, Jugendlichen und schwer psychisch Erkrankten liegen, betonte der gesundheitspolitische Sprecher Christos Pantazis.

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